«Mittlere bis ausgeprägte Trockenheit in der ganzen Schweiz!» – Das vermeldet ein nationales Forschungsprogramm, an dem auch Meteo Schweiz und das Bundesamt für Landwirtschaft beteiligt sind. Die Böden und Wälder seien bereits heute stark ausgetrocknet. In den letzten Wochen habe es an Niederschlag gefehlt, zudem hätten Wind und warme Temperaturen den Boden ausgetrocknet.

Nach Entlastung sieht es für den Juli nicht aus. Zwar ist Regen vorhergesagt für diese Woche, aber es bleibt eher bei lokalen Schauern. Viele Gebiete werden gar nichts davon haben. Und danach sollen die Temperaturen überdurchschnittlich bleiben bis zur letzten Juliwoche. In grossen Teilen der Ostschweiz werde sich der Wassermangel dadurch noch verschärfen.

Bereits klagen erste Gemüse-Bauern über bevorstehende Ernteausfälle. Ein Thurgauer Bauer beklagte gegenüber dem Schweizer Fernsehen eine «existenzielle Angst», wenn es noch ein oder zwei Monate so trocken bleibe. Auf der Online-News-Plattform «Nau» sagte der Präsident des Aargauer Bauernverbands, die Trockenheit schlage «aufs Gemüt». Es sei in den letzten Jahren öfter vorgekommen, dass die ganze Arbeit für nichts gewesen sei.

Zu weit weg vom Wasser

Noch scheint allerdings offen zu sein, wie sich die hohen Temperaturen dieses Jahr wirklich auf die Bauern auswirken. Der Schweizer Gemüseverband sieht die Branche nicht in einer kritischen Lage. «Wir können vorsichtig Entwarnung geben, derzeit zumindest noch», sagt Sprecher Markus Waber. Es seien keine Warnsignale von Bauern eingegangen. Auch eigene Abklärungen hätten keine Anzeichen für einen Notstand ergeben.

Existenzielle Ängste einerseits, andererseits Entwarnung: Der Gegensatz dürfte sich damit erklären lassen, dass die Möglichkeiten zur Bewässerung unterschiedlich sind. Die Bauern, die in den Medien ihre Existenzängste beklagten, beschrieben ihre Schwierigkeiten mit der Beschaffung von zusätzlichem Wasser. Meist schlicht deshalb, weil ihr Hof zu weit entfernt lag von einer zugänglichen Wasserquelle.

Wasser mit Armeehelikoptern

«Betriebe mit modernen Bewässerungsanlagen haben keine Probleme, sie rechnen auch nicht mit Ernteausfällen», sagt Waber vom Gemüseverband. Erst wenn die Trockenheit tatsächlich anhalten würde, könne es zu einer Knappheit an Wasser kommen. Auch dann würden jedoch viele Bauern zu einem vernünftigen Preis einen Zugang zu öffentlichen Wasserquellen haben. «Solange ein Bauer bewässern kann, wird er auch keine Mühe bekommen.» Insgesamt ist Trockenheit jedoch tatsächlich ein Problem für die Schweizer Landwirtschaft – und dürfte es in den nächsten Jahren noch vermehrt sein. Gemäss einem Synthese-Bericht des Bundesamts für Umwelt werden: «Heisse und trockene Sommer in Zukunft häufiger werden und zunehmende Verluste verursachen». Bereits seit 2003 sei es regional öfter vorgekommen, dass das Wasser vorübergehend knapp wurde.

Im Hitzesommer 2003 brachen auch die Ernteerträge ein. Im Durchschnitt gingen etwa 20 Prozent verloren im Vergleich zu einem durchschnittlichen Jahr. Der wirtschaftliche Verlust belief sich damals auf 500 Millionen Franken. 2015 kam auf hohe Temperaturen im Juli und im August ein regenarmer Herbst. In der Folge verendeten im Widenbach AG zahlreiche Fische. Bei Kartoffeln und Mais gab es grosse Ernteverluste. Im Jura und in den Freiburger Voralpen musste Wasser für die Kühe mithilfe von Armeehelikoptern transportiert werden.