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Trump-Anwalt ohne Erfolg engagiert: Novartis tritt erneut ins Fettnäpfchen

Michael Avenatti, Anwalt der Pornodarstellerin Stormy Daniels, brachte den Novartis-Deal ans Licht.

Michael Avenatti, Anwalt der Pornodarstellerin Stormy Daniels, brachte den Novartis-Deal ans Licht.

Der Pharmakonzern Novartis engagierte Trump-Anwalt Michael Cohen für 1,2 Millionen Dollar. Das Basler Unternehmen erhoffte sich privilegierten Zugang zum Präsidenten – vergeblich.

Der Spott ist gross. «Novartis zahlte 1,2 Millionen Dollar und erhielt nichts», titelten mehrere US-Medien. Unabhängig von der Häme stellt sich die Frage, wie die Novartis-Verantwortlichen nur auf die Idee kamen, den persönlichen Trump-Anwalt Michael Cohen zu engagieren?

Offenbar war die Spitze des Basler Pharmakonzerns aufgrund des Wahlsiegs von Donald Trump sichtlich nervös. Mit seiner Amtsübernahme seien alle traditionellen Kontakte verschwunden, äusserten sich Novartis-Mitarbeiter dazu anonym in US-Medienberichten. Deshalb habe Novartis neue Anknüpfungspunkte gesucht.

Da kam Cohen gerade rechtzeitig. Weil er zu seiner eigenen Überraschung keinen Job im Weissen Haus bekam, ging er mit seinen persönlichen Beziehungen zu Trump auf Werbetour – so auch bei Novartis. Cohen sagte, er könne die Firma beraten, wie sich zu den neuen Mitgliedern der Trump-Regierung Kontakt aufnehmen lasse.

Die interne Nervosität kontrastiert stark mit den damaligen Äusserungen der Novartis-Führung. Kurz nach Trumps Amtseinsetzung sagte Ex-Konzernchef Joe Jimenez, angesprochen auf den neuen Präsidenten, es werde Preisdruck geben, aber das sei nichts Neues. «Das Gute an der neuen Regierung ist, dass sie den Wert von Innovation anerkennt.»

Jimenez wurde auch deshalb im Januar 2017 zu Trump gelöchert, weil dieser zuvor die Pharmaindustrie mit einem seiner berüchtigten Zitate aufschreckte: «Sie kommen mit Mord ungeschoren davon», sagte er in Anspielung auf die grosse Lobby-Macht der Branche und die hohen Medikamentenpreise.

Grosse Ernüchterung

Kurze Zeit später traf Jimenez mit anderen Chefs grosser Pharmakonzerne Trump persönlich im Weissen Haus. Monate später sollte sich Jimenez sehr positiv zum Treffen mit dem Präsidenten äussern. Dennoch kam es nur kurze Zeit nach dem Austausch mit Trump zum Deal mit seinem Anwalt Cohen. So verpflichtete sich Novartis, pro Monat 100'000 Dollar zu bezahlen, und dies während eines Jahres. Entschieden habe dies letztlich Jimenez, sagt eine interne Quelle.

Einen Monat danach, im März 2017, trafen sich mehrere Novartis-Vertreter erstmals mit Cohen – und auch zum letzten Mal. Je länger das Gespräch mit dem New Yorker Anwalt dauerte, desto mehr machte sich Ernüchterung breit. Letztlich kam das Novartis-Team zum Schluss, dass sich die Firma mit der Verpflichtung von Cohen auf ein unsicheres Terrain begeben habe, schildert ein Novartis-Mitarbeiter dem US-Pharmaportal «Stat».

Obwohl die Zusammenarbeit mit Cohen beendet wurde, flossen die Zahlungen von insgesamt 1,2 Millionen Dollar weiter an den Anwalt. Da das Arrangement nur aufgrund einer Vertragsverletzung hätte aufgelöst werden können, sei Cohen bis Februar 2018 weiterbezahlt worden, schreibt Novartis in einer Stellungnahme.

Wenn man einen solchen Vertrag auflösen wolle, finde man immer einen Weg, sagt ein Anwalt der «Schweiz am Wochenende», der mit solchen Vorgängen vertraut ist. So hätte man etwa nur die Hälfte der abgemachten Summe überweisen können. Vielleicht habe sich Novartis gefürchtet, Trump zu verärgern, falls dieser vom vorzeitigen Vertragsende erfahren hätte, spekuliert der Anwalt.

Doch dies ist nur einer von vielen Punkten, die für Stirnrunzeln sorgen. Wieso hat Novartis nicht von Anfang genau geprüft, mit wem sich der Konzern da einlässt? Zwar rückte Cohen erst mit dem Fall um Pornodarstellerin Stormy Daniels so richtig ins Rampenlicht. Damit Daniels nicht über eine mutmassliche Affäre mit Donald Trump spricht, erhielt sie von Cohen 130'000 Dollar.

Doch der Anwalt genoss schon vorher einen zweifelhaften Ruf. Viele seiner Geschäftspartner wurden angeklagt oder zu Strafzahlungen verurteilt. Zudem bewegte sich Cohen im Umfeld russischer und italienischer Mafiosi, wie eine Recherche der «New York Times» zeigt.

Fragwürdig ist auch die hohe Summe, die Novartis Cohen überwies. Im letzten Jahr gab der Pharmakonzern knapp 8,8 Millionen Dollar für Lobbying in den USA aus. Dabei betrug die höchste Summe 240'000 Dollar, die an die Washingtoner Lobby-Organisation Tiber Creek Health Strategies ging. Auf deren Kundenliste befindet sich auch Roche.

Lange Liste von Fehltritten

Während viele Fragen offenbleiben, versucht Novartis wenigstens den Schaden für den neuen Konzernchef Vas Narasimhan zu begrenzen. Dieser sei in keiner Art und Weise in die Sache involviert gewesen. Es gebe auch keine Verbindung zum Dinner mit Trump am WEF in Davos, an dem Narasimhan als einer von 15 Topmanagern teilnahm.

Gleichzeitig dürfte Novartis entgegenkommen, dass die internen Quellen mit dem Finger auf Jimenez deuten. Narasimhan sprach derweil in einem E-Mail an die Mitarbeiter von einem schlechten Tag für Novartis. Der Vertrag mit Cohen sei ein Fehler gewesen. «Viele Angestellte werden nun enttäuscht und frustriert sein.»

Die Cohen-Affäre reiht sich in eine lange Liste von Verfehlungen und Korruptionsvorwürfen ein. Gebüsst wurde Novartis etwa in China, Südkorea, Japan und in den USA. Dort ist ein weiterer grösserer Fall hängig, ebenso in Griechenland.

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