Generalversammlung der AZ Medien: Unterwegs zur schwarzen Null

Unterwegs zur schwarzen Null

Trotz schwierigen Zeiten blieben die Aktionäre an der Generalversammlung der AZ Medien AG gut gelaunt. Das Unternehmen hat die Voraussetzungen geschaffen, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Urs Moser

Gut 200 Aktionäre versammelten auf Schloss Lenzburg zur Generalversammlung der AZ Medien AG, Herausgeberin unter anderem dieser Zeitung. Es war die letzte, die von Verwaltungsratspräsident Jürg Schärer geleitet wurde. Und der nahm sich zu Beginn gleich selber aufs Korn. Ihm sei der Fehler unterlaufen, den er - nur im Stillen, verstehe sich - mitunter den Journalisten vorwerfe: zu früh und zu oft zu den ganz grossen Buchstaben und Schlagworten zu greifen.

Ein «annus horribilis» hatte er einst das Geschäftsjahr 2002 genannt, von einem «absolut unbefriedigenden Ergebnis hatte er letztes Jahr gesprochen. Gestern musste er sagen: «Verglichen mit dem, was unserer Gruppe im vergangenen Jahr widerfahren ist, waren frühere schlechte Jahre ein Honiglecken.» Ausgerechnet im Krisenjahr 2009 mit einem gewaltigen Einbruch bei den Werbeeinnahmen standen rekordhohe Investitionen von über 40 Millionen an, was zu einem Konzernverlust von fast 15 Millionen führte.

Ziel ist eine schwarze Null

Verwaltungsratspräsident Jürg Schärer, Verleger Peter Wanner und der neue CEO Christoph Bauer zeigten sich allerdings überzeugt, dass die Voraussetzungen geschaffen sind, um im laufenden Jahr wieder ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen. Wichtige Hausaufgaben seien gemacht, so Peter Wanner, etwa die Rückkehr zur Eigenregie bei der Inserateakquisition. Sein Ziel ist klar: «Wir wollen dieses Jahr eine schwarze Null erreichen.» Die Aktionäre vertrauen ihm, dem Verwaltungsrat und der Unternehmensleitung. Alle Anträge wurden diskussionslos gutgeheissen, der Verzicht auf eine Dividendenausschüttung selbstverständlich hingenommen.

Abschied von Jürg Schärer

Für die AZ Medien ging gestern eine Ära zu Ende. Nach 13 Jahren im Amt und 94 Verwaltungsratssitzungen gibt Jürg Schärer das Präsidium der AZ Medien ab. Er hätte sich keinen besseren Präsidenten vorstellen können, so das Fazit der Würdigung durch Verleger Peter Wanner. Entsprechend gross die Fussstapfen, in die er nun selber tritt. «Und wenn ein Badener das über einen Aarauer sagt, will das etwas heissen», fügte Wanner scherzend an.
Als langjähriger Verwaltungsrat verabschiedet wurde auch Georg Müller, den Peter Wanner als «das kritische Gewissen» im Verwaltungsrat bezeichnete. «Ich bereue im Nachhinein, nicht immer von Anfang an auf ihn gehört zu haben», so der Verleger.

Neu in den Verwaltungsrat gewählt wurde der Aarauer Rechtsanwalt Kaspar Hemmeler, 39-jährig, Partner in der Kanzlei des scheidenden Präsidenten. Er sei darauf zwar stolz, aber Hemmeler sei nicht etwa von ihm portiert worden, versicherte Jürg Schärer. Er liess zum Abschied eine ereignisreiche Zeit Revue passieren, die nicht zuletzt von zahlreichen Akquisitionen geprägt war, abgeschlossen mit der vollständigen Übernahme der Solothurner Vogt-Schild AG im vergangenen Jahr. Die AZ Medien hätten dabei keineswegs in einem unüberlegten Kaufrausch gehandelt, sondern ihr Marktgebiet gefestigt und die Existenz der Unternehmung und ihrer Produkte sowie der Mittelland-Zeitungspartner gesichert. Daher ist er überzeugt: Die scheinbare aktuelle Schwäche ist gleichzeitig eine Stärke: Man habe eine Marktposition im Mittelland erreicht, die es erlaube, mit Konkurrenten im Grossraum Zürich oder Basel auf Augenhöhe zu verhandeln.

Meistgesehen

Artboard 1