Transocean ist bald in vielen Portfolios

Oil cleanup workers work with oil retention booms on the beach in Gulf Shores, Ala., Saturday, June 5, 2010. Oil from the Deepwater Horizon disaster has started washing ashore on the Alabama and Florida coast beaches. (AP Photo/Dave Martin)

Transocean ist bald in vielen Portfolios

Oil cleanup workers work with oil retention booms on the beach in Gulf Shores, Ala., Saturday, June 5, 2010. Oil from the Deepwater Horizon disaster has started washing ashore on the Alabama and Florida coast beaches. (AP Photo/Dave Martin)

Transocean wird schon bald im Schweizer Börsen-Leitindex (SMI) gehandelt. Moralisch mag das zwar unschön sein – für die Börse und die Anleger spielt es indes kaum eine Rolle.

Sabina Sturzenegger

Transocean ist im Moment keine Firma, in die man investieren möchte: Der Konzern mit Sitz in Zug war im Besitz der Bohrinsel von BP, die vor bald sieben Wochen im Golf von Mexiko explodiert und untergegangen ist.

Wegen der Mitschuld an einer der grössten Umweltkatastrophen drohen Transocean in den USA über 130 Klagen, darunter eine von der Regierung Obama. Seit Beginn der Katastrophe hat das Unternehmen mehr als 40 Prozent an Wert verloren.

Dennoch werden viele Schweizer Anleger indirekt bald im Besitz von Transocean-Aktien sein: Der Ölbohrer gehört bald zu den wichtigsten 20 Unternehmen und löst am 21. Juni die Swiss Life im Swiss Market Index (SMI) ab.

Laut «NZZ am Sonntag» sind viele Pensionskassen davon betroffen, weil sich die Zusammensetzung SMI-basierter Anlagen ändern wird. Die Pensionskassen müssen dadurch indirekt auch Transocean-Aktien kaufen, weil ihre Aktien indexiert sind, sich also vollständig an der Struktur des SMI und dessen Titeln orientieren.

Es ändert sich nicht viel

Betroffen davon sind zum Beispiel die Publica, das Vorsorgewerk des Bundes, mit mehr als 32 Milliarden Franken eine der grössten Pensionskassen der Schweiz. Auch die Vorsorge-Einrichtung der SBB sowie die Personalvorsorge des Kantons Zürich bestätigten, dass sie voll indexiert sind und mit dem Eintritt von Transocean in den SMI umschichten müssen.

Doch was bedeutet es, wenn eine Pensionskasse umschichten muss? Experte Werner C. Hug: «Für die passiven Anleger, zu denen die meisten Pensionskassen gehören, ändert sich nicht viel.»

Es spiele keine Rolle, ob einePensionskasse in ihrem Portfolio Swiss-Life-Aktien oder Aktien von Transocean habe. Hug schätzt die Volatilität von Transocean nicht höher ein als die von Swiss Life.

«Transocean haben im SMI einen verhältnismässig geringen Einfluss – ähnlich wie es Swiss Life hatte.» Auch die Aktie von Swiss Life habe in letzter Zeit stark geschwankt. «Den Unterschied in ihren Portfolios werden die wenigsten spüren.»

Keine «Swissness» an der Börse

Jetzt lässt sich nur noch darüber streiten, ob ein Konzern wie Transocean, der lediglich aus Steuergründen in Zug domiziliert ist, in den schweizerischen Marktindex passt. Die Kriterien sind klar: Grösse und Handelsumsatz eines Unternehmens entscheiden.

Und da hat Transocean im Moment trotz Riesenverlusten die besseren Karten als Swiss Life. «Es geht nicht darum, wie schweizerisch eine Gesellschaft ist», sagte Christian Katz, CEO der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, gegenüber der «Finanz und Wirtschaft».

Die Regeln der SIX dürften durch einen «wenn auch tragischen Geschäftsvorfall» wie die Ölkatastrophe nicht umgestossen werden.

Schon Anfang Juli könnte es die nächste Rochade geben, wenn die SIX erneut prüft, ob Transocean den Platz im SMI verdient hat. Katz schliesst nicht aus, dass die Ölbohrfirma wieder aus dem Index kippen könnte, fügt aber an, dass es «nach jetzigem Wissensstand» nicht danach aussehe.

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