Einige haben es kommen sehen. Findige UBS-Aktionäre haben ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene gebracht und ihre Aktien schon am Montag verkauft.

Diese konnten sich gestern freuen. Denn die Aktie der grössten Schweizer Bank stürzte am Tag der Bekanntgabe der Jahreszahlen für 2015 förmlich ab. Zeitweise verlor sie um bis zu 9 Prozent an Wert. Andere Investoren haben auch mit speziellen Finanzprodukten auf sinkende Aktienkurse gewettet. Die Volumen in besonders riskanten Put-Optionen sind auffällig stark angestiegen. Für diese hat sich der Einsatz besonders gelohnt.

Kritik an den Resultaten

Sicher ist, dass die UBS-Aktie gestern auffällig stark gefallen ist. Und dies trotz einem Jahresgewinn, der im Vergleich zum Vorjahr um 79 Prozent auf 6,2 Milliarden Franken angestiegen ist. Konzernchef Sergio Ermotti lieferte das beste Ergebnis der letzten fünf Jahre ab. Der Grund, dass dies alles in Anlegerkreisen schlecht aufgenommen wurde, liegt denn auch nicht primär in der Höhe des Gewinns. Sondern es geht um die Frage, wie er zustande gekommen ist.

Bemängelt werden etwa, dass Steuergutschriften in Höhe von 1,2 Milliarden aktiviert wurden. Diese hübschen das Resultat auf. Im vierten Quartal überraschte die UBS auch mit Restrukturierungskosten und Rückstellungen für Rechtsrisiken. Auch diese haben das Resultat verhagelt.

Da war zudem ein Abfluss von Kundengeldern im Geschäft mit den vermögenden Kunden zu vermelden. Und da waren die Netto-Wertberichtigungen für Kreditrisiken in der Investmentbank, die aufgrund der Probleme einiger Kunden im Energiesektor nötig wurden.

Auf der anderen Seite überraschte das Geschäft mit den vermögenden Kunden in den USA positiv. Dort hat man vom Ausstieg der Credit Suisse (CS) in diesem Markt profitiert.

Und die Investmentbank erzielte im vergangenen Jahr einen Vorsteuergewinn von 1,9 Milliarden Franken, nachdem sie 2014 noch einen Verlust von 84 Millionen Franken machte. Positiv zu erwähnen aus Sicht der Aktionäre ist auch die leicht erhöhte Dividende, die gestern in Aussicht gestellt wurde.

Die Bremse gezogen

Was ist also wirklich los mit der UBS? Gut möglich ist, dass die UBS im Geschäft mit den vermögenden Kunden bewusst die Handbremse gezogen hat. Dies in vollem Bewusstsein, weniger Kundengelder anzuziehen: «Wir wollen keine Neugelder kaufen», sagte dazu Ermotti gestern bei der Präsentation der Zahlen. Ausserdem wurden auch bei reichen Kunden, insbesondere in China, die Kreditlimiten heruntergefahren.

Dies wird im Fachjargon «Deleveraging» genannt. In der ganzen Einheit wurden im letzten Jahr vier Milliarden Franken weniger ausgeliehen. Das schmälerte die Erträge. Doch Ermotti geht davon aus, dass dies aus Sicht der Bank nachhaltiger ist.

Trotzdem bleibt für Beobachter ein schaler Nachgeschmack: Aufgrund all der Sondereffekte kommt etwa ZKB-Bankanalyst Andreas Brun zum Schluss, dass das Resultat nicht nur weit unter seinen Erwartungen lag. Sondern er setzte seine Empfehlung für die Anlegerschaft von «Übergewichten» auf «Marktgewichten» herunter. Er war nicht der Einzige.

Für den erfolgsverwöhnten UBS-Chef ist das noch lange kein Grund zur Klage: Er streicht viel lieber die erzielten Resultate hervor. Diese seien trotz der schwierigen Bedingungen erzielt worden. Die derzeitige Situation an den Aktienmärkten und das Tauchen der UBS-Aktie verglich er mit dem Fussball. Auch dort mache es keinen Sinn, sich immer nur über den Schiedsrichter zu beklagen. So mache es auch keinen Sinn, sich über die eigene Aktienkurs-Entwicklung zu ärgern und den Märkten die Schuld zu geben.

Gut kapitalisiert

Trotz der verhaltenen Aussichten für das laufende Jahr: Rückblickend hat sich die UBS, mit einem verwalteten Vermögen von rund zwei Billionen Franken die grösste Vermögensverwalterin der Welt, in den Jahren seit der Krise 2008 gut erholt.

Sie hat im Vergleich mit der CS den risikoreichen Teil des Investmentbankings rasch abgebaut. Das kommt ihr heute zugute. Auch die Kapitalbasis ist dort, wo sie aufgrund der strengeren Vorschriften sein soll. Von dieser Kapitalstärke profitiert die UBS trotz allen Rückschlägen auch künftig – besonders im Geschäft mit den vermögenden Kunden.