Banken
UBS-Präsident Axel Weber: «Unsere Löhne werden tiefer liegen»

Der Abbau von 10000 Stellen soll einen Kulturwandel einläuten bei der Schweizer Grossbank UBS einläuten, verspricht deren Präsident Axel Weber. Er sagt auch, dass die Löhne und die Boni in der Bank in nächster Zeit sinken werden.

Marc Fischer und Christian Dorer
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UBS-Präsident Axel Weber: «Meine Bezahlung ist angemessen».

UBS-Präsident Axel Weber: «Meine Bezahlung ist angemessen».

Alex Spichale

Herr Weber, Sie sind jetzt knapp sechs Monate im Amt und müssen den grössten Abbau ankündigen, den der Schweizer Finanzplatz bisher erlebt hat. Haben Sie sich so Ihren Start vorgestellt?

Axel Weber: Mir war bewusst, dass die Herausforderungen für die Banken in dem neuen Umfeld deutlich gestiegen sind. Insbesondere das Investmentbanking muss im jetzigen Marktumfeld neu aufgestellt werden. Angesichts der neuen Kapital- und Liquiditätsvorschriften sowie der Insolvenzregime, die weltweit entwickelt werden, und angesichts der Diskussion über neue Trennbanksysteme war es für mich als ehemaligen Regulator klar, dass es zu weitreichenden Veränderungen bei den Banken kommen muss.

Sie wussten also, dass ein harter Schnitt kommt?

Ich war und bin überzeugt: Auf die Veränderungen nur scheibchenweise zu reagieren - mit neuen Nachjustierungen in der Strategie - wäre fatal. Denn es geht darum, die UBS für die Zukunft fit zu machen. Deshalb besinnt sich die UBS auf das Kerngeschäft und stellt den Kunden und seine Bedürfnisse konsequent in den Mittelpunkt. Man muss sehen, dass man diejenigen Geschäftsbereiche und Mitarbeiter, die es dazu braucht, an Bord behält. Und man muss sich auch von denjenigen trennen, die im neuen Modell keine Perspektive haben.

Aber ist jetzt nicht genau dieses «scheibchenweise» passiert? Die UBS gab vor einem Jahr einen moderaten Abbau bekannt - und heute kommt ein radikalerer Schritt.

Wir haben uns gefragt: Was ist das Beste für die UBS der Zukunft? Welche Entscheide haben in der Vergangenheit zum Erfolg der Bank beigetragen, welche nicht? Die UBS der Zukunft wird sich zurückbesinnen auf die traditionellen Stärken. Unternehmensteile, die sich im sehr dynamischen Marktumfeld von 2000 bis 2007 entwickelt haben, die aber nicht zum Erfolg der Bank beigetragen haben, werden auf ein Mass zurückgeschnitten, das langfristig vertretbar ist.

SP-Chef Christian Levrat sagt, es sei zynisch, den Abbau mit den neuen Regulierungen zu begründen, die wegen des fahrlässigen Verhaltens der Banken nötig wurden.

Es muss sich jeder sein eigenes Bild über die strategischen Entscheide machen, die wir heute getroffen haben. Ich bin überzeugt, wir machen das Richtige. Die UBS wird fit für die Zukunft. Die UBS war tief gefallen. Jetzt befinden wir uns auf einem Marathon, nicht auf einem Sprint. Ich bin von aussen gekommen, vielleicht bekomme ich das stärker mit als manch andere.

Warum?

Setzen Sie sich mal ins Café und sagen Sie, dass Sie bei der UBS arbeiten! Da bekommen Sie schon zu hören, was nicht gut läuft. Ich mache das ab und zu - und sage natürlich nicht, dass ich der Verwaltungsratspräsident bin ... Ich höre mir viele Leute an, um mir ein Bild zu machen. Im Moment haben wir noch ein Imageproblem, das ist mir bewusst. Daran müssen wir arbeiten.

Welche Auswirkungen hat die Neuausrichtung der Bank auf die Boni-Kultur?

Wenn wir in Zukunft weniger Handelsgeschäft und weniger Investmentbanking machen, dann werden die Gehälter auch tiefer liegen. Denn die waren gerade in diesen Bereichen früher viel höher als im Retail- oder Corporate-Bereich. Wir müssen uns in den nächsten Monaten fragen, wie das Anreizsystem für die neue UBS aussehen muss. Das wird auch einen Rückbau von Boni und Gehaltsstrukturen beinhalten.

Glauben Sie, dass sich die Bonus-Frage, die nun schon seit zehn Jahren die Öffentlichkeit bewegt, damit entschärfen wird?

