Tourismus

Tessin erlebt 2011 schlechteste Saison seit zwanzig Jahren

2011 spazierten weniger Touristen am Quai von Lugano (Archiv)

2011 spazierten weniger Touristen am Quai von Lugano (Archiv)

Die Tourismusbranche im Tessin steckt in der Krise. Der Kanton hat im Jahr 2011 die niedrigsten Hotelübernachtungszahlen der vergangenen zwanzig Jahre registriert, wie aus einer Studie des Osservatorio del Turismo (O-Tur) der Tessiner Universität in Lugano hervorgeht.

Die Übernachtungszahlen seien seit 1992 um insgesamt 26,2 Prozent gesunken. Am schlimmsten habe es die Region am Luganersee getroffen. Die Übernachtungszahlen gingen dort um 40 Prozent zurück. Am Lago Maggiore und in den Tälern des Locarnese sank der Wert um 17 Prozent.

Der Unterschied zwischen den Regionen sei auf die Vorlieben der Schweizer Touristen zurückzuführen. Gemäss Studie blieben diese in den vergangenen zwanzig Jahren den Hotels am Lago Maggiore treu, während ihre Übernachtungszahlen am Luganersee um 30 Prozent sanken.

Die grössten Verluste seien allerdings bei den deutschen Touristen auszumachen. Ihre Präsenz in Tessiner Hotels ging in den vergangenen Jahren um fast 57 Prozent zurück. In absoluten Zahlen bedeutete das eine Reduktion von 610'331 Übernachtungen im Jahr 1992 auf 263'770 im Jahr 2011.

Die Übernachtungszahlen italienischer Touristen blieben gemäss Studie einigermassen konstant. Allerdings machte ihr Anteil 2011 unter den Touristen nur etwa 5,6 Prozent aus, während die Schweizer selbst zu 58,8 Prozent unter den Tessin-Touristen vertreten waren, die Deutschen zu 15,3 Prozent.

Hotelgäste buchen kürzere Aufenthalte

Das negative Ergebnis stehe laut O-Tur unter anderem mit dem allgemeinen Trend in Zusammenhang, dass Urlauber ihren Aufenthalt immer mehr verkürzen. Die Gesamtzahl der Hotelgäste sei seit 1992 im Tessin nämlich "nur" um 6,5 Prozentpunkte gesunken. Doch während ein Gast vor zwanzig Jahren noch durchschnittlich 2,91 Tage blieb, waren es 2011 nur noch 2,29 Tage.

Die Studie hält wirtschaftliche Faktoren für eine Ursache der Entwicklung. Der Tourismus spüre die Folgen des starken Frankens und stehe im Zusammenhang mit dem Pro-Kopf-Einkommen im jeweiligen Herkunftsland der Touristen. Entsprechend müsste zur Rückgewinnung ausländischer Märkte bei der Preispolitik angesetzt werden, heisst es im Vorwort.

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