Dort hat sie vor kurzem Kaffeekapseln lanciert in Kooperation mit dem über 300 Jahre alten Familienunternehmen Dallmayr aus München.

Dabei handelt es sich um das Cremesso-System, das die Migros hierzulande unter dem Namen Delizio vertreibt. Dieses wurde einst als günstigere Alternative zum Nespresso-System lanciert. Seit 2009 gibt es die Cremesso-Kapseln auch im Ausland. Die Kernmärkte sind Deutschland, Österreich und Spanien. Insgesamt ist die Marke in neun Ländern erhältlich, darunter auch in Israel, Russland und in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Produktion in Birsfelden

Für Cremesso sei die Kooperation mit den Münchnern ein wichtiger Schritt, das Sortiment weiter auszubauen und neue Kunden zu gewinnen, sagt Migros-Sprecherin Andrea Schlenker. Tatsächlich ist es für Nespresso-Alternativen schwieriger geworden, neue Kunden anzulocken. Denn in den vergangenen Jahren hat die starke Nachahmer-Konkurrenz dazu geführt, dass Nespresso-Kapselkopien oftmals günstiger sind als die System-Alternativen wie Delizio oder Cremesso. Auch die Migros hat zu diesem Trend beigetragen, unter anderem mit ihren Nespresso-kompatiblen Kapseln von Café Royal.

Vorerst beschränkt sich das Dallmayr-Cremesso-Angebot laut Sprecherin Andrea Schlenker auf zwei Aromen. Zusammen mit Dallmayr werde der verwendete Rohkaffee ausgewählt. Die Mischung, das Rösten und das Mahlen finden dann am Produktionsstandort der Migros-Kaffeetochter Delica in Birsfelden BL statt, sagt Schlenker. Dallmayr-Kapseln für das Schweizer Delizio-System seien aber vorläufig nicht geplant, da die Münchner Marke hierzulande weniger bekannt sei.

In der Schweiz hatte die Migros allerdings bereits einmal einen ähnlichen Schritt gewagt. Unter der Delizio-Marke verkaufte sie Kapseln gefüllt mit Kaffee des Tessiner Herstellers Chicco d’Oro. Die Nachfrage war allerdings zu gering, die Migros nahm die Produkte wieder aus dem Regal.

Coop hat es vorgemacht

Dennoch können sogenannte Co-Brandings durchaus erfolgreich sein. Bekannte Nahrungsmittelhersteller greifen denn auch zunehmend auf solche Kooperationen zurück, wie die «Nordwestschweiz» kürzlich berichtete. Auch Migros-Konkurrentin Coop wagte sich schon unter eine Decke mit Markenherstellern. 2013 lancierte der Detailhändler Markenartikel, auf denen anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums von Naturaplan das Coop-eigene Bio-Label auf der Verpackung prangte, so zum Beispiel auf Thomy-Senf, Zweifel-Chips oder Knorr-Stocki.

Zuletzt haben zum Beispiel Nestlé und Kambly gemeinsame CaillerGuetsli lanciert, und der Milchverarbeiter Emmi brachte Produkte in Zusammenarbeit mit dem deutschen Start-up Mymuesli in den Verkauf.

Laut Marketingexperten gewinnen vertraute Marken in Zeiten der Globalisierung an Bedeutung und Glaubwürdigkeit. Für die Firmen bietet sich mit Co-Brandings die Möglichkeit, dass neue Kunden auf ihre Produkte aufmerksam werden. Andererseits besteht die Gefahr, die eigene Marke zu verwässern oder im Falle eines Skandals beim Partner imagemässig ebenfalls betroffen zu sein.