Transocean

Transocean: Über 270 hängige Klagen in Amerika

Im Zuger Hauptquartier von Transocean dürften die Rechtsanwälte momentan die gefragtesten Mitarbeiter sein. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Im Zuger Hauptquartier von Transocean dürften die Rechtsanwälte momentan die gefragtesten Mitarbeiter sein. (KEYSTONE/Sigi Tischler)

Die Ölpest vor der Küste Amerikas hat hunderte Klagen gegen Transocean zur Folge. Das Zuger Unternehmen muss auch noch damit rechnen, von seinem Geschäftspartner BP verklagt zu werden.

Gegen die Zuger Firma Transocean und ihre US-Tochterfirmen sind in den USA mindestens 272 Klagen hängig, die meisten stehen im Zusammenhang mit der Ölpest im Golf von Mexiko.

Das zeigt eine Auswertung der aktuellsten Daten der amerikanischen Bundesgerichte durch die «az Aargauer Zeitung». Die meisten Klagen betreffen Umweltschäden zu Land und Wasser sowie Körperverletzung.

Am 20. April explodierte die Bohrinsel «Deepwater Horizon», welche die Zuger Firma Transocean im Auftrag von BP betrieb. Elf Menschen kamen dabei ums Leben, die USA erlebte die grösste Ölkatastrophe ihrer Geschichte.

Auch Klage wegen Organisiertem Verbrechen

In einem Fall haben Anwälte auch eine Klage unter dem RICO Act eingereicht. Der Rico Act ist ein mächtiges rechtliches Hilfsmittel zur Bekämpfung von kriminellen Aktivitäten und Kriminellen Vereinigungen des Organisierten Verbrechens. Das US-Justizministerium prüft zur Zeit, ob der RICO Act in diesem Fall zur Anwendung kommen kann.

Gewinn hat sich fast halbiert

Das Golf-Desaster schlug sich auch im neusten Quartalsergebnis der Firma nieder. So weist Transocean für dieses Quartal einen Gewinn von 368 Millionen Dollar aus. Im Vergleich zum Vorjahr mit 710 Millionen Dollar Gewinn fast eine Halbierung. Die Firma kann die finanziellen Konsequenzen der Ölkatastrophe noch nicht abschätzen. Transocean rechnet mit Verpflichtungen von 116 Millionen Dollar.

Trotzt immer mehr Bohrinseln Kontrollen verringert

In den letzten zehn Jahren verminderten sich unangemeldete Sicherheitskontrollen auf Offshore-Bohrinseln im Golf von Mexiko auf drei pro Jahr, obwohl die Offshore-Bohrungen in jener Zeit massiv zunahmen.

Seit 2004 machten die zuständigen Bundesbehörden zudem nicht eine einzige unangemeldete Kontrolle auf den über 50 zusätzlichen Naturgas- und Ölproduktionsplattformen im Golf, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Dies zeigen Recherchen des «Wall Street Journal».

2000 war etwa eine von neun Inspektionen unangemeldet, 2009 waren es noch eine pro 80 Kontrollen. Während der gleichen Zeit aber stieg die Anzahl Bohrinseln von 256 auf 602.

Transocean wurde von allen am wenigsten überprüft

Die letzte unangemeldete Inspektion erfolgte im Oktober 2006 - ob weitere Überprüfungen die Katastrophe hätten verhindern können, ist ungewiss. 2009 befanden sich Inspektoren 62 Stunden bei angemeldeten Besuchen auf «Deepwater Horizon».

Klar aber ist, dass zwischen 2000 und 2010 bei Transocean weniger als 1 Prozent der Kontrollen unangemeldet waren. Das ist der kleinste Wert der grossen Bohrinseln-Betreiber.

Halliburton lieferte BP zudem unreinen Zement, veröffentlichte die «Oil Spill Commission» Ende Oktober. Damit wurde BP nicht aus der Verantwortung entlassen, aber es zeigte, dass der Ölmulti nicht alleine Schuld am Desaster war.

Mitarbeiter von Halliburton, Transocean und BP wussten vom mangelhaften Zement, unternahmen aber keine Massnahmen, berichtete die Kommission weiter.

Aufgrund der neusten Befunde der unabhängigen staatlichen «Oil Spill Commission» muss Transocean auch damit rechnen, von BP verklagt zu werden.

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