Die vergangenen zehn Jahre im Investmentbanking sind sicher kein guter Fahrplan für die nächsten zehn Jahre. Die Diskussionen über die Strategie im Investmentbanking werden einen deutlichen Effekt auf das Entlohnungssystem in den Banken haben - im Allgemeinen und besonders im Investmentbanking.

Können Sie verstehen, dass Boni in der Bevölkerung nach wie vor ein grosses Thema sind?

Nicht nur in der Bevölkerung, sondern auch in den Organen unserer Bank ...

... diesen Eindruck hatte man bisher nicht.

Ich bin jetzt seit fünf Monaten im Amt. Ich glaube, dass man sich als Bank der Diskussion nicht entziehen kann. Banken befinden sich nicht nur in einer regulatorischen, sondern auch in einer neuen gesellschaftlichen Realität. Ich erwarte deutliche Effekte dieser gesellschaftlichen und politischen Diskussionen auf die Banken.

Sie haben einen grosszügigen Antrittsbonus erhalten. Wäre es nicht ein starkes Zeichen, wenn Sie darauf verzichten würden?

Meine Bezahlung ist angemessen. Woanders hätte ich deutlich mehr verdienen können. Das laufende Gehalt des Verwaltungsratspräsidenten habe ich nicht verhandelt - das war so seit 2009 vorhanden.

Wie sieht denn nun die UBS der Zukunft aus?

Als ehemaliger Regulator sehe ich die Hauptherausforderungen nicht nur im Investmentbanking. Die neuen Regulierungen sollen dazu dienen, dass die Banken die richtigen Akzente setzen. Wir tun das mit der Fokussierung auf Kunden, auf Unternehmensfinanzierung und auf institutionelle Investoren. Wir besinnen uns also auf das Ur-Geschäft. Dazu müssen aber in den nächsten drei Jahren auch Stellen abgebaut werden. Das sind sehr harte Entscheide. Aber wir werden das so anständig und transparent wie möglich meistern.

Sie wollen zurück zum Hauptgeschäft. Zwei Drittel des Investmentbankings, der Bereich Client Solutions, zielen ja immer noch auf Investoren.

Das stimmt. Dieser Bereich ist nach wie vor gross. Aber damit bedienen wir institutionelle Investoren, die auch schon Kunden im Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS sind. Wir reduzieren künftig die Kapitalintensität des Investmentbankings deutlich. Vor einem Jahr hat das Investmentbanking 65 Prozent des Kapitals gebunden. Neu wird es nur noch ein Drittel sein. Der Beitrag der Investmentbank zum Gesamtergebnis wird aber nur geringfügig zurückgehen. Die UBS verabschiedet sich insbesondere aus dem Geschäft mit festverzinslichen Papieren, das Kapitalkosten nicht nachhaltig erwirtschaftet hat.

Wird die UBS künftig im OTC-Derivate-Geschäft, dessen Volumen das 12-Fache des Welt-Bruttoinlandprodukts ausmacht und das eine Bedrohung für das weltweite Finanzsystem darstellt, nicht mehr tätig sein?

Wir werden Kunden, die Absicherungsgeschäfte machen wollen, auch künftig Derivate anbieten. Aber wir werden in diesem Bereich keinen Eigenhandel mehr betreiben. Absicherungsgeschäfte stellen auch Kundenbedürfnisse dar. Für die grossen Fluglinien werden wir weiterhin im Öl- und Kerosin-Derivatebereich tätig sein.

Und wenn Kunden rein spekulative Geschäfte mit diesen Derivaten machen wollen?

Wir führen Aufträge für unsere Kunden aus. Ob eine Position spekulativ ist oder nicht, hängt davon ab, ob der Kunde erwartet, dass der Preis eines bestimmten Finanzproduktes in der Zukunft steigen oder fallen wird. Dass Kunden unterschiedliche Erwartungen haben, ist die Regel. Die Risiken für solche Transaktionen liegen aber bei den Kunden, nicht bei der UBS.

Warum musste Konzernleitungsmitglied Karsten Kengeter gehen?

Karsten Kengeter ist nicht gegangen. Er wird den Abbau des Bereichs Fixed Income, Commodities and Currencies begleiten. Der Abbau wird mehrere Jahre dauern. Er hat gezeigt, dass er den komplexen Bilanzabbau erfolgreich betreiben kann. Kengeter wird diesen Nicht-Kernbereich des Investmentbankings mit 300 Mitarbeitern leiten. Andrea Orcel wird dagegen den Kernbereich des künftigen Investmentbankings leiten.

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