Für die Schweizer Wirtschaft ist der Eurokurs matchentscheidend. Gestern Abend kostete ein Euro Fr. 1.05. Mitte Januar sackte er nach der Aufgabe des Mindestkurses durch die Nationalbank von Fr. 1.20 gar unter die 1-Fr.-Grenze.

Ein Schock, vor allem für die Exportwirtschaft. Denn: 55 Prozent der Schweizer Exporte gehen in den EU-Raum. Der Wechselkurs hat daher grosse Umwälzungen in Exportsektor zur Folge. Die Unternehmer am Swiss Economic Forum (SEF) in Interlaken BE quält deshalb vor allem eine Frage: Wo steht der Euro Ende Dezember? Diese Prognose bestimmt die Unternehmenstrategie wesentlich. Die Wirtschaftsredaktion der «Nordwestschweiz» schätzt, dass der Franken bestenfalls stabil bleibt oder gar leicht stärker wird.

Das sieht auch die Mehrheit der 16 befragten Wirtschaftsvertreter so. Die Prognosen gehen von 98 Rappen bis Fr. 1.11 pro Euro aus. Am pessimistischsten ist SEF-Chef Stefan Linder, am optimistischsten Urs Berger, Verwaltungsratspräsident der Mobiliar. Fr. 1.10 pro Euro hält auch Schienenfahrzeughersteller Peter Spuhler von Stadler Rail für möglich. Ihm wird ein guter Riecher für die Währungsentwicklung konstatiert. Das Prinzip Hoffnung spielt jedoch mit.

Zulieferer leiden am meisten

Gemäss den Befragten leiden unter dem starken Franken kleine Industriebetriebe am stärksten. Es sind meist wenig innovative Zulieferer, so Hans Hess, Präsident des Industrieverbands Swissmem, die aus der Schweiz heraus Produkte exportieren. «Sie sind am Abbauen, entlassen Leute oder verlagern ihre Produktion», sagt deshalb auch der Unternehmer Giorgio Behr. Er ist überzeugt: «Die Schweizer Wirtschaft kommt schneller in Schwierigkeiten, als man annimmt.»

Stark betroffen ist auch der Tourismus. Eva Ammann, Finanzchefin der Hotelbuchungsplattform Switzerland Travel Centre mit mehr als 100 Mitarbeitern, sagt, bei einem Kurs von Fr. 1.04 oder Fr. 1.05 sei es bereits «ein ambitiöses Ziel, Umsatz und Margen halten zu können». Daher werden Prozesse optimiert und die Visibilität der Plattform im Internet verbessert.

Es gibt nicht nur Verlierer. Cablecom-Chef Eric Tveter sagt, wenn es der Wirtschaft schlechter gehe, blieben die Leute eher zu Hause und nutzten die Kabel-TV-Angebote mehr. Zudem seien Konsumenten eher bereit, den Internet-Provider zu wechseln. Und Rudolf Dellenbach, Chef der Aargauischen Kantonalbank, sagt: «Wir machen mehr Geschäfte, weil Unternehmen jetzt Geschäfte in Euro wieder absichern. Das bringt Umsatz.»