Credit Suisse
Thiam sagt Adieu zur alten CS – das sind die wichtigsten Änderungen

Der neue Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, erneuert die Konzernleitung, regionalisiert die Grossbank und bringt das Schweizer Geschäft an die Börse.

Roman Seiler
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Am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr am Zürcher Hauptsitz CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner präsentieren Medienvertretern den Umbau der Credit Suisse.

Am Mittwochmorgen um 7.30 Uhr am Zürcher Hauptsitz CEO Tidjane Thiam und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner präsentieren Medienvertretern den Umbau der Credit Suisse.

Keystone

Der Börse hat das Menü nicht geschmeckt: Nach hektischem Auf und Ab verlor die Aktie gestern der Credit Suisse (CS) 3,6 Prozent. Als der Präsident des Verwaltungsrats (VR), Urs Rohner, im Frühjahr bekannt gegeben hatte, CEO Brady Dougan zu verabschieden und den Versicherungsmanager Tidjane Thiam zum Nachfolger zu küren, stieg der Kurs um satte acht Prozent.

Den Antrittsbonus ist also weg. Der Umbau der Credit Suisse (CS) wird für den gebürtigen Ivorer kein Spaziergang. Erwartungsgemäss verabschiedet sich er sich von der alten CS. Sie soll neu – wie die UBS – ein führender Vermögensverwalter mit Investmentbank-Kapazitäten sein. Das globale Geschäft mit dem Wertschriftenhandel und der Beratung und Finanzierung von Firmenfusionen und -übernahmen wird eingedampft. Das sind die gewichtigsten Änderungen, die Thiam gestern präsentiert hat:

1. Die Schweizer Überraschung

20 bis 30 Prozent der Credit Suisse (Schweiz) AG kommt voraussichtlich Ende 2017 an die Börse. Das soll das Eigenkapital der Grossbank um zwei bis vier Milliarden Franken stärken. Die Einheit verwaltet die Vermögen von in der Schweiz lebenden Reichen sowie das hiesige, ertragsreiche Retailgeschäft mit Privat- und Firmenkunden. Dazu zählt auch die Neue Aargauer Bank (NAB). Die inländische Universalbank erwirtschaftete 2014 rund einen Viertel des Vorsteuergewinns der Grossbank. Thiam setzt der Einheit ein sehr ehrgeiziges Ziel, wie ein Beobachter kommentieren: Der Vorsteuergewinn soll bis 2018 von 1,6 auf 2,3 Milliarden gesteigert werden. Möglich machen soll dies unter anderem ein Abbau von 1600 Stellen. Das sind fast zehn Prozent der 17 000 Mitarbeiter in der Schweiz.

2. Der neue Schweiz-Chef

3. Die Kapitalerhöhung

 Aufsteiger Schweiz-Chef Thomas Gottstein

Aufsteiger Schweiz-Chef Thomas Gottstein

Keystone

Starker Neugeldzufluss

Die Credit Suisse (CS) erzielte auch im dritten Quartal einen Gewinn von 779 Millionen Franken. Im Vorjahresquartal belief sich der Gewinn auf eine Milliarde. Sowohl im Vermögensverwaltungsgeschäft wie auch im Investmentbanking seien die Ergebnisse durch geringe Kundenaktivitäten und ungünstige Marktbedingungen beeinträchtigt gewesen, schrieb die CS in der Mitteilung vom gestern. Die Netto-Neugeldzuflüsse bezeichnet die Bank mit 16,4 Mrd. Franken als stark. (SDA)

4. Abschied vom alten Geschäftsmodell

5. Die Sparübung

Der Umbau ist in erster Linie eine gewaltige Sparübung. Um 3,5 Milliarden Franken sollen die Kosten sinken. Neben dem Stellenabbau in der Schweiz restrukturiert Thiam den Investmentbanking-Standort London. 1800 Stellen sollen in Länder mit tieferen Löhnen verlagert werden. Obendrein führt der Umbau offenbar zu einem Abschreiber auf den Aktiven der Investmentbank.

Der Umbau: Was heisst das für mich als ...

• ... Kunde: Für die Kunden in der Schweiz ändert sich durch die Kapitalerhöhungen und die Sparmassnahmen nichts. Auch der teilweise Börsengang der Schweizer Einheit der Credit Suisse sollte ohne Auswirkungen für die Kunden sein. In den USA werden vermögende Kunden ihre Bankverbindung ändern müssen.

• ... Aktionär: Die CS-Aktionäre befürchten eine Verwässerung durch die Kapitalerhöhung. Ausgleichend sollte sich der teilweise Börsengang der Schweiz-Einheit auswirken. Noch glauben nicht alle Analysten an die Wertsteigerung.

• ... Mitarbeiter: Für 10 Prozent der CS-Mitarbeiter in der Schweiz stellt sich die Frage, ob sie von den Sparmassnahmen betroffen sind. Thiam sagt, das soll mittels nicht ersetzter Abgänge in den nächsten drei Jahren umgesetzt werden. Es wird möglicherweise auch zu Entlassungen kommen. Besonders gefährdet sind wohl ältere Vermögensberater. Die Abspaltung selber wird kaum Auswirkungen haben. (sei)

6. Vier Top-Shots müssen gehen

Nicht nur Hans-Ueli Meister fällt dem Umbau der Konzernleitung zum Opfer. Gehen muss auch Co-Vermögensverwaltungschef Robert Shafir, Investmentbanker Gael de Boissard und Marketingchefin Pamela Thomas-Graham. Neu steigt dafür Lara Warner in die oberste Führungsriege auf: Sie überwacht die Einhaltung regulatorischer Vorschriften. Damit verbleiben drei Schweizer an der Spitze: Neben Schweiz-Chef Gottstein sind das Chefjurist Romeo Cerrutti und Iqbal Khan, welcher das internationale Vermögensgeschäft verantwortet.