Wirtschaft

Umfrage mit über 1000 Ostschweizer Unternehmen zeigt: Coronavirus trifft Wirtschaft mit voller Wucht

Die kantonale Zugehörigkeit der befragten Unternehmen lag zu fast 80 Prozent in St.Gallen.

Die kantonale Zugehörigkeit der befragten Unternehmen lag zu fast 80 Prozent in St.Gallen.

Das Coronavirus trifft die Ostschweizer Wirtschaft massiv. Mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnen mit Liquiditätsproblemen. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der IHK St.Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau.

(pd/evw) Züge verkehren nicht mehr wie gewohnt, Kleiderläden sind geschlossen, Restaurants sowie Bars ebenfalls: Das Coronavirus verändert das Leben unserer Gesellschaft. Dass auch die Ostschweizer Wirtschaft betroffen ist, zeigt eine repräsentative Umfrage der IHK St.Gallen-Appenzell und der IHK Thurgau.

Wie die Industrie- und Handelskammer in einer Medienmitteilung schreibt, nahmen über 1200 Unternehmen aus der Kernregion Ostschweiz mit den Kantonen St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden sowie Thurgau an der Umfrage teil. Die hohe Beteiligung zeige das starke Interesse der Ostschweizer Wirtschaft an den Auswirkungen der Pandemie auf die Region. Dank der grossen Grundgesamtheit seien in der Umfrage alle Unternehmensgrössen, alle Branchen und Sektoren gut abgedeckt. Die vollständigen IHK- Umfrageergebnisse finden Sie hier.

Guter Start ins Jahr, aber alle Unternehmen erwarten Erschwernisse

Die Unternehmen in der Ostschweiz sind mehrheitlich zufrieden mit dem Geschäftsgang in den ersten beiden Monaten des Jahres 2020: Über 90 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen ihre Geschäftsentwicklung zu Beginn dieses Jahres als befriedigend bis gut. 79 Prozent geben zudem an, bis Ende Februar keine besonderen Erschwernisse aufgrund des Coronavirus gehabt zu haben.

So gut die Ostschweizer Wirtschaft ins Jahr gestartet war, so unerwartet und mit voller Wucht trifft sie nun die Corona-Pandemie. 95 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten in den kommenden Wochen Erschwernisse in ihrem Geschäftsgang. Die Mehrheit geht von deutlich weniger Bestellungseingängen und generell einer tieferen Nachfrage nach ihren Dienstleistungen aus:

Dabei spielt die Unsicherheit über den künftigen Verlauf eine zentrale Rolle. Die grössten Schwierigkeiten sind bei Unternehmen im Gastgewerbe (Beherbergung/Gastronomie) sowie im Detailhandel, bei den elektrischen Ausrüstungen sowie in verschiedenen Dienstleistungssektoren zu orten.

Hohe Umsatzeinbussen führen zu Liquiditätsproblemen

Die strikten, behördlich verordneten Massnahmen bezüglich Betriebsschliessungen führen laut dem Communiqué zu drastischen Umsatzeinbussen. Doch auch noch geöffnete Betriebe rechnen mit deutlichen Umsatzeinbussen in den kommenden Monaten, da als Folgewirkung die Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen stark zurückgeht. Rund die Hälfte der Unternehmen rechnen im ersten Halbjahr mit Umsatzeinbussen von 20 Prozent bis 40 Prozent, ein Drittel geht gar von Umsatzeinbussen von 50 Prozent und mehr aus:

© CH Media

Fehlt der Umsatz, fehlt Geld im Unternehmen. 57,5 Prozent der Umfrageteilnehmer rechnen aufgrund der Erschwernisse durch die Corona-Pandemie in den nächsten Wochen mit Liquiditätsproblemen. Dabei zeigt sich: Je kleiner ein Unternehmen ist, desto akuter ist das Problem.

Wie lange dauert die Krise noch an?

Alessandro Sgro ist Chefökonom bei der IHK St.Gallen-Appenzell.

Alessandro Sgro ist Chefökonom bei der IHK St.Gallen-Appenzell.

Ein Grossteil der Unternehmen erwartet, dass die Krise noch sechs Monate andauern wird – nämlich 44,5 Prozent. Nur gerade 8,2 Prozent meinen, die Krise sei in weniger als drei Monaten gemeistert. Wie lange die Corona-Krise effektiv noch andauern wird und wie lange die Wirtschaft braucht, bis alle Prozesse wieder im Normalbetrieb sind, ist heute kaum abzuschätzen. Alessandro Sgro, Chefökonom der IHK St.Gallen-Appenzell, sagt:

Zudem gelte es, eigenverantwortlich die Chancen zu nutzen, die sich auch dank der Digitalisierung ergeben. Hier seien aktuell sehr viele positive Entwicklungen zu beobachten.

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