Kommentar

UPC-Kauf geplatzt: Ein Desaster für Sunrise-Präsident Peter Kurer

Sunrise sagt die Generalversammlung kurzfristig ab. Die Milliardenübernahme von UPC ist somit vom Tisch: ein Debakel für Präsident Peter Kurer.

Sunrise sagt die Generalversammlung kurzfristig ab. Die Milliardenübernahme von UPC ist somit vom Tisch: ein Debakel für Präsident Peter Kurer.

Sunrise hat die entscheidende Generalversammlung in letzter Minute abgesagt. Die Milliardenübernahme des Kabelnetzbetreibers UPC ist damit Geschichte. Der Konzern steht vor einem Scherbenhaufen.

Es hätte Peter Kurers grösster Deal werden sollen. Als Präsident von Sunrise, der Nummer zwei auf dem Schweizer Telekommarkt, wollte er die Nummer drei übernehmen und sich zum Gegenspieler der Swisscom aufschwingen. Doch daraus wird nun nichts. Sunrise hat die für morgen angesetzte, entscheidende Generalversammlung abgeblasen. Der Widerstand war zu gross. Die Milliardenübernahme des Kabelnetzbetreibers UPC ist gescheitert. Eine herbe Niederlage für Präsident Kurer.

Kurer wollte den UPC-Deal unbedingt durchbringen. Dafür hat er alle Register gezogen. Zwei kritische Verwaltungsratsmitglieder hat er kurzerhand von sämtlichen Sitzungen ausschliessen lassen, an denen über den Kauf gesprochen wurde – ein beispielloser Vorgang. Ein Aktionär hatte gar die Abwahl des Präsidenten auf die Traktandenliste setzen lassen. An der für morgen geplanten Generalversammlung hätte also ganz offiziell Kurers Schicksal bei Sunrise zur Abstimmung gestanden.

Der Widerstand war zu gross

Dazu kommt es nun zwar nicht; Kurer entgeht so formal einer Abstimmungs-Pleite. Doch das macht das Scheitern des Verwaltungsrats um Kurer und des Managements um CEO Olaf Swantee nicht geringer. Monatelang hatten beide für den Kauf getrommelt. Immer wieder den strategischen Sinn hinter dem Deal betont.

Wie gross der Widerstand tatsächlich ist, wurde einfach ausgeblendet. Die Sunrise-Führung glaubte, trotz Protest des mit Abstand grössten Aktionärs die Argumente auf ihrer Seite zu haben. Kurer und Swantee hielten daran fest, als sich weitere Aktionäre dem Widerstand anschlossen. Auch das letzte Warnzeichen wurde weitgehend ignoriert: Als sich der einflussreiche Stimmrechtsberater ISS auf die Seite der Gegner schlug, verwies man lediglich auf die kleineren, wesentlich unbedeutenderen wie Ethos oder zRating, die ja für den Kauf seien.

Nun hat Kurer also die Quittung bekommen. Der Widerstand grosser Aktionäre hat Erfolg. Die grösste Übernahme der Schweizer Telekomgeschichte ist gescheitert. Die Begründung ist ein offenes Eingeständnis: Eine deutliche Mehrheit der Aktionäre, die sich registriert hätten, würden die Kapitalerhöhung zur Finanzierung des 6,3 Milliarden-Kaufs nicht unterstützen, so Sunrise.

Swissair, UBS - jetzt Sunrise

Vor allem Präsident Kurer rückt nun ins Rampenlicht. Es ist nicht sein erstes Scheitern auf grosser Bühne: Als Anwalt beriet er die Swissair im Vorfeld des spektakulären Groundings. Bevor es soweit war, wechselte er die Seiten und ging zur UBS. Die Grossbank verweigerte der taumelnden Swissair weitere Kredite, die Credit Suisse tat es der UBS gleich. Swissair war am Ende. Während die Swiss-Maschinen am Boden blieben, stieg Kurer auf. Bis zum Präsidenten der UBS. Unter seiner Ägide schlingerte sich die Bank in die Finanzkrise 2008 – bis der Staat eingreifen musste und die Grossbank vor dem Aus rettete.

Danach wurde es leiser um Kurer, zumindest in vorderster Front der Schweizer Wirtschaft. Bei Sunrise tauchte er wieder auf – und drehte gleich das ganz grosse Rad. Auf Augenhöhe mit der Swisscom wollte er den Konzern bringen. Dabei sind Kurer und sein CEO Swantee während der letzten Wochen und Monate offensichtlich einem Zerrbild aufgesessen. Hatten sich beide doch stets siegessicher gegeben und erklärt, man habe die Mehrheit locker auf der eigenen Seite.

Zuletzt war man den Gegnern zwar noch entgegengekommen, indem die für den Kauf notwendige Kapitalerhöhung von 4,1 auf 2,8 Milliarden Franken reduziert wurde. Ausserdem holte man Verkäufer Liberty Global mit ins Boot. Doch die Bemühungen waren vergebens. Zu tief sass die Abneigung gegen den Kauf von UPC. Vor allem bei der deutsche Grossaktionärin Freenet, die 24,5 Prozent an Sunrise hält. Freenet-Chef Christoph Vilanek hatte bis zum Schluss den Kaufpreis als zu hoch kritisiert, die Struktur des Deals für nachteilig für die Sunrise-Aktionäre gehalten. Überdies mache das Ganze strategisch keinen Sinn, so die Freenet-Haltung, denn wegen der neuen Mobilfunkgeneration 5G lohne sich der Kauf des Kabelnetzes von UPC nicht. Dafür 6,3 Milliarden Franken auszugeben, sei "Irrsinn", meint Vilanek.

Klar ist nun: Vilanek und die anderen Kritiker haben sich durchgesetzt. Kurer, der Verwaltungsrat und das Management stehen vor einem Scherbenhaufen. Wie es weitergeht, ist unklar. Es ist jedoch kaum vorzustellen, dass das Desaster ohne personelle Folgen bleibt.

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