Der UNO lägen zwar keine genaue Zahlen über die Flüchtlinge in Ostafrika vor, jedoch sei "die Zukunftsprognose derzeit äusserst schlecht," sagte ein Sprecher des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Adrian Edwards, am Dienstag in Genf.

Die Lage in den Flüchtlingslagern wird immer dramatischer: "Die Todesrate in den Camps ist schockierend", erklärte ein Mitarbeiter der amerikanischen Agentur für Internationale Entwicklung (USAID) am Dienstag bei einem Besuch im äthiopischen Flüchtlingslager Dolo Ado.

Viele Menschen, darunter zahlreiche Kinder, sind tagelang zu Fuss unterwegs und völlig ausgehungert, wenn sie die Zentren erreichen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind angesichts der sich drastisch verschärfenden Fälle von Unterernährung insbesondere Kinder in akuter Lebensgefahr.

Das Welternährungsprogramm (WFP) schätzt, dass mindestens zehn Millionen Menschen in der Region Nahrungshilfe benötigen. Laut dem WFP sind allein für eine erste Linderung der Hungerkatastrophe in Somalia rund 500 Millionen Dollar bis Ende des Jahres nötig.

Vergessene Katastrophe

Auch wenn die Organisation den internationalen Vertretern die Notlagen detailliert beschrieben habe, kämen die Hilfen nicht automatisch, sagte der Sprecher des Programms in Deutschland, Ralf Südhoff, im Deutschlandradio Kultur. "Das heisst, wir müssen trotzdem dann danach mit dem Hut von Regierung zu Regierung laufen."

Es komme erschwerend hinzu, dass eine schleichende Katastrophe wie jetzt am Horn von Afrika nicht solche Bilder liefere wie ein Erdbeben in Haiti oder eine Flut in Pakistan, sagte Südhoff.

UNHCR-Chef António Gutteres hatte die Lage in Somalia jüngst als die "schlimmste humanitäre Katastrophe der Welt" bezeichnet. "Was ich hier in diesem Monat gesehen habe, ist mit nichts zu vergleichen" sagte Guterres am Sonntag bei einem Besuch des Flüchtlingslager Dadaab in Kenia.