Roaming

Trotz Druck aus EU: Mit Roaming verdienen Swisscom & Co. goldene Nase

Teures Pflaster: Wer keine Auslandsoption kauft, zahlt bei Handy-Gesprächen im Ausland zu viel.keystone

Teures Pflaster: Wer keine Auslandsoption kauft, zahlt bei Handy-Gesprächen im Ausland zu viel.keystone

In der EU dürfen Roaming-Preise bald nur noch so hoch sein wie im Inland. Dieser Druck wirkt auch langsam hierzulande. Trotzdem können Swisscom & Co. immer noch eine Marge von bis zu 60 Prozent bei Auslandgesprächen herausholen.

Das Mobilkommunikationsroaming, die grenzüberschreitende Kommunikation, bildete bis vor kurzem die letzte Domäne der Netzbetreiber, wo sie richtig zulangen konnten. Auf Druck der EU ist die Party in Europa vorbei und auch die drei Schweizer Netzbetreiber können sich nicht entziehen.

Denn sie verdienen gleich in zwei Konstellationen prächtig: einerseits, wenn ihre Schweizer Kunden im Ausland mobil telefonieren. Und andererseits, wenn ausländische Touristen in der Schweiz telefonieren. Über ihre Margen sprechen die Netzbetreiber nicht. Aus gutem Grund. Denn: «Insgesamt hat dieses Geschäft eine Marge von etwa 50 bis 60 Prozent», sagt Uwe Neumann, Analyst bei der Credit Suisse. «Wenn ausländische Touristen in der Schweiz telefonieren, erhält Swisscom die Grosshandelsgebühr von dem Netzbetreiber des Touristen im Ausland – das ist pure Marge!» Die vergangene Woche beschlossene Roaming-Preissenkung von Swisscom dürfte laut Neumann direkt auf die Marge des Netzbetreibers drücken, da der Grosshandelspreis im Ausland für das Roaming nicht gesunken ist.

Sunrise hat bereits am 14. April seine Roaming-Tarife für Sprachanrufe um 39 Prozent gesenkt: «Mit der attraktiven Roaming-Option für 10 Franken pro Monat telefonieren Sunrise-Kunden im europäischen Ausland für nur noch 30 Rappen pro Minute – was wiederum wesentlich günstiger ist als die neuen Swisscom-Preise», so ein Sunrise-Sprecher.

Am Montag zog Orange mit einem Angebot, das man «Go» nennt, nach. «Go bietet beim Roaming die gleichen Tarife an, die bei Orange als Standardtarife in der Schweiz gelten», so die Mitteilung, «Wir lassen die Konkurrenz hinter uns, indem wir die günstigsten Einheitstarife für Gespräche und SMS europa- und weltweit bieten wie auch mit Einfachheit und Transparenz dieses Angebots.»

Ein Preisvergleich von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und dschungelkompass.ch zeigt, «dass je nach Destination Swisscom oder Orange am günstigsten ist». Für Italien liegen die Vergleichspreise mit 38 Franken bei Orange und bis zu 53 Franken bei Sunrise nahe beieinander (Swisscom verrechnet 42 Franken). Ein Preisvergleich, den der Vergleichsdienst Comparis exklusiv für «Die Nordwestschweiz» für typische 3-Wochen-Ferienreisende berechnet hat, weist eine grössere Preisspanne auf. Bei zwei von drei Angeboten ist Swisscom am günstigsten (siehe Tabelle). Wer in die USA für drei Wochen Ferien reist, fährt laut Comparis ebenfalls mit Swisscom am besten: Auch Vielnutzer kommen auf 357 Franken (Orange: 615 Franken). Richtig teuer ist Sunrise mit 4384 Franken. Kleiner Trost: Nur Anbieter Cablecom ist laut Comparis in Europa mit 1215 Franken und in den USA mit 10 355 Franken noch (viel) teurer.

Ralf Beyeler von Comparis kritisiert das Eigenlob von Orange. «Das Angebot ist wenig kundenfreundlich: Die Roaming-Option erneuert sich Monat für Monat, bis Kunden sie kündigen. Für einen Ferienreisenden ist das eine schlechte Lösung.» «Der SKS fand das Angebot ganz gut», entgegnete eine Orange-Sprecherin.

Doch es gibt laut Beyeler auch beim Orange-Angebot Vorteile: Wer seine Ferien in exotischen Ländern wie auf den Fidschi-Inseln verbringt, fährt bei Orange am günstigsten.»

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