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Trivago in Australien verurteilt - auch andere Hotelportale wegen Täuschung unter Verdacht

Möglichst günstige Traumferien buchen? Auf Buchungsportalen werden Konsumenten oft angebliche Discount-Angebote vorgegaukelt. (Bild: Getty Images)

Möglichst günstige Traumferien buchen? Auf Buchungsportalen werden Konsumenten oft angebliche Discount-Angebote vorgegaukelt. (Bild: Getty Images)

Trivago platzierte jene Anbieter besser, welche die höchsten Provisionen zahlten. Es ist ein Fall mit Signalwirkung.

Das australische Bundesgericht hat den weltweit operierenden deutschen Hotel-Suchmaschinenbetreiber Trivago für schuldig befunden, die Konsumenten systematisch über das angeblich beste Preis-Angebot getäuscht zu haben.

Zwischen 2013 und 2018 hatte Trivago in Australien mit mehr als 400'000 TV-Spots die eigene Suchmaschine als «unparteiischen und objektiven Preisvergleichsdienst» beworben. Die Kampagne wurde eingestellt, nachdem eine Untersuchung der australischen Wettbewerbsbehörde unlautere Verkaufspraktiken festgestellt hatte und eine richterliche Beurteilung erzwang.

Das Gericht unterstützte die Position der Behörde und gelangte am vergangenen Montag zum Urteil, dass Trivago in der Selektion der Angebote jenen Anbietern den Vorzug geben habe, welche die höchsten Vermittlungsprovisionen an Trivago zahlten. Auf der Webseite habe es keinerlei Hinweise über die Einseitigkeit des Angebotes geben, stellten die Richter fest.

Australien verlangt Busse in Milliardenhöhe

Trivago ist eine sogenannte Meta-Suchmaschine. Sie vergleicht Hotelpreise von über 400 Online-Buchungsseiten für über 1,8 Millionen Hotels in mehr als 190 Ländern. Zu den von Trivago abgesuchten Buchungsseiten gehören sämtliche grossen Hotelportale, darunter auch Expedia, die 60 Prozent aller Trivago-Aktien besitzt.

Rod Sims, Leiter der australischen Wettbewerbsbehörde, bezeichnete das Verhalten von Trivago als «ungeheuerlich». Er will, dass das Gericht eine Busse in der Höhe von «Millionen von Dollars» ausspricht. Die Strafe solle eine abschreckende Wirkung auf Trivago und andere Anbieter haben. Das Vorgehen der Australier hat weltweit Signalwirkung.

Im Februar des vergangenen Jahres war Trivago zusammen mit Expedia, Booking.com, Ho-tels.com und Agoda auch von der britischen Wettbewerbsbehörde zur Einstellung unlauterer Verkaufspraktiken aufgefordert worden. Auch die Briten monierten fehlende Transparenz über die einseitigen Kriterien der Angebotsselektion.

Konsumentenschutz stellt alle Portale unter Verdacht

Darüber hinaus beanstandete die Behörde, die Hotelplattformen hätten die Kunden mit irreführenden Angaben über die Hotelbelegung zu schnelleren Abschlüssen gedrängt. Mit intransparenten Vergleichsmethoden hätten die Plattformen ihren Kunden zudem Discount-Angebote vorgegaukelt und auch keine genügende Transparenz über verdeckte Kosten hergestellt. Die Anbieter erhielten bis zum 1. September 2019 Zeit, ihre Angebote entsprechend anzupassen.

Seither zeigen diese auf ihren Webseiten entsprechende Hinweise. So steht nun auch auf der Schweizer Webseite von Trivago ganz unten unter der Rubrik «so funktioniert Trivago» der Vermerk zum Selektionsprozess: «Ausserdem berücksichtigen wir die Höhe der Vergütung, die Buchungsseiten an uns zahlen, wenn ein User bei uns auf ihr Angebot klickt.»

Auch vom günstigsten Angebot ist keine Rede mehr. Stattdessen liest man an der genannten Stelle: «Unser Ziel ist es, Dir die Informationen und Tools bereitzustellen, mit denen Du Dein ideales Hotel findest – und das wird schliesslich nicht allein durch den Preis bestimmt.»

© CH Media

Inwieweit auch andere Buchungsplattformen in der Schweiz die Transparenz ihrer Angebote verbessert haben, ist nicht bekannt. «Da Untersuchungen zu einem möglichen Fehlverhalten international tätiger Vergleichsdienste sehr zeitaufwändig sind, muss sich unsere kleine Organisation hauptsächlich auf Schweizer Anbieter beschränken», schreibt Sara Stalder von der Stiftung für Konsumentenschutz auf Anfrage.

Unter Verweis auf einschlägige Erfahrungen betont sie aber: «Im Prinzip stehen alle Vergleichsplattformen, die Fees von den Anbietern, welche sie vergleichen, erhalten, unter Generalverdacht.» Stalder empfiehlt, die Zimmerpreise nach Möglichkeit telefonisch bei den Hotels nachzufragen.

Gemäss einer Umfrage der Walliser «Hochschule für Wirtschaft und Tourismus» aus dem vergangenen Jahr wurden 2018 in der Schweiz 58 Prozent der Zimmer direkt gebucht. Die Buchungsplattformen erreichten einen Anteil von 31 Prozent. Vor zehn Jahren lagen die Anteile noch bei 75 Prozent beziehungsweise 8 Prozent.

Hoteliers beklagen sich über Knebelverträge

«Es ist ein Fakt, dass Suchmaschinenrankings auf den Buchungsplattformen mit erhöhten Provisionen seitens der Hotelbetriebe gekauft werden können», sagt Patric Schönberg vom Verband Hotellerie Suisse. Umso wichtiger sei die Transparenz und die klare Kommunikation gegenüber den Konsumenten. Beschwerden über Trivago seien bei Hotellerie Suisse keine eingegangen.

Ebenso wenig beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), das Verletzungen des Bundesgesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) einklagen kann, wenn dies zum Schutz des öffentlichen Interesses als nötig erachtet wird.

Trotzdem sorgen die Plattformen auch in der Schweiz für Ärger. Zentraler Streitpunkt der Hoteliers sind die engen Paritätsklauseln, mit denen die Plattformen den Hotels untersagen, ihre Zimmer über andere Verkaufskanäle günstiger anzubieten.

Der Verband wünscht sich ein Verbot solcher Knebelverträge und erwartet einen entsprechenden Gesetzesvorschlag des Bundesrates, der einer von beiden Räten angenommenen Motion des Solothurner Ständerates Pirmin Bischof (CVP) Rechnung trägt. Buchungsplattformen seien eine «nicht mehr wegzudenkende» Realität im Tourismus-Geschäft. «Wir setzen deshalb immer zuerst auf Dialog und nicht auf Konfrontation.»

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Autor

Daniel Zulauf

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