Zu viel ist zu viel. Was sich in den letzten zwei Jahren an den westlichen Mittelmeerstränden abspielte, hat für so manchen Gast die Grenzen des Erträglichen an Menschenmassen überschritten. Parallel dazu hat sich die terroristische Bedrohung in Badedestinationen wie Ägypten, Tunesien und der Türkei aufgrund längerer Abstinenz von Schreckensmeldungen subjektiv verringert.

Beide Strömungen haben sich auf die aktuelle Sommerferienplanung zahlreicher Schweizer ausgewirkt, wie Reiseveranstalter feststellen. Insbesondere die Türkei, lange Zeit in den Top 3 der beliebtesten Badeziele der Schweizer, dann in den letzten zwei Jahren von einem Totaleinbruch um gegen 70 Prozent heimgesucht, scheint touristiscFh wieder Morgenluft zu wittern. «Aktuell verzeichnen wir für die Türkei ein Gästeplus von 130 Prozent», berichtet Andi Restle, Geschäftsführer beim etablierten Badeferienspezialisten ITS Coop Travel. Gleichwohl relativiert er die Zahl und rechnet mit rund 5000 Türkei-Gästen für das ganze Jahr. «Nach nur knapp über 3000 im letzten Jahr ist das zwar eine schöne Steigerung, von den 15'000 Gästen im Rekordjahr 2014 sind wir aber noch weit entfernt.»

Aus Erfahrung weiss Restle indes, dass sich solche Trends schnell akzentuieren können. Ein nachhaltiges Comeback der Türkei begünstigen könnte, dass sich etwa britische, deutsche und auch Schweizer Badetouristen zuletzt vor allem an den spanischen Stränden wie Ölsardinen aneinanderreihten und «Overtourism» damit zum internationalen Wort des Jahres 2017 kürten. Neben dem Dichtestress warten auf den Balearen, Kanaren und Co. dieses Jahr zudem auch erhöhte Hotelpreise auf die Touristen.

Preissenkungen ausgeschöpft

Ganz anders am Bosporus, wo sich die Hotelindustrie entlang der südtürkischen Riviera in den letzten zwei Jahren auch mit staatlicher Hilfe zu Preisrabatten durchrang und das vor Ort traditionell vorteilhafte Preis-Leistungs-Verhältnis weiter aufpeppte. Für diese Saison sind die Zimmertarife im Durchschnitt nochmals um 10 Prozent gesunken. Noch günstiger als im Vorjahr würden Türkeireisen für Schweizer aber nicht mehr, sagt Andi Restle. «Da wir für die Saison 2018 mit einem gestiegenen Eurokurs kalkulieren mussten, wurden die neuerlichen Preissenkungen der Hotels kompensiert.»

Günstig und wieder attraktiv genug ist die Türkei auch für Gäste von DER Touristik Suisse. Der aktuell verbuchte Gästeanstieg zu den beiden Vorjahren sei «sehr hoch», bestätigt Sprecher Markus Flick sowohl für Programme des Stammprodukts Kuoni als auch der Günstigmarke Helvetic Tours. «Besonders auf unseren Online-Kanälen hat sich die Südtürkei bereits wieder zu einem der beliebtesten Badeferienziele überhaupt gemausert.» Bei Kuoni/Helvetic Tours geht man davon aus, dass dieses Wachstum anhalten wird.

Schnell Kapazitäten schaffen

Von der wiederkehrenden Nachfrage positiv überrascht, sind die Veranstalter und Fluggesellschaften bemüht, ihre Platzkapazitäten für Türkei-Ferien rasch wieder auszubauen. Die ab Zürich operierende Charterairline Germania etwa hatte das südtürkische Antalya gänzlich aus ihrem Flugplan gestrichen, bietet nun aber von August bis Oktober 2018 wieder zwei wöchentliche Verbindungen und insgesamt 5100 Sitzplätze an. «Die Türkei bleibt ein hochinteressanter Markt, den wir stets im Auge haben, um je nach Situation Kapazitäten sofort auf- und ausbauen zu können», sagt Urs A. Pelizzoni von der Germania-Geschäftsleitung.

Aufatmen auch beim Türkeispezialisten Bentour Reisen, der neben Germania auch auf der Edelweiss Air sowie auf der türkischen Sunexpress kurzfristig 2000 zusätzliche Sitzplätze eingekauft hat. «Weil wir schon heute für bestimmte Herbstferiendaten einen Engpass haben, mussten wir kurzfristig mit diesen Zusatzkapazitäten reagieren», freut sich CEO Deniz Ugur.

Wie nachhaltig der Aufschwung ausfallen wird, ist indes ungewiss. Die türkische Militäroffensive in Syrien sowie anhaltende Verhaftungswellen im Inland setzen das ein Fragezeichen. «Diese innenpolitische Entwicklung ist für uns Reiseveranstalter nicht erfreulich und lässt uns im Ungewissen, wie nachhaltig die positive Buchungsentwicklung ist», sagt Andi Restle von ITS Coop Travel. Gleichwohl ist er davon überzeugt, die vielen Vorzüge des Landes aktiv zu bewerben. «Schliesslich hängen von einem funktionierenden Tourismus vor Ort Hunderttausende Arbeiter und Existenzen ab.»