Die Chefs der Schweizer Grossbanken haben ein ausserordentlich erfolgreiches Jahr hinter sich. Wie dem am Freitag veröffentlichten Geschäftsbericht der CS zu entnehmen ist, konnte Konzernchef Tidjane Thiam sein Gehalt gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent auf 12,7 Millionen Franken steigern. Damit liegt er nur noch knapp hinter seinem Kollegen Sergio Ermotti von der UBS, der 14,1 Millionen erhielt.

Thiam und Ermotti, die beiden Konkurrenten vom Paradeplatz, sind damit die Spitzenverdiener unter den Chief Executive Officers in der Schweiz. Sie stellen mit ihren Salären die Chefs der Basler Pharma-Giganten Roche und Novartis sowie des Nahrungsmittelmultis Nestlé deutlich in den Schatten.

Zusammengerechnet haben die Geschäftsleitungs-Mitglieder von CS und UBS nahezu 200 Millionen eingesteckt. Die Spitzensaläre der Banker stehen im scharfen Kontrast zur Entwicklung des Aktienkurses. Allein bei der CS schmolz der Unternehmenswert um 17 Milliarden Franken. Dieser Verlust bleibt bei den Aktionären hängen, also bei vielen Privatanlegern und Pensionskassen.

Abgekoppelte Boni

Die Interessen der Aktionäre und des Managements in Gleichklang zu bringen, müsste eigentlich das Ziel einer leistungsbasierten Entlöhnung sein. Bei den Grossbanken scheint das aber nur beschränkt der Fall zu sein. Bei der UBS ist das Bonussystem mehr oder weniger von der realen Aktienkursentwicklung abgekoppelt. Wenn Sergio Ermotti mit den Aktionären «mitleidet», dann vor allem, weil seine eigenen UBS-Aktien, die er im Rahmen seiner Bonusprogramme erhalten hat, an Wert verloren haben.

Bei der CS liegt der Fall anders. Die Bank führte mit dem Bonusprogramm LTI ein zukunftsgerichtetes System ein. Der Vorsitzende des Vergütungsausschusses, Kai Nargolwala, schreibt im Vorwort des aktuellen Entschädigungsberichts, dass mit diesem System «unseres Erachtens» gewährleistet ist, dass die Wertentwicklung dieser Ansprüche den «Erfahrungen der Aktionäre» im selben Zeitraum entspricht.

Das ist seine Einschätzung. Die Realität zeigt ein differenziertes Bild. Das LTI-Bonussystem reagiert zwar tatsächlich auf den Aktienkurs, doch die Verluste werden stark abgedämpft. Von den im Jahr 2016 zugeteilten LTIAnsprüchen wurden am Ende der Periode tatsächlich «nur» 41 Prozent verdient, wie der CS-Geschäftsbericht offenlegt. Doch dass überhaupt etwas herausschaute, ist allein dem Umstand zu verdanken, dass die sogenannte «relative Gesamtaktienrendite» nur gerade 40 Prozent am LTI-Bonus ausmacht.

Doch was genau ist eine «relative Gesamtaktienrendite»? CS vergleicht ihre eigene Aktienrendite (Kursentwicklung plus Dividende) mit 18 anderen Finanzinstituten. Das heisst also, wenn alle Banken an der Börse in den Keller rasseln, die CS sich aber im Vergleich zu den anderen noch einigermassen halten kann, gibt es für Manager dennoch den vollen Bonus.

Im Jahr 2016 landete die CS aber nur auf Platz 17, also an drittletzter Stelle. Somit gab es einen Nuller. Doch weil andere, selbst gesetzte Ziele zum Teil erreicht wurden, gab es am Ende dann doch noch fast die Hälfte des Bonus. Hinzu kommt, dass noch ein weiteres, kurzfristig orientiertes Bonusprogramm weitere Millionen ausschüttet. Bei diesem spielt die Aktienperformance keine Rolle.

Fragwürdige Vergleiche

Zwei weitere fragwürdige Faktoren führen dazu, dass die Schweizer Bankenchefs viel verdienen trotz schlechter Resultate. Zum einen vergleichen sich UBS und CS mit grossen amerikanischen Investmentbanken wie Goldman Sachs, JP Morgan oder Morgan Stanley. Diese spielen aber in einer ganz anderen Liga. Das zeigt sich allein schon daran, dass es noch nie ein CEO einer Schweizer Grossbank an die Spitze einer Wall-Street-Bank geschafft hat.

Zum anderen werden die Hürden für die Bonuserreichung bewusst sehr tief gesetzt. Zum Beispiel die zu erreichende Eigenkapitalrendite (RoTE). Bei der CS fliesst der Bonus im laufenden Jahr bereits ab sechs Prozent RoTE. Den vollen Bonus gibt es bei 11,5 Prozent. Am Investorentag letzten Dezember hiess es, dass die Bank für 2019 eine Eigenkapitalrendite von 10 bis 11 Prozent anvisiere.

Mit diesem Ziel dürfte die CS hingegen nur knapp die Kapitalkosten verdienen — trotz dieses bescheidenen Ziels soll es einen üppigen Bonus geben. Bei der UBS sind die Hürden ebenfalls tief gesetzt.