Ohne zu fragen: Swisscom brummt Kunden höhere Kosten auf

Die Swisscom passt ihre Tarifmodelle an – ohne aber vorher das Einverständnis der Kunden einzuholen. Diese Masche der automatischen Angebotsanpassung ist in der Branche keine Neuheit.

Gregory Remez
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Betroffene Swisscom-Kunden müssen aktiv werden, falls sie die automatische Anpassung ihres Abos nicht wünschen. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone)

Betroffene Swisscom-Kunden müssen aktiv werden, falls sie die automatische Anpassung ihres Abos nicht wünschen. (Bild: Pablo Gianinazzi/Keystone)

Die Swisscom ändert ihr bestehendes Internetangebot und nimmt zugleich die Gelegenheit wahr, um an der Tarifschraube zu drehen. Ab 1. Oktober surft ein Grossteil der Swisscom-Kunden mit zusätzlicher Geschwindigkeit, einige davon müssen für die höhere Leistung aber auch tiefer in die Tasche greifen – und zwar ohne dass sie dafür ihr Einverständnis gegeben hätten.

Betroffen sind sowohl Neukunden als auch alle Bestandskunden eines «InOne home Internet S»- oder «Vivo SX»-Abonnements. Erstere zahlen nach zwei Monaten Übergangszeit – also ab Dezember – neu 65 statt 60 Franken, dafür erhalten sie Geschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde zum Download (bisher 40) sowie 50 Mbit/s zum Upload (bisher 8). Letztere müssen 95 statt 89 Franken ausrichten, ihnen stehen dafür 30 Mbit/s zum Download (bisher 20) sowie 30 Mbit/s zum Upload (bisher 4) zur Verfügung.

Wer die automatische Anpassung nicht wünscht und weiter sein bisheriges, günstigeres Angebot nützen möchte, muss selber aktiv werden und sich mit der Swisscom in Verbindung setzen. So heisst es in einem Schreiben, das der Schweizer Branchenprimus in den vergangenen Tagen an seine Kunden verschickt hat.

Kleine Preiserhöhungen zahlen sich meist aus

Die Taktik, im Zuge von Angebotsanpassungen kleine Preiserhöhungen vorzunehmen, ist in der Branche altbekannt. Der grösste Schweizer Kabelnetzbetreiber UPC setzte sie zuletzt immer wieder ein und konnte seinen Umsatz dadurch trotz Kundenschwunds steigern. Das Kalkül ist klar: Wegen der gemeinhin tiefen Preiselastizität reagieren Schweizer Kunden bekanntlich derart träge auf Preisveränderungen, dass sich kleine, schrittweise Erhöhungen in der Regel auszahlen. Das Unternehmen verliert zwar Kunden, doch die bestehenden bezahlen gerade so viel mehr, dass sich der Verlust nicht in einer Umsatzeinbusse niederschlägt.

Italienischer Fussball wird teurer

Seit dem Wechsel des portugiesischen Weltfussballers Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin steht der italienische Fussball kopf. Innert Kürze sind die Ticketpreise in der Serie A förmlich explodiert. Karten für das nächste Auswärtsspiel der Alten Dame, die im Verkauf gerade einmal 25 Euro kosten, werden auf entsprechenden Onlineplattformen für das Siebenfache und mehr gehandelt. Für die inzwischen ausverkauften Dauerkarten mussten die Juve-Anhänger satte 30 Prozent mehr als bisher hinblättern. Doch nicht nur für Stadionbesucher, auch für Fernsehzuschauer wird der italienische Fussball künftig teurer. Kostete ein Serie-A-Spiel im Einzelabruf auf Swisscom TV oder Sunrise Smart TV in der vergangenen Saison noch 5 Franken, sind in der aktuellen Spielzeit 7.50 Franken fällig. Swisscom begründet den Preisaufschlag jedoch nicht mit dem Wechsel von Ronaldo in die höchste italienische Spielklasse, sondern mit den gestiegenen Kosten für die TV-Rechte – die bereits im Juni, also noch vor der Bekanntgabe des Mega-Transfers, verhandelt wurden. «Aufgrund der massiv gestiegenen Rechtekosten mussten wir unsere Preise für die Serie A, aber auch für Champions League und Europa League anpassen», sagt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli. Zudem müsse man Abstriche beim Kommentar machen. Bisher seien alle Spiele mit italienischem Originalkommentar angeliefert worden, sagt Schädeli. «Dieser Service wird von der Liga nun leider nicht mehr angeboten. Im Zuge dessen haben wir entschieden, die drei Topspiele der Runde neu durch unsere eigenen Kommentatoren auf Italienisch kommentieren zu lassen.»

Dass die Swisscom nun ebenfalls auf diesen Zug aufspringt, ist allerdings eine Premiere – zumindest, was das Internetangebot betrifft. Auf Anfrage rechtfertigt Swisscom-Sprecher Armin Schädeli das Vorgehen: «Wir sind überzeugt, dass die Leistungssteigerung die geringe Erhöhung des Preises rechtfertigt.» In anderen Bereichen habe es in der Vergangenheit bereits punktuell Preiserhöhungen gegeben. Man habe ausserdem die Abstände zwischen «InOne home Internet S» und «Vivo SX» und den restlichen Paketen verringern wollen – bei den übrigen Swisscom-Internetabonnements sind trotz besseren Leistungen keine Tariferhöhungen vorgesehen. Zudem gilt: Die Preise werden nur bei jenen Kunden angepasst, die an ihrem Wohnort auch tatsächlich von den neuen Geschwindigkeiten profitieren.

Konsumentenschutz will sich einschalten

Dass man die Kunden mit den automatischen Abo-Upgrades von den Kopf stösst, glaubt Schädeli nicht. «Bis auf ein paar wenige Reaktionen in den sozialen Netzwerken erhalten wir von unseren Kunden verhältnismässig wenig Rückmeldungen. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Nutzer unserer Angebote an mehr Leistung interessiert sind, deshalb haben wir uns für dieses Vorgehen entschieden.»

«Es geht nicht an, dass man den Kunden etwas aufs Auge drückt, was diese womöglich gar nicht wollen.»

Dass Schweizer einen Anbieterwechsel nur selten in Erwägung ziehen, müsse gemäss Schädeli nicht unbedingt eine Trägheit der Kunden bedeuten. «Es kann auch ein Zeichen genereller Zufriedenheit sein.»

Anders sieht dies die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). «Wir haben UPC jahrelang für sein Vorgehen kritisiert. Dass die Swisscom es dem Kabelnetzbetreiber nun gleichtut, ist inakzeptabel», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin der SKS. «Es geht nicht an, dass man den Kunden etwas aufs Auge drückt, was diese womöglich gar nicht wollen.» Der Konsumentenschutz habe deswegen in den vergangenen Tagen gleich mehrere Anfragen von verärgerten Kunden erhalten, sagt Stalder. Deswegen wolle man sich nun einschalten: «Wir werden uns mit der Swisscom in Verbindung setzen und fordern, die geplanten Preiserhöhungen zurückzuziehen.»