ABB behält die Stromsparte. Eine gute Nachricht für den Aargau?

Urs Hofmann: Ja. ABB setzt damit auf seine industrielle Zukunft. Das ist ein starkes Zeichen für die Unabhängigkeit des ABB-Verwaltungsrats. Erfreulicherweise steht auch der grösste ABB-Aktionär, die Familie Wallenberg, hinter dieser Strategie.

Ist die Stromsparte aber trotz Stromüberfluss genug zukunftsträchtig?

ABB ist weder in der Stromproduktion noch im Stromhandel tätig. Neue Technologien in den Bereichen Stromübertragung, Netze und Energieeffizienz hingegen werden je länger desto wichtiger. Der Strom muss über weite Strecken transportiert werden. Gleichzeitig muss das Stromnetz flexibel auf Angebot und Nachfrage der Erzeuger und Verbraucher reagieren können (Smart-Grid). Hier wird in nächster Zeit sehr viel investiert werden.

Müsste ABB nicht mehr fokussieren?

ABB hat sich schon in den letzten Jahren stark fokussiert. Wer industriell denkt, verkauft nicht gerade denjenigen Bereich, in welchem grosse technologische Erneuerungen anstehen und sich damit Chancen ergeben. Die ABB-Führung hat sich im klassischen Konflikt zwischen schneller Rendite und langfristigen industriellen Perspektiven richtig entschieden.

Wie beurteilen Sie die Arbeitsplatzsicherheit bei ABB im Aargau?

ABB ist ein starkes und innovatives Unternehmen, das gerade in der Schweiz viel in Forschung und Entwicklung investiert. Insofern bin ich für den Standort Aargau zuversichtlich. Nicht auszuschliessen ist allerdings, dass dem angekündigten verschärften Sparkurs auch in unserem Kanton Arbeitsplätze zum Opfer fallen werden. (MKU)