Die drei grössten Anbaugebiete Thurgau, Wallis und Waadt produzieren zusammen mehr als zwei Drittel der gesamten Apfelmenge von rund 140'000 Tonnen pro Jahr. Jeder dritte Tafelapfel und jeder zweite Mostapfel stammt aus dem Thurgau.

Im letzten Jahr war die die Ernte wegen des Frosts im April mit 95'000 Tonnen sehr mager ausgefallen. Um die Ausfälle abzufedern, mussten zeitweise sogar Äpfel in die Schweiz importiert werden.

In diesem Frühjahr gab es eine frühe Blüte, ohne Frostschäden wie 2017. "Eine frühe Blüte bedeutet meist auch eine frühe Ernte", sagte Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Das werde durch die Hitze noch verstärkt.

Äpfel wachsen nicht mehr weiter

Die lange Hitzeperiode mit Trockenheit, viel UV-Licht und Wärme blieb nicht ohne Folgen. "Die Bäume geraten unter Trockenstress", sagte Gilg. Bisher habe es einen Wachstumsvorsprung bei den Früchten gegeben, weil die Bedingungen im Frühjahr gut gewesen seien. Aber den verlieren die Obstbauern jetzt wieder.

Die Produzenten klagen über die Trockenheit, bei der die Früchte nicht mehr richtig weiterwachsen. "Wir haben deutliche kleinere Äpfel als sonst", so Gilg. Die Früchte wurden notreif und müssen geerntet werden.

Für einige Obstbauern sei es nicht einfach gewesen, kurzfristig die nötigen Arbeiter zu rekrutieren. Gilg beschäftigt acht Erntehelfer aus Rumänien und Lettland. "So gut als möglich helfen sich die benachbarten Landwirte beim Personal aus", sagte er.

Auf weitere Trockenperioden einstellen

Gilg bewirtschaftet in Fruthwilen TG einen Betrieb mit 8 Hektaren Äpfel- und 2 Hektaren Kirschbäumen. Zudem hat er einige Milchkühe und betreibt Ackerbau. Zurzeit ist er mit der Ernte der Sorte "Gala" beschäftigt. Die Qualität der Äpfel sei hervorragend, der Zuckergehalt sehr hoch, sagt der Thurgauer Obstbauer. Auch habe er weniger Spritzmittel und Mulch einsetzen müssen.

Der Aufwand, die Apfelbäume zu bewässern, sei dafür sehr gross gewesen. Nicht jeder Bauer verfüge über eine eigene Bewässerungsanlage. "Wir müssen uns in den kommenden Jahren auf weitere Trockenperioden einrichten", sagte Gilg.

Statt den Bodensee leer zu pumpen, müssten die Landwirte nach neuen Lösungen suchen, etwa das Dachwasser in Reservoirs sammeln oder ihre Bewässerungstechnik optimieren.

Weinbau: Sehr früher Jahrgang

Auch die Winzer klagen über die Trockenheit. Der Sommer 2018 habe bezüglich Niederschlagsdefizit und Trockenheit gravierendere Ausmasse angenommen als das letzte grosse Trockenheitsjahr 2003, schreibt die Fachstelle Weinbau SH/TG im aktuellen "Thurgauer Bauer". Dieses Jahr sie eher mit dem Hitzesommer 1947 vergleichbar.

Allgemein deuteten die ersten Messungen auf einen sehr frühen Jahrgang und über Erwarten hohe Zuckerwerte hin. Die Trockenheit wirkt sich auch auf den Reifeverlauf der Reben aus. Je nach Trockenheitsstress führe dieser zu deutlichen Verzögerungen oder könne zu einem faktischen Stopp bei der Zuckereinlagerung führen.

Die Kirschessigfliege, die 2014 erstmals erhebliche Schäden an Obstkulturen angerichtet hatte, macht in diesem Jahr wenig Probleme. Bisher konnten laut der Fachstelle keine Eiablagen von Kirschessigfliegen in den Reben nachgewiesen werden. Vorerst seien keine besonderen Massnahmen nötig.