Agrochemie
Syngentas China-Deal weckt Misstrauen der USA

Die Basler Agrochemie-Firma Syngenta wehrt sich gegen die US-Kritik an einer Übernahme durch Chem China.

Stefan Schuppli
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Chinesisch-schweizerischer Handshake: Ren Jianxin, Chef von Chem China (l.), und Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré.

Chinesisch-schweizerischer Handshake: Ren Jianxin, Chef von Chem China (l.), und Syngenta-Verwaltungsratspräsident Michel Demaré.

REUTERS

Auf dem Gebiet der Agrochemie hat sich vieles verändert. Die traditionelle Gentechnik wird zunehmend von der Synthetischen Biologie ersetzt, eine Technik, welche die Züchtung von Pflanzen deutlich verbessert. «Ich gehe davon aus, dass die Synthetische Biologie und die modernen Züchtungsmethoden die Gentechnik zum Teil ersetzen werden», erklärt der Syngenta-Manager Juan Gonzalez-Valero im Buch von Christiane Grefe «Global Gardening».

Syngenta ist auf diesem Gebiet führend, der US-Agrobusinessriese Monsanto hingegen hat diese Entwicklung verschlafen. Daher hat er im letzten Herbst mehrere Versuche unternommen, den Basler Konzern zu übernehmen, und ist dabei abgeblitzt. «Wir halten uns nicht zuständig dafür, die fehlgeschlagene Strategie eines Konkurrenten auszugleichen, der zu sehr auf Gentechnik und die wenigen dazu passenden Pflanzenschutzmittel gesetzt hat», sagt Gonzales-Valero.

Frage der nationalen Sicherheit?

Dass Syngenta aber an einen chinesischen Staatskonzern, Chem China, gehen soll, passt einigen Leuten in den USA gar nicht. Die Chinesen sind bereit, 43,7 Milliarden Franken zu bezahlen, der Syngenta-Verwaltungsrat begrüsst dies. Chem China sicherte zu, den Hauptsitz nicht zu verlegen und die Firma grundsätzlich so zu lassen, wie sie ist.

Doch der Deal könnte am Widerstand der USA scheitern. Chuck Grassley, republikanischer Senator für den Bundesstaat Iowa, äussert Bedenken, dass die chinesische Übernahme von Syngenta eine Gefahr für die US-Agro-Infrastruktur darstelle. «Nahrung und Landwirtschaft sind ein kritischer Teil der nationalen Infrastruktur», erklärt Grassley gegenüber einem Radiosender in Iowa. «Deshalb wirft dieser Verkauf Fragen der nationalen Sicherheit auf.» Grassleys Worte haben Gewicht. Er ist der Vorsitzendes des Komitees im Senat, das über den Fall befinden muss. Er ist zudem in guter Gesellschaft. Selbst der US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack hat Bedenken gegen die Übernahme geäussert.

Die chinesische Regierung würde über ChemChina die Kontrolle über gentechnisch verändertes Saatgut bekommen, wird Vilsack im «Tagesanzeiger» zitiert. Ausserdem könnte die chinesische Regierung in ihrer Rolle als Zulassungsbehörde von Agrarprodukten den Markt steuern und so Konkurrenz aus den USA behindern.

Syngenta-Aktien im Sinkflug

Für den Aktienkurs von Syngenta sind solche verunsichernden Meldungen Gift. Innerhalb von drei Wochen ist er von 410 auf 397.50 Franken abgerutscht. Das ist deutlich weniger als die 465 Dollar, welche Chem China pro Aktie bietet. Ausserdem winkt eine Sonderdividende von fünf Franken je Aktie.

Ob die genannten Bedenken den Deal stoppen können, ist offen. Denn Monsanto selbst hat vor nicht allzulanger Zeit ein Gemeinschaftsunternehmen mit der chinesischen Sinochem gegründet. Es gäbe keinen Grund, «sich zu sorgen, nicht gleiche lange Spiesse» in China zu haben, sagte Monsanto-Präsident Brett Begeman in einem Interview mit der «Financial Times».

Syngenta selbst wehrt sich auch gegen die Vorwürfe. Man begrüsse, dass der Deal durch die US-Behörden gründlich geprüft werde, sagte ein Syngenta-Sprecher zur Nachrichtenagentur «Dow Jones». «Aber wir glauben nicht, dass die Transaktion in den USA die Food-Sicherheit oder die nationale Sicherheit in irgendwelcher Form gefährdet.»

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