Reinach

Thomy muss bald neue Tuben finden - Hersteller steht kurz vor dem Aus

Thomy bezieht seine Tuben bisher von der Firma H. Obrist & Co. AG aus Reinach

Thomy bezieht seine Tuben bisher von der Firma H. Obrist & Co. AG aus Reinach

Alu-Tuben der Firma H. Obrist & Co. AG aus Reinach BL werden für Thomy-Senf und Mayonnaise verwendet. Möglicherweise ist damit aber schon bald Schluss: Wegen des hohen Frankens ist der Tubenproduzent in Finanznot.

Schock für Reinach: Die Tubenfabrik H. Obrist & Co. AG steht wegen des starken Geldabfluss möglicherweise vor dem Aus. In Reinach sind gemäss einer Firmenmitteilung 149 Stellen in Gefahr, in Bischofszell TG 64.

Ein Restrukturierungsteam prüfe derzeit «kurzfristig umsetzbare Rettungsszenarien», sagt CEO Richard Jauslin gegenüber der bz. Es seien verschiedene Optionen möglich: gesamter oder teilweiser Verkauf der Betriebe, Ganz- oder Teilschliessung. Denkbar sei allenfalls, dass sich Konkurrenten oder Kunden für die Betriebe interessierten. Man warte jetzt auf Reaktionen. Die vollständige Schliessung sei aber «ein sehr wahrscheinliches Szenario», schreibt die seit 60 Jahren bestehenden Firma in einer am Mittwoch verbreiteten Mitteilung.

Im Vordergrund stehe eine «geordnete Liquidation innerhalb der nächsten Monate» und kein Konkurs- oder Nachlassverfahren. Die Firma produziert beispielsweise die bekannten Aluminiumtuben für Thomy-Senf und -Mayonnaise, liefert aber auch an die Pharma- und Kosmetikbranche sowie Kartuschen für die Industrie.

Die Tubenindustrie in Europa sei durch Überkapazitäten, einen Verdrängungsmarkt sowie einen grossen Wettbewerbsdruck geprägt. Die Obrist und ihre Tochtergesellschaft tubi.ch AG in Bischofszell leiden insbesondere unter dem starken Schweizer Franken. Die Margenerosion konnte 2013 nicht gestoppt werden; dies führte zu einem unerwartet grossen und bedrohlichen Mittelabfluss.

Die Auslandabhängigkeit der beiden Unternehmen sei sehr gross. Vorteile auf der Beschaffungsseite wurden durch den massiven Preisdruck der Kunden eliminiert. Mit ihren Produktionsstätten in der Schweiz konnten die Firmen diese Wettbewerbsnachteile trotz ihres grossen Know-hows und ihrer langjährigen Erfahrung nicht mehr kompensieren.

Doch das ist nicht alles. Die Akquisition der Bischofszeller Tubenfabrik tubi.ch AG hat sich nicht ausbezahlt. «Die erhofften Synergieeffekte blieben aus», schreibt die Firma weiter. Um Effizienz und Produktivität zu erhöhen, seien die beiden Betriebe Anfang 2013 umfassend reorganisiert worden. Bereits zum Jahresbeginn wurden in Reinach 25 Stellen abgebaut. Doch auch diese Massnahmen reichten nicht um auf Erfolgskurs zu kommen.

Für den Fall einer Schliessung erarbeiten beide Firmen zusammen mit den betreffenden Vorsorgewerken ein Massnahmenpaket zur Vermeidung von Härtefällen. Die Löhne der Mitarbeitenden während der Kündigungsfrist seien auch in diesem Szenario sichergestellt, ebenso Pensionskassenguthaben der Mitarbeitenden und Renten. Die Mehrheit der angestellten seien Mechaniker.

Das arbeitsrechtliche Konsultationsverfahren wurde am Mittwoch eingeleitet und dauert bis 28. August. Das Kantonale Amt für Industrie-, Gewerbe- und Arbeit (Kiga) werde im «worst case»-Szenario ab Ende August 2013 mit einem Beratungsteam vor Ort sein, schreibt das Kiga. Mit der Geschäftsleitung und der Personalverantwortlichen konnten erste Gespräche geführt werden.

«Für mich als Verwaltungsratspräsident und Besitzer sind die Schwierigkeiten der H. Obrist & Co. AG und der tubi.ch AG sehr schmerzlich», sagt Verwaltungsratspräsident Albert Obrist gegenüber der bz. «Ich habe mich immer mit grossem Engagement für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für den Werkplatz Schweiz eingesetzt. Umso mehr macht mir die jetzige Situation dieser beiden Unternehmen persönlich sehr zu schaffen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1