Travail.Suisse lanciert die Lohnrunde 2012 in einem Moment, in dem das ganze Land vom starken Franken spricht. Diesem Umstand will der Arbeitnehmerverband Rechnung tragen: "Wir schauen die Situation jeder Branche und jeder Firma genau an", sagte Susanne Blank, Leiterin Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, am Mittwoch vor den Medien in Bern.

Etwa das Baugewerbe oder der Dienstleistungssektor seien von der Euro-Krise nicht oder nur geringfügig betroffen, sagte Syna-Vizepräsident Arno Kerst. In diesen Branchen fordert die Gewerkschaft Syna zwei bis drei Prozent höhere Löhne. Für die exportorientierte Industrie will Syna im Durchschnitt zwei Prozent höhere Saläre verlangen.

Kerst schätzt, dass rund die Hälfte der Schweizer Unternehmen Probleme mit dem starken Franken bekunden. "Heute sprechen gewisse Firmen allerdings schon von Problemen, während sie noch Gewinne schreiben", hielt er fest. Um die Forderungen den "sehr unterschiedlichen Situationen" der Firmen anzupassen, würden auch die Halbjahresergebnisse angeschaut.

Leistungen der Angestellten würdigen

Bei all den Schlagzeilen über den starken Franken dürften die Leistungen der Arbeitnehmenden nicht vergessen gehen, mahnt Travail.Suisse. "Die Industrie kann sich auch dank dem Einsatz und der Flexibilität der Angestellten so gut halten", sagte Syna-Vizepräsident Kerst. Er erinnerte weiter daran, "dass 2010 punkto Lohnerhöhung vielerorts Nullrunden gefahren wurden".

Für die Branchen des Service Public fordert der zuständige Personalverband transfair zwischen 1,5 und 2,5 Prozent mehr Lohn. Im Gastgewerbe kündigte der Verband Hotel & Gastro Union "die seit einiger Zeit anstehenden" Lohnerhöhungen von 4 bis 7 Prozent an. Diese seien bereits ausgehandelt.

Arbeitgeber: Unsichere Lage

Eine andere Meinung hat der Arbeitgeberverband: "Die Aussichten für das kommende Jahr sind von ausserordentlich grossen Unsicherheiten geprägt", sagte Jürg Zellweger, Geschäftsleitungsmitglied des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Auch die Nationalbank begründete am Mittwoch ihre Massnahmen gegen den starken Franken mit "deutlich verschlechterten Aussichten für die Schweizer Wirtschaft".