Wirtschaft
Unter fremder Flagge: McDonald’s ohne McDonald’s

Franchisenehmer scheitern seltener als reguläre Firmengründer. Von ihnen wird aber dennoch vollster Einsatz erwartet, wie etwa beim Fast-Food-Riesen McDonald's.

Yvonne von Hunnius
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Kann ich damit leben, dass mein Name nicht auf dem Firmenschild steht?

Kann ich damit leben, dass mein Name nicht auf dem Firmenschild steht?

Die Stalders in Luzern arbeiten selbstständig unter dem Dach einer grossen Marke. «Wir bereuen die Entscheidung nicht und sind seit drei Jahren mit einem Supermarkt Franchise-Partner von Spar», sagt Albert Stalder.

Und die Supermarktkette Spar will mithilfe von selbstständigen Franchisenehmern in der Deutschschweiz weitere Filialen eröffnen. Diese Art der Selbstständigkeit liegt im Trend und gilt als Modell, das Vorteile für beide Seiten bietet

Komplexe Franchise-Systeme

Im Franchisesystem wird ein erprobtes Geschäftsmodell multipliziert, indem es als Lizenz an Selbstständige vergeben wird. Diese wirtschaften unter einem Markennamen nach gewissen Vereinbarungen und führen meist eine Umsatzgebühr ab.

McDonald’s umrundet so die Welt, Esprit, Intersport, Yves Rocher und Subways expandieren. Doch nur unter bestimmten Voraussetzungen ist der Schritt in die Franchise-Partnerschaft erfolgreich, denn die Systeme sind komplex.

McDonald’s will vollen Einsatz

Für Peter Kilchenmann wurde es zum Erfolg. Als Geschäftsführer der Marmacona AG ist er Lizenznehmer von McDonald’s Schweiz und leitet insgesamt 13 Restaurants mit über 600 Mitarbeitern – unter anderem die Luzerner Stadtrestaurants.

Kilchenmann sagt: «Den grössten Fehler, den Franchisenehmer machen könnten, ist, zu denken, die Marke mache das Geschäft.» Kilchenmann betreibt beispielsweise intensiv Sponsoring für die Sportclubs EV Zug und FC Luzern.

Wer als einer der über 30 Schweizer Franchisingnehmer bei McDonald’s einsteigen will, durchläuft eine knapp einjährige Vollzeitausbildung und sollte sich auf 20 Jahre Zusammenarbeit einrichten. Kommunikationsverantwortliche Aglaë Strachwitz formuliert es so: «Wir wollen unser Geschäft gemeinsam mit unseren Lizenznehmern vorwärtsbringen, deshalb ist viel Engagement von allen gefragt. Die Lizenznehmer müssen die Unternehmensgrundsätze und -normen der Corporation einhalten.»

Viele scheitern in den ersten fünf Jahren

Was für den Fastfood-Riesen gilt, gilt auch für andere: Franchising ist mit dem Aufwand gleichzusetzen, den eine reguläre Unternehmensgründung bedarf. Franchise-Beraterin Veronika Bellone aus Zug: «Und das wird gern unterschätzt.»

Zudem müsse jeder sich selbst prüfen, ob er dazu bereit sei, selbstständig unter fremder Flagge zu arbeiten. «Wer mit gewissen Regeln wie dem einheitlichen Erscheinungsbild und der Unternehmenskultur nicht leben kann, kommt als Franchise-Partner nicht infrage. Und die kreative Freiheit für die Partner variiert von System zu System.» Aber Franchisenehmer scheitern weitaus seltener als andere Gründer in den ersten fünf Jahren. Unternehmensregeln können eben auch Erfolgsregeln sein.

Viele schätzen den Wert der klaren Vorgaben, sagt Teddy Keifer. Er ist mit rund 70 Franchisenehmern Master-Franchise-Partner Schweiz des Immobilienmakler-Netzwerks Remax in Dierikon und Präsident des Schweizer Franchise-Verbandes. «Die meisten wünschen explizit Leitplanken und erkennen, dass es zum Schutz der Nehmer und der Marke dient», betont Keifer. Und momentan beobachtet er, dass immer mehr junge Unternehmer an Franchising Interesse zeigten.

Ohne Geld keine Partnerschaft

Den Trend spürt man auch in der Zuger Schweiz-Zentrale des Kosmetikunternehmens Yves Rocher. In der Schweiz werden sieben Yves-Rocher-Schönheits-Fachgeschäfte im Franchise-Betrieb geführt. Laut Sabine Fesenmayr, Leiterin der Yves-Rocher-Pressestelle, sollen in den kommenden zwei Jahren bis zu vier neue Franchise-Betriebe hinzukommen.

Doch ohne Geld keine Partnerschaft. Zum einen gebe es meistens die Eintrittsgebühr etwa zwischen 10000 und 70000 Franken, die dafür stehe, dass man in einem bestimmten Gebiet tätig sein und unter der Marke auftreten dürfe, sagt die Beraterin Bellone. Mit dieser werden Grundausbildung und andere Starthilfen abgedeckt.

Zum anderen ist eine Investitionssumme in den Standort notwendig. Bei einem Restaurant- oder Fitnesskonzept wie bei McDonald’s oder Kieser-Training sind das Summen zwischen 500000 und über einer Million Franken. Es gibt laut Bellone aber auch Konzepte, deren Investitionsvolumen überschaubar ist und bei denen berufliche Selbstständigkeit mit 15000 Franken möglich ist.

Zudem rät die Beraterin, weitere Liquidität nicht zu vergessen: «Damit die ersten Monate bewältigt werden, in denen Miete, Gehälter und anderes anfallen und der Gewinn noch für die Amortisation der Investition gebraucht wird.»

Franchisenehmer gesucht

Die Luzerner Kantonalbank finanziere Franchise-Projekte grundsätzlich gern, sagt Beat Hodel, Leiter Departement Firmenkunden der Luzerner Kantonalbank. «Doch bezüglich Finanzierungsanfragen können wir nicht von einer markanten Nachfrage sprechen», so Hodler.

Fragt man Franchisegeber, dürfte sich das bald ändern. In der Schweiz existieren momentan sechs Kieser-Training-Standorte, wobei die beiden Filialen in Luzern und Zug im Januar die Pforten geschlossen haben.

Kieser-Training-Ländermanagerin Schweiz Melina Kyrkos-Bollig sagt: «Es würde uns freuen, wenn sich geeignete Interessenten melden. Den Schweizer Heimmarkt wollen wir nach dem Erfolg der letzten 40 Jahre wieder stärker ausbauen.»