USA

Trump setzt Scaramucci als Kommunikationschef durch – Spicer zieht Konsequenzen

Der Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, vor Journalisten im Weissen Haus.

Der Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, vor Journalisten im Weissen Haus.

Inmitten der Turbulenzen der Russland-Affäre gibt es einen Umbruch im Medienstab des Weissen Hauses. Pressesprecher Sean Spicer, der viel Kritik von Journalisten wie wohl auch von Präsident Donald Trump hatte einstecken müssen, warf am Freitag das Handtuch.

Sechs Monate hat es Sean Spicer im Weissen Haus ausgehalten und loyal die Botschaft von Präsident Donald Trump verbreitet. Am Freitag hatte er genug: Der Sprecher des Weissen Hauses wird im August zurücktreten. Spicer, 45 Jahre alt und ein langjähriger Washington-Insider, zog mit diesem Schritt die Konsequenzen aus der Ernennung von Anthony Scaramucci zum Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses.

Scaramucci, ehemaliger Hedgefonds-Manager und gern gesehener Gast beim WEF in Davos, gilt als einer der charismatischsten Verteidiger von Präsident Donald Trump. Er tritt regelmässig in Gesprächssendungen im Fernsehen auf und verteidigt umstrittene Entscheidungen des Präsidenten. Trump wollte seinem wohlhabenden Verbündeten deshalb schon lange einen Posten in der Regierung verschaffen.

Weil der 53-jährige Scaramucci sich aber im Washingtoner Politbetrieb nicht auskennt, sprach sich Spicer energisch gegen die Personalie aus. Auf dem Papier ist der Kommunikationsdirektor der direkte Vorgesetzte des Präsidentensprechers. Spicer befürchtete, dass er letztlich die Knochenarbeit eines Kommunikationsdirektors übernehmen müsste, während Scaramucci von Fernsehstudio zu Fernsehstudio tingeln würde.

Eine ähnliche Position vertrat Stabschef Reince Priebus, der in den vergangenen Monaten mit aller Kraft versucht hatte, die Anstellung von Scaramucci zu verhindern. (Priebus dementierte dies allerdings am Freitag.) Auch soll sich Trumps Chefstratege Steve Bannon gegen Scaramucci ausgesprochen haben. Angeblich wussten Priebus und Bannon bis zuletzt nicht, dass Trump den New Yorker Geschäftsmann zu seinem neuen Kommunikationschef ernennen wollte.

Nicht völlig überraschend

In hastigen Analysen wurde der Schritt des Präsidenten, der eine Kettenreaktion auslöste, am Freitag in Washington als Misstrauensbekundung Trumps gegenüber seinem Kommunikationsstab aufgefasst. Einmal mehr, hiess es auf den amerikanischen Nachrichtensendern, habe der Präsident damit bewiesen, dass er das Gefühl habe, er sei der beste Sprecher seiner Regierung.

Ganz überraschend kommt der Rücktritt Spicers allerdings nicht. Der loyale Präsidentensprecher verlor das Vertrauen seines Vorgesetzten bereits vor Wochen, auch weil er (in den Augen Trumps) zu wenig präsidial wirkte und sich in Grabenkämpfe mit den Medienschaffenden im Weissen Haus verwickelte.

Trump verlor angeblich den Respekt für Spicer, als er in der Satire-Sendung «Saturday Night Live» durch die Komödiantin Melissa McCarthy lächerlich gemacht wurde. Regelmässig sickerte in der Folge durch, dass der Präsident die tägliche Pressekonferenz im Weissen Haus am Fernsehen live verfolge, und die Arbeit seines Sprechers kritisierte.

Spicer zog daraus die Konsequenzen, und seit einigen Wochen wird das Briefing nicht mehr am Fernsehen übertragen. Auch schickte Spicer häufig seine Stellvertreterin Sarah Huckabee Sanders vor, um die Medienschaffenden im Weissen Haus zu informieren.

Regelmässig machte Trump ihm aber einen Strich durch die Rechnung und zerstörte seine Kommunikationsstrategie. So wollte das Weisse Haus diese Woche den Fokus auf die heimische Industrie legen und über Produkte «Made in America» sprechen. Dann aber sprach der Präsident mit der «New York Times», beschädigte das Ansehen von Justizminister Jeff Sessions und warf Fragen über den Status des Sonderermittlers Robert Mueller auf. «Made in America» war plötzlich kein Thema mehr.

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