Rückschläge

Technologie-Stars im Sturm: Bei führenden US-Konzernen häufen sich die Probleme

Mehrere der Tech-Vorzeigeunternehmen wie Facebook oder Apple haben an der Börse massiv an Wert eingebüsst.

Mehrere der Tech-Vorzeigeunternehmen wie Facebook oder Apple haben an der Börse massiv an Wert eingebüsst.

Netflix ist derzeit das einzige Tech-Vorzeigeunternehmen, das positive Schlagzeilen schreibt. Im Kreis der sogenannten FAANG-Aktien, dazu gehören auch Facebook, Amazon, Apple und der Google-Konzern Alphabet, haben sich in den vergangenen Monaten Rückschläge gehäuft.

Das sind Zahlen, die gewöhnlich bei Analysten für Freudensprünge sorgen: Im letzten Quartal des Jahres 2018 ist es dem Unterhaltungskonzern Netflix gelungen, 8,8 Millionen neue Abonnenten zu gewinnen. Dies entspricht einer Zunahme von 34 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal im Jahr 2017. Unter dem Strich wuchsen die Einnahmen von Netflix im vierten Quartal 2018 um satte 27 Prozent auf fast 4,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn betrug 134 Millionen Dollar.

Trotz dieser Erfolgsmeldungen reagierten die Börsianer enttäuscht. Sie zeigten sich beunruhigt über Kommentare von Netflix-Konzernchef Reed Hastings zu neuen Konkurrenten
wie das Software-Unternehmen Epic Games («Fortnite»). Gleichzeitig hatten sie mit noch höheren Einnahmen gerechnet. Obwohl Netflix diese Schätzung nur gerade um 200 Millionen Dollar verfehlte, sackte der Aktienkurs am Freitag im frühen Handel um rund 4 Prozent ab.

Beobachter erklärten diese doch etwas übertriebene Reaktion auch mit der Euphorie zu Wochenbeginn. Analysten waren erfreut über die Ankündigung, dass Netflix die Abogebühren in den USA um einen zweistelligen Prozentsatz erhöht. So soll das beliebteste Abonnement künftig 13 Dollar pro Monat kosten, zwei Dollar mehr als bisher.

In einem Analystengespräch begründete Greg Peters, verantwortlich für die zahlreichen selbstproduzierten Filme und Serien, diesen aggressiven Schritt mit dem Geschäftsmodell seines Unternehmens. «Wir wollen Mehrwert für die Abonnenten schaffen», sagte er. Dank den Mehreinnahmen stehe Netflix nun frisches Geld zur Verfügung, um neue (kostspielige) Angebote wie den Online-Blockbuster «Bird Box» herzustellen. Angeblich schauten sich innerhalb eines Monats 80 Millionen Haushalte den Film mit Sandra Bullock in der Hauptrolle an.

Grenzenlose Euphorie verflogen

Trotz dieses Rückschlages ist Netflix derzeit das einzige Tech-Vorzeigeunternehmen, das positive Schlagzeilen schreibt. Im Kreis der sogenannten FAANG-Aktien, dazu gehören auch Facebook, Amazon, Apple und der Google-Konzern Alphabet, haben sich in den vergangenen Monaten Rückschläge gehäuft.

Und obwohl man derzeit bloss darüber spekulieren kann, wie stark sich die angekündigte Scheidung von Amazon-Chef und Mehrheitsaktionär Jeff Bezos oder die anhaltende Kontroverse um den Datenschutz bei Facebook auf den jeweiligen Geschäftsgang auswirken werden, ist die grenzenlose Euphorie an der Börse doch verflogen.

Kopfzerbrechen bereiten den Analysten zudem auch regulatorische Drohgebärden aus Washington. Demokraten und Republikaner haben angekündigt, dass sie den führenden Technologie-Unternehmen künftig stärker auf die Finger schauen wollen. Ab und an ist gar die Rede von einer Zerschlagung eines dominanten Anbieters. Der Grund: Unternehmen wie Google oder Amazon sollen angeblich ihre jeweilige Marktmacht missbrauchen.

Diese Positionsbezüge sind zwar derzeit in der amerikanischen Hauptstadt noch nicht mehrheitsfähig. Der designierte Justizminister William Barr – alles andere als ein politischer Scharfmacher – sagte diese Woche aber während einer Parlamentsanhörung: Es sei wichtig, dass sein Ministerium, zu dem auch eine Abteilung zur Bekämpfung von Kartellen gehört, sich künftig stärker mit dieser Materie befasse. Barr zeigte sich besorgt darüber, dass mächtige Firmen aus dem Silicon Valley ihre Marktmacht dazu missbrauchten, um Konkurrenzprodukte schlechtzureden.

Apple in China unter Druck

Am wenigsten Sorgen über einen regulatorischen Eingriff muss sich unter den FAANG-Unternehmen wohl Apple machen. Der Technologiekonzern generiert seinen Umsatz vornehmlich mit dem Verkauf von Hardware. Konzernchef Tim Cook sprach sich diese Woche deshalb ausdrücklich für die Verabschiedung griffigerer Datenschutzbestimmungen aus.

Zudem solle die US-Wettbewerbskommission FTC eine aggressivere Rolle spielen. Dennoch scheint sich der ehemals wertvollste Konzern der Welt derzeit in einem Tief zu befinden.
Im Herbst belief sich der Börsenwert von Apple auf gegen 1100 Milliarden Dollar. In den vergangenen drei Monaten büssten die Aktien jedoch rund einen Drittel ihres Wertes ein.

Mit ein Grund dafür sind rückläufige Verkaufszahlen für das Vorzeigeprodukt iPhone. Gerade in China scheint Apple den Zenit erreicht zu haben. Am Freitag wurde bekannt, dass der Zulieferbetrieb Foxconn deshalb in den vergangenen Monaten Zehntausende von Aushilfskräften entlassen habe.

Ein Schnäppchen?

Konträr denkende Analysten finden allerdings die Reaktion der Börse auf diese Meldungen übertrieben. Zwar stimme es wohl, dass weltweit eine gewisse iPhone-Sättigung erreicht worden sei, sagen sie.

Apple sei von dieser Entwicklung aber nicht überrascht worden, sondern habe in den vergangenen Jahren die Produktepalette gerade auch bei den IT-Dienstleistungen stetig ausgebaut. Dazu zählen Investitionen in Apple Music und Apple Pay. Die Aktie sei deshalb derzeit ein Schnäppchen, sagt das Investmenthaus DTF Capital.

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