«Ich bin kein Gegner des Mindestlohns», sagt Klaus-Michael Kühne im Interview mit der «Schweiz am Sonntag». «Unsere Branche wird dadurch wenig betroffen werden, weil fast nur hoch bezahlte Kräfte bei uns arbeiten oder solche, die oberhalb dieses Mindestlohns liegen.»

Reglementierungen seien eigentlich unerwünscht, sagt Kühne. «Aber im Bereich der Löhne muss man Verständnis dafür haben, dass ein gewisses Mindesteinkommen für jeden Menschen wichtig ist.»

Zuvor hatte Kühne wegen der 1:12- und der SVP-Zuwanderungsinitiative zwei Mal innerhalb weniger Monate Zweifel am Standort Schweiz geäussert und gewarnt, Kühne & Nagel müsste einen Teil der Hauptverwaltung irgendwo anders ansiedeln, sollte die Schweiz die Zuwanderung einschränken.

Deutschland käme als neuer Standort nicht in Frage, sagt der gebürtige Deutsche nun. «Sicher: Wir stammen aus Deutschland, aber Deutschland hat die höchsten Steuern und auch die schärfsten Sozialgesetze. Also das wird sicherlich nicht der Standort sein.

Es wäre in Europa, fraglich wäre bloss wo.» Sorgen bereitet Kühne die Lage in Russland, und zwar nicht nur der Konflikt mit der Ukraine, sondern die zunehmend autoritäre Entwicklung unter Staatspräsident Putin: «Man weiss nicht, ob die politische Situation in Russland dazu führt, dass die Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Firmen eingeschränkt werden. Vieles ist möglich. Aber wir kennen das: Im Iran hatten wir früher eine unserer stärksten Auslandsgesellschaften mit 15 Europäern, die dort tätig waren. Als der Schah gestürzt wurde, mussten sie über Nacht das Land verlassen. Wir mussten alles aufgeben.»