Postfinance

«Systemrelevant» – ein zweifelhaftes Prädikat

Die gelben Geldautomaten sind ein Wahrzeichen für den Geldverkehr bei der Post.Gaetan Bally/keystone

Die gelben Geldautomaten sind ein Wahrzeichen für den Geldverkehr bei der Post.Gaetan Bally/keystone

Die Post-Tochter wird von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als systemrelevant taxiert.

Wichtig, wichtiger, systemrelevant. Ein Begriff macht seit der Finanzkrise die Runde. Gestern wurde bekannt, dass auch die Tochtergesellschaft der Post, die Postfinance, von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am 29. Juni offiziell zur systemrelevanten Bank wurde. Es ist das fünfte Finanzinstitut, der diese zweifelhafte Ehre zuteil wird. Zuvor wurden die beiden Grossbanken, die Raiffeisen Gruppe und die Zürcher Kantonalbank (ZKB), als systemrelevant erklärt.

Nun also die Post-Bank. Begründet wird der Schritt damit, dass der Ausfall der Postfinance die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde. Die Postfinance ist Marktführerin im Zahlungsverkehr in der Schweiz. Das Verfahren hat die SNB im August 2014 eröffnet. Die Verfügung ist nach Anhörung der Postfinance und der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) erlassen worden und rechtskräftig geworden, schrieb die SNB gestern.

Unklare Auswirkungen

Postfinance-Chef Hansruedi Köng trifft der Entscheid der SNB nicht unerwartet. Man sei sich bei der Postfinance der Bedeutung für den Schweizer Finanzmarkt bewusst, sagte er in einer Telefonkonferenz gegenüber den Medien. Er spricht deshalb von einem «weiteren Meilenstein in der Geschichte des Instituts», das inzwischen immerhin eine Bilanzsumme von 116 Milliarden Franken ausweise.

Auf die Frage, welche konkreten Auswirkungen diese neue Klassifizierung hat, blieb Köng erstaunlich vage. Man könne noch keine konkreten Aussagen machen, sagte er. Man habe jedoch rechtzeitig Massnahmen ergriffen im Hinblick auf die Klassifizierung als systemrelevant. Dazu zählt Köng den doppelten Betrieb der IT-Infrastruktur über die zwei Rechenzentren in Zofingen AG und in Bern.

Zudem sei die Postfinance schon heute viel stärker mit Kapital ausgestattet, als es die Behörden für systemrelevante Banken als nötig erachten. Ob und wie der Bundesrat diese Regeln verschärfen werde, werde sich jedoch in den nächsten Wochen entscheiden. Stand heute geht Köng jedoch nicht davon aus, dass zusätzliches Kapital benötigt werde.

Geschäftsmodell bleibt bestehen

Auch das Geschäftsmodell der Postfinance, die am 26. Juni 2013, nach der Umwandlung der Post in eine Aktiengesellschaft, in eine eigene Konzerngesellschaft ausgegliedert wurde, werde sich nicht ändern, bekräftigte Köng. Nicht ohne einen Seitenhieb an die Politik: Der Wunsch, selbstständig Kredite zu vergeben, bleibe auch zwei Jahre nach Verselbstständigung nach wie vor bestehen. Diese Möglichkeit wurde der Schweizer Postbank bisher aus politischen Gründen verwehrt.

Sicher ist, dass ein solch gravierender Schritt, wie ihn die Grossbanken mit der Ausgliederung ihrer Schweizer Einheiten in eine separate Konzerntochter machen mussten, bei der Postfinance nicht ansteht. Denn die Postfinance ist vor allem ein Schweizer Finanzinstitut. Auch das Gesetz stellt hier gewisse Schranken auf.

Entsprechend bezeichnet Köng den Aufwand für die Umstellung als überschaubar. Er werde wohl geringer ausfallen als bei der Verselbstständigung des Instituts im Jahr 2013.

Die Postfinance selber steckt nach der Einführung von Negativzinsen durch die SNB in einer ungemütlichen Situation. Da sie einen Teil der Kundengelder bei der SNB deponiert, kostete sie dies im vergangenen Halbjahr einen einstelligen Millionenbetrag.

Verlust von Kundengeldern

Die Postfinance verlangt deshalb ihrerseits bei Grosskunden und Banken auch Negativzinsen. Dies führte zu einem Abfluss von Kundengeldern in der Höhe von 4,4 Milliarden Franken. Dies, nachdem die Post-Tochter im Nachgang der Kreditkrise mit Neugeldern förmlich überschüttet wurde. Neu verwaltet das Institut 113 Milliarden Franken. Unter dem Strich erzielte Postfinance im ersten Halbjahr ein Unternehmensergebnis von 330 Millionen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1