Nicolas G. Hayek

Überzeugter Botschafter des Seetals

Der Kapitän ging von Bord: Nicolas G. Hayek mit Gattin Marianne bei der Taufe der MS «Seetal».

Überzeugter Botschafter des Seetals

Der Kapitän ging von Bord: Nicolas G. Hayek mit Gattin Marianne bei der Taufe der MS «Seetal».

Nicolas G. Hayek hinterlässt auch in seinem Wohnort Meisterschwanden eine grosse Lücke.

Fritz Thut

Das letzte Bild bleibt: Früher als der Rest der Taufgesellschaft verlässt der Pate das Schiff. Leicht gebückt erklimmt er – begleitet und gestützt von seiner Gattin – den kurzen Aufstieg zu seinem Dienstwagen. Und fährt, geschafft von seinem letzten öffentlichen Auftritt in seiner engeren Heimat, davon.

Vor gut zwei Monaten wars. Nicolas G. Hayek hatte sich geehrt gefühlt, dem neuesten Kursschiff der Hallwilerseeflotte, der MS «Seetal», Götti sein zu dürfen. Bis auf den vorzeitigen Abgang, den die meisten Gäste nicht mitbekommen haben, war die Schiffstaufe ein typischer Auftritt für den 82-jährigen Unternehmer. Mit Esprit und Schlagfertigkeit wandte er sich an die Gäste und pries seine Wahlheimat in den höchsten Tönen: «Das Seetal ist der schönste Flecken im drittbesten Kanton jenes Landes mit der höchsten Lebensqualität.»

Lokal nur im Kerzenschein

In Meisterschwanden hatte er sich vor 48 Jahren niedergelassen. Und sich wohl gefühlt. Und integriert. Sein Auftritt an einer Zivilschutzübung ist Legende. Er war einer von uns.

Er, der im nationalen und internationalen Scheinwerferlicht stand, mied den lokalen Kerzenschein eher. Grosse Auftritte in Dorf und Talschaft waren nicht sein Ding. Im Hause Hayek war Ehefrau Marianne Hayek-Mezger die Aussenministerin. Aber der Retter der Uhrenindustrie tat viel für Meisterschwanden. Er war dem Hallwilerseedorf, das ihn problemlos einbürgerte, im Stillen dankbar. Dankbar für die Ruhe, in der er hier auftanken konnte. Dankbar für die Landschaftsidylle, die er gerne seinen Gästen präsentierte.

Auf der andern Seite wusste man, dass man den tiefen Steuerfuss nicht zuletzt «Mister Swatch» verdankte. Und war stolz, eine solche Koryphäe in den eigenen Gemarkungen zu haben. Die grösste Freude machte die Gemeinde Meisterschwanden seinem prominentesten Mitbürger, als sie vor zwei Jahren nicht nur ihm, sondern auch seiner Gattin das Ehrenbürgerrecht verlieh.

Im Trainer ins Wahllokal

Vielleicht wären Hayeks Auftritte im Trainingsanzug im Wahlbüro die einzige offene politische Handlung in seiner Wohngemeinde geblieben, wenn nicht im letzten Jahr mit einem Wahlmanöver die Wiederwahl des Gemeindeammanns hätte verhindert werden sollen. Hayek enervierte sich über die Aktion und gab erstmals eine Wahlempfehlung zugunsten des Amtsinhabers Kurt Kaufmann ab. Erfolgreich.

Kaufmann führt heute Dienstag die Gemeinderatsdelegation beim Kondolenzbesuch bei der Witwe an.

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