Modedetailhändler
Unia prüft jetzt wegen Euro-Löhnen eine Klage gegen Tally Weijl

Dass der in Basel ansässige Modedetailhändler Tally Weijl neu Angestellten den Lohn in Euro auszahlen will, verstosse gegen das Obligationenrecht, findet die Gewerkschaft Unia. Sie prüft jetzt eine Klage.

Stefan Schuppli
Drucken
Teilen
Der Hauptsitz des Tally Weijl in Basel an der Viaduktstrasse.

Der Hauptsitz des Tally Weijl in Basel an der Viaduktstrasse.

bz

Die in Basel ansässige Modefirma wird ihre am Hauptsitz neu angestellten Mitarbeitenden in Euro bezahlen. Die Gewerkschaft Unia akzeptiert das nicht und prüft jetzt eine Klage. «Wir müssen dazu aber noch zusätzliche Fakten wie etwa die vorgesehenen neuen Verträge haben, um genau analysieren zu können, in welche Richtung die Klage gehen soll», sagt Hansueli Scheidegger von der Unia in Basel. Die Gewerkschaft habe dem CEO von Tally Weijl einen entsprechenden Brief geschrieben und verlange detaillierte Auskunft über das geplante Vorgehen und die neuen Verträge.

In Artikel 323b Absatz 1 des Obligationenrechts (OR) wird festgehalten, dass der Lohn in der Landeswährung geschuldet ist. Dieser Artikel ist allerdings nicht zwingend und kann unter bestimmen Umständen umgangen werden. Zwingend hingegen ist der Artikel 324 OR, der die Überwälzung des Unternehmerrisikos auf die Arbeitnehmer verbietet. «Währungsschwankungen zählen klar auch zum Unternehmerrisiko», sagt Scheidegger.

Gezwungen Währungsrisiko zu übernehmen

Somit würden alle neu angestellten Mitarbeitenden gezwungen das Währungsrisiko zu übernehmen und Lohnschwankungen in Kauf zu nehmen. «Diese faktische Diskriminierung der einheimischen Arbeitnehmer können wir nicht hinnehmen», so Scheidegger. Geradezu schizophren findet er, dass wegen der Euro-Löhne die eigenen Angestellten faktisch ermuntert würden, in Deutschland und Frankreich einzukaufen, um die Währungsdifferenz wieder auszugleichen. Gleichzeitig führe der Detailhandel eine Kampagne gegen den Einkaufstourismus. «Ich bin ja gespannt, wie die anderen Detaillisten, die in Basel unter dem Einkaufstourismus leiden, reagieren werden.»

Und Scheidegger setzt noch eins drauf. Auch beim Einkauf sehe er keine Anzeichen, dass Tally Weijl auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Produzentenländern wie China, Bangladesch oder Indien hinarbeite. Es existierten soziale Qualitätslabels wie etwa die Clean Clothes Campaign (CCC), denen sich viele Importeure freiwillig unterzögen, nur Tally Weijl interessiere auch das nicht. Bei Tally Weijl sei offensichtlich nur Profitmaximierung angesagt, so Scheidegger.

Die «Erklärung von Bern» (EvB) reklamierte 2014, dass Tally Weijl nicht an der CCC mitmache. CCC ist ein internationales Netzwerk, das sich für bessere Arbeitsbedingungen und die Stärkung der Arbeitnehmer in der globalen Bekleidungsindustrie einsetzt.

Tally Weijl entgegnete der EvB, dass die Firma einen Verhaltenskodex habe, in welchem klar auf die ILO-Konventionen verwiesen werde und der von allen Lieferanten unterzeichnet werden müsse. Dies gelte auch für die Sublieferanten, und darin sei auch die Zahlung der gesetzlich festgelegten Mindestlöhne enthalten. Zusätzlich würden die Fabriken in regelmässigen Abständen vom internen Quality-Team vor Ort sowie von einer unabhängigen Audit-Agentur überprüft.

Aktuelle Nachrichten