Hypothekarzinse

Traum vom Haus nicht ausgeträumt

Der Wohnungs- und Hausbau bleibt auch 2009 rege

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Der Wohnungs- und Hausbau bleibt auch 2009 rege

Die Hypothekarzinsen bei den regionalen Banken liegen auf Tiefstniveau. Trotz grosser Verunsicherung durch die Wirtschaftskrise bleibt deshalb das Wohneigentum gefragt.

Von Franz Schaible

«Wir spüren nichts von einer krisenbedingten Zurückhaltung bei der Nachfrage nach Wohneigentum», sagt Myriam Merkle, Inhaberin der Balsthaler My Immobilien AG und Präsidentin der Solothurner Sektion des Schweizerischen Verbandes der Immobilienwirtschaft (Svit). Es gebe zu wenige Objekte für die grosse Nachfrage. «Das Eigenheim ist und bleibt für viele der grösste Wunsch.»

Dasselbe beobachtet Gerhard Roth, Geschäftsführer und Inhaber der Immowengi AG in Solothurn. Freistehende Einfamilienhäuser bis zu einem Preis von einer halben Million Franken seien sehr gesucht. Schwieriger zu verkaufen seien Objekte im preislichen Mittelsegment, das heisst zwischen 500 000 und 1 Million Franken. «Das Angebot ist gross und vom Preis her kann es sich lohnen, ein neues Haus zu bauen statt ein bestehendes zu kaufen.»

Auch im Oberaargau sind freistehende Einfamilienhäuser sehr gefragt, wie Anton Mulser, Mitinhaber des Immobilienmaklers Remax Oberaargau erläutert. Die Region profitiere davon, dass das Preisniveau deutlich tiefer sei als in der Region Bern. «Interessierte, die sich im Raum Bern kein Wohneigentum leisten können, weichen in den Oberaargau aus.» Die Pendlerdistanz nach Bern sei heute kein Problem mehr. Das Interesse an Eigentumswohnungen sei im Gegensatz dazu abnehmend.

Dies bestätigt auch Michael Frieder, Leiter Bewirtschaftung bei der Studer Immobilien Treuhand AG in Lostorf. «Insbesondere bestehende Eigentumswohnungen sind kaum gefragt. Grund ist, dass die Preisdifferenz zu neuem Stockwerkeigentum zu klein ist.» In den vergangenen Jahren seien sehr viele Eigentumswohnungen gebaut worden, ergänzt Gerhard Roth für die Grossregion Solothurn. «Langsam ist der Markt gesättigt.»

Offensichtlich ist der Markt für Wohnimmobilien noch resis-tent gegen die rezessive Wirtschaftslage. Dies bestätigt eine Umfrage unter Banken in der Region. Die Berner Kantonalbank (BEKB) wies 2008 ein Wachstum des Wohnbauhypothekenbestandes von 4,5 Prozent aus. «Dieser Trend hat in den ersten Monaten 2009 angehalten», erklärt BEKB-Sprecher Hanspeter Merz. Dieselbe Meldung kommt aus Solothurn: «Die Nachfrage nach Hypotheken für den Wohnungsbau ist unverändert hoch», erklärt Reto Ammann, Mitglied der Geschäftsleitung der Regiobank. «Solange Wohneigentum günstiger zu stehen kommt als das Wohnen zur Miete, wird die Nachfrage hoch bleiben.»

Ebenso von einer «guten Zunahme der Hypothekenausleihungen» kann Paul Schneider, stellvertretender Direktor der Bank Huttwil, berichten. Der Einfluss der wirtschaftlich bedingten Verunsicherung sei in «seiner» ländlichen Region weniger stark als in den Grossagglomerationen. Dasselbe beobachtet Dominik Feier, Kundenberater bei der Spar- und Leihkasse Bucheggberg in Lüterswil. «Insbesondere für Umbauten und Renovationen sind Hypotheken gefragt.»

Weniger euphorisch tönt es bei der Spar- und Leihkasse Wynigen. «Die Kunden überlegen es sich in diesen schwierigen Zeiten zweimal, ob sie in Wohneigentum investieren wollen oder nicht», sagt Bankleiterin Margrit Friedli. Auch bei den Landwirten, eine starke Kundengruppe, sei eine gewisse Zurückhaltung zu spüren. Nur schon die Verunsicherung über die künftigen Milchpreise beeinflusse den Investitionswillen. Eine Stagnation ortet zudem Alfred Burkhard, Leiter der Bank im Thal in Balsthal. «In unserem Einzugsgebiet gibt es im Gegensatz zu Grossagglomerationen weder Boom- noch Baissephasen.»

Hauptgrund für die insgesamt doch gute Nachfrage ist das Zinsniveau für Hypothekarkredite. Hanspeter Merz von der BEKB spricht von «einem historischen Zinstief» (siehe Tabelle und Artikel unten). Damit ist auch zu erklären, warum noch im vergangenen Dezember die Einschätzung vorherrschte, dass die Furcht vor einer Rezession und Jobverlust den Wunsch nach Wohneigentum «besiege». Inzwischen sind die Zinsen nochmals gesunken. «Die tiefen Zinsen wirken als Gegengewicht zur Verunsicherung», interpretiert Immobilien-Experte Gerhard Roth.

Das gilt aber nicht generell. «Im Bereich Geschäftsliegenschaften hinterlässt die Verunsicherung über die Wirtschaftslage Spuren. Die Anfragen für Geschäftsobjekte sind rückläufig», erklärt etwa Remax-Makler Anton Mulser. Eine interessante Beobachtung macht zudem Michael Frieder von der Lostorfer Studer Immobilien AG bei seiner Tätigkeit als Immobilienbewirtschafter: «Wir haben seit Beginn der Krise sehr wenige Mieterwechsel. Die Fluktuation in den von uns rund 1300 verwalteten Mietwohnungen in der Grossregion Olten ist sehr tief.»

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