Die Verfügung zur Systemrelevanz sei nach Anhörung der Raiffeisen Gruppe und der Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) am 16. Juni erfolgt, teilte die SNB am Mittwoch mit. Damit ist Raiffeisen für Schweizer Verhältnisse definitiv "too big to fail".

Gemäss Bankengesetz gelten Finanzinstitute als systemrelevant, wenn deren Ausfall die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde. Die Systemrelevanz beinhaltet besondere regulatorische Anforderungen, die nun von der Raiffeisen zusammen mit der Finma angegangen werden müssen.

Wie genau die zusätzlichen Anforderungen ausgestaltet sind, legt die Finma fest. Im Bankengesetz ist lediglich festgehalten, dass systemrelevante Banken über mehr Eigenmittel verfügen müssen, um eine höhere Verlusttragbarkeit als nicht systemrelevante Banken zu gewährleisten. Zudem müssen Too-big-to-fail-Banken über mehr Liquidität verfügen, ihre Risiken besonders managen und eine Notfallplanung haben, die bei drohender Insolvenz die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen gewährleistet.

Neben der Raiffeisen Gruppe gelten auch die UBS, die Credit Suisse und die Zürcher Kantonalbank in der Schweiz als systemrelevant. UBS und CS fungieren zudem auf der Liste jener Banken, die gemäss des Financial Stability Board der G20-Länder global systemrelevant sind.

Raiffeisen sieht eigene Stellung bestätigt

Die Raiffeisen Gruppe selbst schreibt ihr ihrer Mitteilung zum Halbjahresergebnis, die Systemrelevanz unterstreiche ihre Stellung im Schweizer Bankenmarkt. Zur Raiffeisen Gruppe, die genossenschaftlich organisiert ist, gehören 305 selbständige Raiffeisen-Banken mit einer Bilanzsumme von insgesamt 183 Mrd. Franken.

Zur Gruppe gehört auch die Notenstein Privatbank: Sie ist eine Tochtergesellschaft der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft, in welche sich die Banken zusammengeschlossen haben. Die Genossenschaft nimmt auch die strategische Führung der Bankengruppe wahr und übernimmt übergreifende Aufgaben wie beispielsweise das Risikomanagement.

In ihrem Communiqué zum Halbjahresergebnis macht die Raiffeisenbank keine Angaben dazu, mit welchen Kosten wegen der höheren regulatorischen Anforderungen sie rechnet. Dass sie als systemrelevant eingestuft wird, führt sie auf die starke Marktstellung im inländischen Einlagen- und Kreditgeschäft zurück.

Hypothekenvolumen um 2,4 Prozent gestiegen

Diese bedeutende Stellung hat die Raiffeisen Gruppe auch in der ersten Jahreshälfte bewiesen. In dieser Zeit hat sie ihr Hypothekargeschäft weiter ausgebaut. Das Volumen der Hypothekarkredite stieg von Anfang Jahr bis Ende Juni um 2,4 Prozent auf 147,2 Mrd. Franken.

Das Wachstum sei damit etwas moderater als im Vorjahr ausgefallen, hält Raiffeisen fest. Zudem blieben auch die Risiken tief - so hätten die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken einen neuen Tiefststand erreicht.

Parallel zu den ausgegebenen Krediten erhöhten sich die Kundengelder, welche Raiffeisen verwaltet, um 1,9 Prozent auf 140,7 Mrd. Franken.

Das höhere Kreditvolumen wirkte sich auch auf das Zinsengeschäft aus: Trotz Tiefzinsniveau konnte die Raiffeisen Gruppe den Erfolg aus dem Zinsengeschäft um 1,3 Prozent steigern. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, das als Ertragsquelle nur gerade rund einen Fünftel so gross ist wie das Zinsengeschäft ist, nahm Raiffeisen 5,6 Prozent mehr ein.

Alles in allem stieg der Betriebsertrag um 1,3 Prozent auf knapp 1,4 Mrd. Franken. Weil auch der Personalaufwand gestiegen ist, fällt der Bruttogewinn mit 533,3 Mio. Fr. 0,2 Prozent unter dem Vorjahreswert aus. Unter dem Strich verdiente die Raiffeisen Gruppe in der ersten Jahreshälfte mit 363,4 Mio. Fr. 1,5 Prozent weniger als im Jahr davor.

Höhere Eigenkapitalanforderungen erfülltDer vom Bundesrat auf Ende Juni erhöhte antizyklischen Kapitalpuffer für Hypothekarkredite von zwei Prozent zusätzlichem Eigenkapital erfüllt die Raiffeisen-Gruppe nach eigenen Angaben bereits. Dank der bestehenden Eigenmittelüberdeckung erfülle man die geltenden Ziele auch nach der Verschärfung, hiess es im Communiqué vom Mittwoch.