Spielwaren

Unter den Christbaum gekugelt: Schweizer Produkte sind gefragt

Das Cuboro-System wurde 1986 in der Schweiz entwickelt. Puppen sind bei Kindern seit Generationen beliebt.

Das Cuboro-System wurde 1986 in der Schweiz entwickelt. Puppen sind bei Kindern seit Generationen beliebt.

Für die Spielzeughändler in der Schweiz ist der Dezember ein wichtiger Monat. Sie können nochmals richtig viel Umsatz generieren. Gefragt sind auch Produkte aus der Schweiz.

Manche Spielzeuge erfreuen Kinder schon seit Generationen. Etwa Puppen, Plüschtiere oder Gesellschaftsspiele. Auch Lego, ferngesteuerte Autos oder Flugzeuge sind schon seit Jahren fester Bestandteil in vielen Kinderzimmern.

Das wird auch in diesem Jahr nicht anders: Eine Kugelbahn und eine Puppe sind die meistgekauften Spielzeuge im Vorweihnachtsverkauf im November 2018.

Das jedenfalls hat eine Umfrage des Spielwarenverbands Schweiz ergeben. Die Mädchen hätten sich kleine, bunte Puppen gewünscht, die Jungen eine Kugelbahn aus Kunststoff. Der Verband hat Coop, Migros, Manor und Franz Carl Weber nach den meistverkauften Spielsachen gefragt. Diese vier Detailhändler decken rund 60 Prozent des schweizerischen Spielwarenhandels ab.

Beliebt sind auch Produkte aus Schweizer Produktion. Franz Carl Weber etwa widmet die ersten Seiten des Weihnachtskatalogs Produkten aus der Schweiz. Etwa der Cuboro-Kugelbahn oder einem Stall von Trauffer Holzspielwaren. «Die Schweizer Unternehmen stellen qualitativ sehr hochwertige und geschätzte Spielwaren her», so ein Sprecher von Franz Carl Weber. Diese seien bei den Kunden sehr gefragt.

Ebenfalls auf den ersten Seiten des Kataloges sind Plüschtiere der Firma Steiff zu finden. Das Traditionsunternehmen aus Deutschland gibt es schon über hundert Jahre. Gut möglich also, dass Grosseltern mit einem Steiff-Teddy ein Stück der eigenen Kindheit verschenken.

Umsatz geht zurück

Zwar ist das Jahr noch nicht vorbei, aber schon jetzt zeigt sich, dass der Umsatz der Spielwarenbranche heuer gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgehen könnte. In der Periode von Januar bis September ging der Umsatz der Branche um 2,7 Prozent zurück. Kein Spielzeug hat es geschafft, den Top-Seller vom letzten Jahr zu toppen: den Fidget-Spinner. Dieser sorgte im letzten Jahr für Rekordzahlen.

Weiter machten der Spielwarenbranche die Fussball-WM und der warme Herbst zu schaffen. Während der WM investierten viele Kinder ihr Taschengeld lieber in Panini-Bildchen als in einen Fussball. Die Umsätze daraus werden aber nicht der Spielwarenbranche zugerechnet. Und die Outdoor-Spielzeuge, mit denen sich die Kinder im warmen Herbst beschäftigten, waren bereits im Frühling gekauft worden. Entsprechend ging der Umsatz im September gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent zurück.

Zusätzlich leidet auch die Spielwarenbranche unter den Rabattschlachten, wie sie anlässlich des Black Fridays oder des Cyber Monday durchgeführt werden. Dies lässt sich aus Zahlen aus dem letzten Jahr ableiten. Laut Erhebungen des Marktforschungsinstituts GFK kauften die Konsumenten in der Deutschschweiz am Black Friday 2017 mehr Spielzeug ein als im Vorjahr. 2017 waren es zwölf Prozent, im 2016 Jahr sieben. Für dieses Jahr liegen die Zahlen noch nicht vor. Laut Kurt Meister von GFK ist zu erwarten, dass auch in diesem Jahr viele Spielsachen gezielt an Aktionstagen gekauft wurden. «Die Leute werden ja geradezu erzogen, auf Aktionen zu warten und preisreduziert einzukaufen», schreibt Meister.

Bei Kindern wird zuletzt gespart

Grundsätzlich ist der Spielwarenmarkt aber ein stabiler: In den letzten zehn Jahren ist der Umsatz der Branche stetig gewachsen. 2008 lag der Gesamtumsatz bei 400 Millionen Franken, 2017 waren es 470 Millionen Franken. Spiele auf dem Tablet und auf dem Handy scheinen dem Markt wenig anhaben zu können. Diese schlagen sich laut einem Sprecher von Toys ’R’Us hauptsächlich auf die Verkaufszahlen von Spielkonsolen nieder. Und diese sind in den Zahlen von GFK nicht mal erfasst. «Der Spielwarenmarkt ist ein emotionaler Markt», erklärt Kurt Meister vom Marktforschungsinstitut das stetige Wachstum. «Bei den Kindern will niemand sparen.» Neben den emotionalen gibt es auch rationale Gründe für den Erfolg. «Aktuell gibt es in der Schweiz mehr Kinder als noch vor 20 Jahren.»

Trotzdem müssen die Händler auf der Hut sein. Denn dass sie nicht von Unglück gefeit sind, zeigt der Fall von Toys ’R’Us: Das amerikanische Unternehmen musste in diesem Jahr Insolvenz anmelden, die Filialen in der Schweiz wurden vom irischen Unternehmen Smyths Toys übernommen. Schuld an dem Untergang war die Konkurrenz durch Online-Händler.

Auch in der Schweiz wächst der Druck durch Online-Shops wie Amazon oder Galaxus. Laut Zahlen von GFK kauft über die Hälfte der Kundschaft bereits zumindest teilweise online ein, zehn Prozent der Kunden bestellen nur online. Wie spät Schweizer Spielwarenhändler auf den digitalen Wandel aufgesprungen sind, zeigt etwa das Beispiel von Franz Carl Weber. Erst in diesem Jahr lancierte das Unternehmen einen Online-Shop. Zuvor hatte es Produkte über die Plattform Siroop verkauft.

Verwandtes Thema:

Autor

Rebekka Balzarini

Meistgesehen

Artboard 1