Reallöhne

Trotz guten wirtschaftlichen Prognosen: Warum am Ende weniger im Portemonnaie bleibt

Unter dem Strich bleibt weniger im Portemonnaie. (Themenbild)

Unter dem Strich bleibt weniger im Portemonnaie. (Themenbild)

Trotz guten wirtschaftlichen Prognosen: Es sieht danach aus, dass wir hierzulande im kommenden Jahr mit sinkenden Reallöhnen rechnen müssen. Schuld daran ist auch die Teuerung.

Wer in den vergangenen Jahren seine Einkäufe verglichen hat, der merkte, dass vieles im Warenkorb billiger wurde. Vor allem die Preise für Importprodukte wurden gesenkt, Kleider, Schuhe, aber auch Benzin und Diesel waren günstiger zu haben. Hier schlug sich der starke Franken nieder, aber auch der Einkaufstourismus machte sich bemerkbar. Auch wer in der Schweiz einkaufen ging, hatte also mehr im Portemonnaie. Wer nominal gleich viel verdiente, konnte sich real mehr leisten. Diese negative Teuerung war die positive Seite einer schlecht laufenden Konjunktur.

Die negative Seite war, dass die Nominallöhne, also die wirklich ausbezahlten Beträge, kaum mehr gestiegen sind. Ja, sie befinden sich laut dem KOF, der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich, mit einer Steigerung von 0,7 Prozent im letzten Jahr auf einem historischen Tief.

Doch in diesem Herbst wird die Lohnrunde spannend. Erstmals seit Jahren zieht die Konjunktur wieder an, die Preise werden laut Schätzungen bis Ende Jahr rund 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr teurer. Doch auf die Löhne wird das Ganze nur wenig Auswirkungen haben. Im Gegenteil: Laut einer Umfrage der UBS erhalten schweizweit Arbeitnehmer 2018 durchschnittlich 0,7 Prozent mehr Lohn. Zieht die Teuerung bis Ende Jahr auf 0,7 bis 0,8 Prozent an, bleibt damit aber unter dem Strich sogar weniger im Portemonnaie.

Die Teuerung frisst also die eh schon geringe nominale Lohnerhöhung wieder auf. Eine Situation, die laut Gewerkschaften nicht tragbar ist. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert generelle Lohnerhöhungen von 1,5 bis 2 Prozent. Die Gewerkschaften Syna und Unia beantragen für die Bauarbeiter einen Lohnanstieg von 150 Franken pro Monat, was ein Plus von rund 2,5 Prozent entspricht.

Coop und Migros bezahlen mehr

Erste Ergebnisse der Lohnabschlüsse von Coop und Migros, die laut der Nachrichtenagentur SDA letzten Freitag bekannt wurden, zeigen zwar dass die Lohnsummen stärker als in den Vorjahren angepasst werden. Coop erhöht Löhne 2018 um 1 Prozent, Migros um bis zu 0,9 Prozent.

Doch es ist nicht davon auszugehen, dass es in allen Branchen gleich gut ausgehen wird, schreibt die KOF in ihrer Prognose: «Die tiefen Margen schränken den Raum für Lohnerhöhungen ein. Viele Betriebe dürften deshalb im aktuellen Lohnherbst versuchen, das nominale Lohnwachstum gering zu halten.» Das Prognoseinstitut rechnet für das kommende Jahr mit einer Nominalentwicklung von 0,6 Prozent. Die KOF-Prognose liegt also unter derjenigen der UBS. Auch hier sieht das Fazit gleich aus: Die Reallöhne werden sowohl 2017 und 2018 praktisch stagnieren.

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