Flugreisen

Teure Tickets, besseres Hotel: Klassengesellschaft gilt auch bei Flugpannen

Hinter dem Gedrängel sind die Eco-Schalter: Passagiere beim Einchecken am Flughafen Zürich.

Hinter dem Gedrängel sind die Eco-Schalter: Passagiere beim Einchecken am Flughafen Zürich.

Wenn Flüge abgesagt werden, ergeht es nicht allen Passagieren gleich. Es herrscht Klassengesellschaft. Solche mit teuren Tickets schlafen deshalb viel komfortabler.

Freitag, 22. November, morgens um 3 Uhr: Erschöpft machen sich die letzten Swiss-Angestellten auf den Heimweg. Sie hatten sich bis eben um die 200 Passagiere gekümmert, die auf den Swiss-Nachtflug mit der Flugnummer LX 256 nach Tel Aviv gebucht waren. Ein Triebwerk war trotz Bemühungen der Techniker nicht angesprungen. Kurz nach Mitternacht entschied man sich, den Flug endgültig abzusagen.

«Der Transitbereich sah die nächsten drei Stunden einen grossen Aufmarsch», sagte ein Swiss-Angestellter der «Nordwestschweiz». «Wir mussten die Passagiere teilweise bis nach St. Gallen verteilen, weil die Hotels in Zürich voll waren.» Bis der letzte Passagier in seinem Taxi sass, war es vier Uhr morgens.

«So etwas passiert drei- bis fünfmal pro Jahr, wenn eine Langstreckenmaschine ein technisches Problem hat, was die Durchführung vom Flug verhindert», erklärt Swiss-Sprecher Mehdi Guenin. «Wenn eine Problembehebung nicht kurzfristig möglich ist, muss man den Flug annullieren und Übernachtungen organisieren.»

First Class ist zuerst im Bett

Swiss kalkuliert dann pro Passagier 200 bis 250 Franken. «In so einem Fall probiert man immer so viele Zimmer wie möglich im gleichen Hotel zu buchen», sagt Guenin weiter. Priorität hätten dann die Hotels am Flughafen Zürich. «Wenn ein Langstreckenflug annulliert wird, haben wir plötzlich mehr als 200 Passagiere, die rasch eine Übernachtung brauchen, es kann dann vorkommen, dass die Hotels am Flughafen oder in der Nähe schon voll sind.» Dann müssten Alternativen in der Region, in Winterthur oder auch in Orten wie Wetzikon gesucht werden.

Nach der Annullierung existiert die «Klassengesellschaft» weiter: Die Passagiere der First haben im Transitbereich spezielle Schalter. Hier sind die Warteschlangen am kürzesten, sie werden am schnellsten weitergeleitet und sie sitzen auch am schnellsten im Taxi zur besten verfügbaren Herberge. «Passagiere aus der First Class bekommen die besseren Adressen wie beispielsweise das ‹Radisson›», sagt Guenin. Wer dort am letzten Donnerstag untergekommen war, war zehn Minuten nach der Umbuchung im eigenen Hotelzimmer – denn das Hotel steht direkt hinter dem Terminal 1 in Zürich.

Für einen Teil der Tel-Aviv-Reisenden bedeutete das vergangene Woche gleich zwei Nächte am Boden: Der Sabbat, der wöchentliche Ruhetag im jüdischen Glauben, beginnt am Freitagabend bei Sonnenuntergang und dauert bis Samstagabend. Umbuchen oder Ausweichen auf die israelische Fluggesellschaft El Al war deshalb unmöglich: Sie bedient die Strecke am Ruhetag gar nicht.

Hat sich Ihre Fluggesellschaft bei der letzten Panne um Sie gekümmert? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen im Kommentarfenster.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1