Damien Piller

Umstrittener Regional-Fürst der Migros: Lokale Genossenschaft hält an ihm fest

Um ihn dreht sich der Streit: Damien Piller, Präsident der Migros Genossenschaft Neuenburg-Freiburg.

Um ihn dreht sich der Streit: Damien Piller, Präsident der Migros Genossenschaft Neuenburg-Freiburg.

Der Freiburger Genossenschaftspräsident Damien Piller gewinnt die Vertrauensabstimmung. Die Migros reagiert mit einer Strafanzeige. Sie hegt den Verdacht, die Abstimmung sei manipuliert worden.

Die 124'000 Mitglieder der Genossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg halten ihrem umstrittenen Präsidenten Damien Piller die Treue. In einer Urabstimmung sprachen sich 64,5 Prozent gegen die Absetzung Pillers und seiner Mitstreiter der Verwaltung der lokalen Genossenschaft aus.

Auslöser für die Abstimmung sind zwei Strafanzeigen gegen Piller wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung seitens der Geschäftsleitung der lokalen Genossenschaft und der Migros-Zentrale in Zürich. Im Kern geht es um zwei Bauprojekte im Wert von 1,7 Millionen Franken, bei denen Piller – so der Vorwurf – in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Piller dementiert dies. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Allerdings hegt die Genossenschaft Neuenburg-Freiburg Zweifel an der Richtigkeit der Abstimmung. Es bestünde ein «starker Verdacht» auf Manipulation. Die Migros behalte sich das Recht vor, das Votum überprüfen zulassen. Die Abstimmung wurde von der Buchprüfungsgesellschaft PWC durchgeführt.

Pöstler entdeckt 400 Abstimmungszettel

Zudem hat die lokale Genossenschaft eine Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs eingereicht. Der Grund: Die Westschweizer «Tagesschau» berichtete über eine aussergewöhnliche Beobachtung eines Pöstlers. Dieser hatte während seiner Tour in einer Gemeinde auffällige Abstimmungszettel entdeckt. Diese stapelten sich in mehreren Briefkästen, insgesamt rund 400 an der Zahl. Auf allen Zetteln war das Votum das gleiche: Damien Piller soll Präsident der regionalen Genossenschaft bleiben. Zudem liegt die Kleinstadt, dessen Namen vom Sender RTS nicht erwähnt wurde, ausserhalb der Kantone Neuenburg und Freiburg. Allerdings sind nur Genossenschafter dieser beiden Kantone für die Abstimmung zugelassen.


PWC nahm zu dieser brisanten Entdeckung gegenüber dem Sender keine Stellung. Zwar, so berichtet RTS, seien diese 400 Stimmzettel nicht gezählt worden, da sie zu spät abgeschickt wurden. Dennoch seien sie ein Indiz für Manipulationsversuche.


Pikant: Im Vorfeld war es ein Unterstützungskomitee von Piller, das die Rechtmässigkeit der Wahl angezweifelt hatte. Die Stimmzettel seien weder nummeriert, noch enthielten sie einen Barcode. Zudem sei keine Namensnennung auf dem Stimmzettel nötig, schrieb die Gruppe namens «Mi-ethique» auf ihrer Webseite. So könne die Abstimmung einfach manipuliert werden. Die Migros hingegen wollte von einer Verschiebung nichts wissen. Doch nun ist es sie, die ihr Misstrauen gegenüber der Legalität des Resultats zum Ausdruck bringt.

Piller setzt sich trotz Gegenwehr durch

Das deutliche Nein zur Absetzung von Piller und seiner Mitstreiter kommt überraschend. Im Vorfeld der Abstimmung haben sich zahlreiche Gremien des Detailhändlers gegen Piller und seine Mitstreiter ausgesprochen. Darunter befinden sich etwa der Genossenschaftsrat von Migros Neuenburg-Freiburg, die dortige Personalkommission oder die Duttweiler-Stiftung, die über die Werte des Migros-Gründers wacht.

Piller wehrt sich seit Monaten nach Kräften gegen seine Absetzung. Er hat mit mehreren Medienkonferenz, Klagen und Gutachten versucht, die Vorwürfe abzuwehren. Doch selbst ein ausführlicher Untersuchungsbericht, den Piller bei einem Genfer Anwalt in Auftrag gegeben hat, entlastet den Freiburger Unternehmer aus Sicht der Migros nicht.

Die Zentrale in Zürich nimmt das Resultat zur Kenntnis und verweist auf die Strafanzeige in der Sache. Man werde die Direktion und die Mitarbeiter der regionalen Genossenschaft in dieser schwierigen Situation nach besten Kräften unterstützen, sagt ein Sprecher. An den rechtlichen Schritten gegen Piller werde festgehalten, «damit die Justizbehörden den angezeigten Sachverhalt lückenlos und unabhängig beurteilen können».

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