Sie gehört zu den wichtigsten Managerinnen der Schweiz – doch zurzeit steht sie nicht wegen ihres SBB-Präsidiums in den Schlagzeilen: Monika Ribars Name taucht in den «Paradise Papers» auf. Daraus geht hervor, dass Ribar Verwaltungsrätin der Firma Capoinvest Limited war – einer Offshore-Firma, die in Angola ein Hafenprojekt finanziert. Diese Firma wird vom Schweiz-Angolaner Jean-Claude Bastos kontrolliert, der wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt wurde.

Die «SonntagsZeitung» spricht von einem «heiklen Mandat» und kritisierte, Ribar spiele es herunter. Nun nimmt Ribar erstmals ausführlich Stellung – in einem Interview, das für die «Schweiz am Wochenende» geführt wurde und seit längerer Zeit vereinbart war. Aus Aktualitätsgründen werden Ribars Aussagen zu den «Paradise Papers» hier vorab publiziert.

Frau Ribar, Sie sassen zwischen Mai 2015 und Juni 2016 im Verwaltungsrat der Firma Capoinvest. War es rückblickend ein Fehler, dieses Mandat anzunehmen?

Monika Ribar: Das Hafenprojekt, um das es geht, halte ich nach wie vor für interessant. Ich kenne Afrika aus früheren Tätigkeiten gut und bin der Meinung, dass diese Länder sich nur weiterentwickeln können, wenn sie Hilfe zur Selbsthilfe bekommen. Genau das ist beim Hafenprojekt in Angola das Ziel: Wenn neue Transportwege geschaffen werden, dann entsteht die Chance, dass sich dort Industrien ansiedeln und Arbeitsplätze entstehen. Das war meine Motivation, das Mandat anzunehmen und mein Know-how einzubringen. Diese Überlegung ist noch immer richtig, auch wenn man im Nachhinein zu einer anderen Beurteilung kommen kann.

Capoinvest wird vom Unternehmer Jean-Claude Bastos kontrolliert, der wegen mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung verurteilt wurde. Wussten Sie, mit wem Sie sich einlassen?

Ich wusste von seiner Vergangenheit, und zu diesem Fehler stand Herr Bastos auch immer. Dieser Fall liegt aber weit zurück, das war 2003; das Urteil erfolgte 2011. Als ich Herrn Bastos 2014 kennen gelernt habe, war der Strafregistereintrag für Drittpersonen schon wieder gelöscht. Im Lichte der heutigen Diskussionen hätte ich aber das gesamte Umfeld kritischer gewichten sollen.

Als Sie in den Capoinvest-Verwaltungsrat gingen, waren Sie bereits SBB-Verwaltungsrätin. In der «SonntagsZeitung» kritisierten Politiker, Sie hätten den Bundesrat vor Ihrer Wahl zur SBB-Präsidentin nicht über das neue Mandat informiert.

Das war in der Tat unglücklich. Zu jenem Zeitpunkt hatte ich bereits entschieden, dass ich bei einer Übernahme des SBB-Präsidiums den Capoinvest-Verwaltungsrat wieder verlasse. Darum ging vergessen, das Mandat zu melden. Im SBB-Geschäftsbericht 2015, der bald darauf erschienen ist, wurde es aber ausgewiesen. Allerdings ist es falsch, wenn behauptet wird, ich hätte es absichtlich nicht gemeldet. Es ging ganz einfach vergessen. Das war mein Fehler und tut mir leid.

Offenbar war das Angola-Mandat sehr gut bezahlt. Von 100 000 Dollar ist die Rede. Stimmt diese Zahl?

Die Entlöhnung dieses Mandats bewegte sich im üblichen Rahmen, verglichen mit anderen Tätigkeiten, die ich schon ausgeübt habe. Ich brachte mein Know-how ein und reiste zweimal nach Angola. Zahlen möchte ich keine nennen.

Ihr SBB-Präsidium gilt als 60-Prozent-Pensum, daneben haben Sie weitere VR-Mandate, das bekannteste ist jenes bei Sika, wo es einen Eigentümer-Konflikt gibt, und Sie sind auch im Lufthansa-Aufsichtsrat. Ist das nicht zu viel?

Das Capoinvest-Mandat habe ich ja nicht gleichzeitig mit dem SBB-Präsidium ausgeübt. Für mich war immer klar: Sollte ich VR-Präsidentin der SBB werden, beende ich auch andere Mandate, unter anderem jenes bei Logitech. So wie ich heute aufgestellt bin, lassen sich die Mandate sehr gut vereinbaren. In Deutschland ist ein Aufsichtsrats-Mandat wie jenes bei der Lufthansa weniger aufwendig als eine Verwaltungsratstätigkeit in der Schweiz.

Profitieren die SBB davon, dass Sie auch in anderen Unternehmen Einsitz haben?

Auf jeden Fall. Die Geschäftssituationen in anderen Unternehmen führen zu Erfahrungen, von denen die SBB profitieren und umgekehrt.

Der Wirbel um Ihr Capoinvest-Engagement ist gross, wenn man bedenkt, dass es ein kleines Mandat war. Was für Lehren ziehen Sie für sich daraus?

Das Learning ist sicher: noch mehr kommunizieren, noch besser überprüfen. Ich habe unterschätzt, dass ich aufgrund meines SBB-Präsidiums eine öffentliche Person bin und es dann schnell Wirbel geben kann. Diesen Aspekt werde ich sicher in Zukunft stärker beachten.