Er nahm seine Arbeit in der Schweiz zwar erst vor sieben Monaten auf, dennoch beschäftigt sich Bart De Keninck intensiv mit hiesigen Sitten und Gebräuchen. Der gebürtige Belgier verantwortet die Geschäfte von Heineken Switzerland und damit die Schweizer Biermarken Calanda, Eichhof, Ittinger, Ziegelhof und Haldengut.

Produktentwicklung scheint für einen Bierbrauer immer wichtiger zu werden. Seit der Übernahme durch Heineken lanciert die Marke Eichhof fast im Jahresrhythmus neue Produkte. Schmeckt den Leuten das gewöhnliche Lager nicht mehr?

Bart De Keninck: Eichhof war schon immer innovativ. Hubertus, Barbara, Spiess oder Bügel: Die Produktpalette wurde auch früher laufend erneuert und ergänzt. Wir stellen heute fest, dass die Konsumenten eher bereit sind, ein neues Bier zu probieren. Das reine Lagerbier geht leicht zurück. Von zehn verkauften Bieren sind noch etwas mehr als sieben reine Lagerbiere. Ein Bier ist ein helles, stärker gehopftes Spezbier. Und zwei sind reine Spezialitätenbiere. Bereits 60 Prozent aller Biere werden über den Detailhandel verkauft und nur noch 40 Prozent durch die Gastronomie.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Übernahme von Eichhof durch Heineken und dem Aufkommen von kleinen und mittleren Brauereien in der Region?

Nein. Die Statistik zeigt, dass Kleinbrauereien in der ganzen Schweiz erfolgreich unterwegs sind, also unabhängig davon, ob eine lokale Brauerei übernommen wurde oder nicht. Die Entwicklung ist auch im Zusammenhang mit dem Fall des Schweizer Bierkartells zu sehen. Zu Zeiten, als sich wenige Brauereien den Markt durch Absprachen untereinander aufteilten, hatten Kleinbrauereien gar keine Chance.

Aber der Bierkonsum ist rückläufig. Ihnen müssen doch «die Kleinen» Marktanteile abgraben?

Kleinere Betriebe erhalten viel Aufmerksamkeit. Man darf ihren Anteil am Gesamtmarkt nicht überschätzen. Der Schweizer Brauerei-Verband schätzt ihren volumenmässigen Anteil auf ein Prozent. Aus unserer Sicht positiv ist, dass sie wesentlich zu einer reicheren Bierkultur in der Schweiz beitragen.

Als gebürtiger Belgier sind Sie eine solche gewohnt. Was müssen Schweizer noch verbessern?

Die Medien müssten hier etwas weniger kritisch sein (lacht).

Wie bitte?

Nein im Ernst. Die Luzerner dürfen stolz sein auf ihre Brauerei Eichhof. Damit sich die Leute etwas besser mit Eichhof identifizieren, öffnen wir auch heuer wieder unsere Tore am 27. April zum Brauereifest. Welche Stadt hat schon eine eigene Brauerei, die zu den Top 5 des Landes zählt und immerhin 270 Vollzeitstellen anbietet?

Wie hat sich der Personalbestand seit der Übernahme durch Heineken entwickelt?

Eichhof war damals eine überregionale Brauerei mit Sitz in Luzern. Heute sind wir eine nationale Getränkefirma mit dem Hauptsitz in Luzern. Das ist eine Aufwertung des Standortes.

Damals sagte Heineken, dass eine Steigerung des Marktanteils von 13 auf 23 Prozent angestrebt wird. Wo stehen Sie heute?

Grob gesagt sind es ungefähr 20 Prozent Marktanteil. Wir sind also nahe an der damaligen Schätzung dran. Und das in einem Markt, der ganz anders aussieht als vor zehn Jahren mit viel mehr Marktteilnehmern als früher.

Was sind die positiven Aspekte der Übernahme?

Wir konnten dank Heineken das Distributionsnetz stärken und ausbauen. Auch im Bereich Marketing können wir auf Know-how der Dachorganisation zurückgreifen. Ein Beispiel dafür ist das neue Eichhof Urfrisch. Ein Bier, für das Schweizer Hopfen aus dem Thurgau verwendet wird. Das Urfrisch wird als erstes Eichhof-Bier von Coop für die ganze Deutschschweiz gelistet.

Und die Gerste kommt auch von hier?

Schweizer Braugerste gibt es leider nicht genügend. Gäbe es ausreichend, wären wir sehr interessiert.

Täuscht der Eindruck, oder wird wieder alkoholfreies Bier konsumiert?

Nein, der Eindruck täuscht nicht. Sowohl das alkoholfreie als auch Biermischgetränke mit wenig oder keinem Alkohol, die derzeit einen regelrechten Boom erleben, kommen auf etwas mehr als 7 Prozent im Gesamtmarkt. Der heutige Konsument sucht sich den Moment für den Alkoholkonsum gezielter aus als früher.

Welches sind Ihre derzeit grössten Herausforderungen?

Uns fehlt es an Brauern und anderem Fachpersonal.

Was machen Sie dagegen?

Wir bilden selber Leute aus. Zudem können wir auf das internationale Netzwerk von Heineken zurückgreifen. Wir haben festgestellt, dass Luzern bei unseren internationalen Mitarbeitern sehr beliebt ist – was mich bei dieser schönen Umgebung nicht verwundert.