Unverbesserliche Optimisten gewinnen sogar einem negativen Schritt wie der am Freitagabend verkündeten Herabstufung von neun Eurostaaten durch die Ratingagentur Standard&Poor’s Positives ab. Sie weisen darauf hin, dass es noch schlimmer hätte kommen können. Denn am 5. Dezember hatte die US-Agentur gewarnt, sie bereite eine Herabstufung von bis zu 15 Ländern binnen dreier Monate vor.

Dass es nun sechs Länder weniger getroffen hat, sollte jedoch nicht allzu stark bejubelt werden. Denn in den nächsten Monaten droht Standard& Poor’s etlichen Ländern mit einer (erneuten oder erstmaligen) Herabstufung. Die Ratingagentur bedachte am Freitag 15 der 17 Euro-Länder mit einem negativen Ausblick (siehe Kasten). Sie sind somit in Gefahr, ihre Bonitätsnoten zu verlieren, wenn sie ihren Finanzhaushalt nicht sanieren. Das kann zur Folge haben, dass der Schuldendienst für die betroffenen Länder teurer wird, womit der Spardruck noch grösser wird.

Finanzhaushalt sanieren

In Gefahr ist auch die Topnote AAA von Finnland, Luxemburg und den Niederlanden. Der Chefökonom der deutschen Commerzbank, Jörg Krämer, kommt deshalb zu einem betrüblichen Schluss: «Triple-A ist eine aussterbende Spezies.» Nur Deutschland und die Slowakei finden sich nicht auf der Liste der Abstiegskandidaten von Standard&Poor’s.

Die zwei anderen grossen US-Ratingagenturen Moody’s und Fitch drohen ebenfalls mit Herabstufungen. Sie haben je sieben Euro-Länder mit einem negativen Ausblick versehen. Davon betroffen sind aber auch Staaten ausserhalb der Eurozone, darunter Island, Japan, Kroatien, Polen, Ungarn und die USA.

Die kleine Zürcher Kreditanalyse-Firma Independent Credit View (ICV) bekommt damit immer mehr recht. Sie hatte schon 2009 gemahnt, die offiziellen Ratings seien wegen der hohen Staatsverschuldung in Europa und den USA nicht mehr gerechtfertigt. In einer kürzlich veröffentlichten Studie sagte sie voraus, dass der Kreis an offiziell eingestuften AAA-Staaten im Jahr 2012 kleiner wird. Nur noch Norwegen, Singapur, Schweden, die Schweiz und Deutschland verdienten die Bestnote («Der Sonntag» vom 1. Januar).

China und Hongkong vorne

Zu einem ähnlichen Schluss kommt die chinesische Ratingagentur Dagong. Sie gibt nur noch Australien, Finnland, Luxemburg, Norwegen, Singapur und der Schweiz die Bestnote – und natürlich China und Hongkong.

Ein grosses Fragezeichen hat Standard&Poor’s am Freitag offengelassen. Und zwar, ob auch der Euro-Rettungsfonds ESFS sein AAA verliert, wie im Dezember angedroht. Damit würde es teurer, das für die Rettung der überschuldeten Eurostaaten benötigte Geld zu beschaffen.

Gestern wurde nun Beunruhigendes bekannt: Nach der Herabstufung von Frankreich und Österreich muss wohl Deutschland seine Garantie für den ESFS erhöhen, wenn dieser die Topnote behalten soll. Das sagte John Chambers, der Vorsitzende des Länderrating-Komitees von Standard&Poor’s, der Presseagentur Reuters. Zuvor hatte bereits der deutsche FDP-Finanzexperte Frank Schäffler gesagt, nach dem Schritt der Ratingagentur werde der deutsche Garantierahmen von 211 Milliarden Euro nicht mehr ausreichen. Das wiederum werde auf Dauer auch das deutsche Rating belasten.