ChemChina will den Umsatz von Syngenta innert fünf bis zehn Jahren verdoppeln. Mit dieser Aussage in einem Interview mit der «Basler Zeitung» (BaZ) vom Dienstag hatte Jianxin als neuer Verwaltungsratspräsident der Syngenta ein hohes Tempo angekündigt. In den letzten beiden Jahren waren Umsatz und Gewinn gesunken.

Bei der Medienkonferenz in Basel erklärte Jianxin am Dienstag - via Übersetzer - seinen Wachstumsoptimismus unter anderem mit Hunger und steigender Futtermittelnachfrage. Weltweit werde zudem die Bevölkerung älter, womit der Anteil der Erwerbstätigen sinke. Deswegen sei effiziente Nahrungsproduktion sehr gefragt.

Schweizer Standortvorteile

Der chinesische Markt brauche Syngenta, wie alle Schwellenländer, sagte Jianxin. Wegen dieser Bedürfnisse sehe er keine Hindernisse für eine Expansion ins Reich der Mitte. Syngenta-Chef Erik Fyrwald verwies auf den grossen Markt mit vielen Bauern dort, denen man neben Saatgut und Pflanzenschutz auch mit Weiterbildung helfen könne.

Mehrfach betont wurde die Bedeutung von Nachhaltigkeit und langfristiger Perspektiven. Jianxin versprach zudem erneut, dass Basel «definitiv und sicher» Standort des Konzernsitzes bleibe. Christoph Mäder, Chef Recht und Steuern, verwies dazu auf das gute Schweizer Umfeld punkto Steuern, Ausbildung, Infrastruktur et cetera.

Dem chinesischen Staatskonzern ChemChina fehlten am Montag noch 0,3 Prozent oder 50'000 Aktien bis zur Schwelle von 98 Prozent. Erst über dieser kann ChemChina die verbleibenden Aktien, die sich noch im Publikum befinden, für kraftlos erklären. Erst damit werden die Chinesen die einst von Novartis abgespaltene Syngenta ganz besitzen.

Börsengang im Auge

Doch bei Syngenta denkt man bereits an einen erneuten Börsengang. Hintergrund dafür ist, dass ChemChina ursprünglich nur einen Anteil von 70 Prozent an Syngenta hatte übernehmen wollen. Doch das Schweizer Recht lässt dies nicht zu, wie der alte Präsident und neue Vize Michel Demaré im gleichen BaZ-Doppelinterview ausführt.

Deshalb wollten die Verantwortlichen nun innert fünf Jahren «einen Teil der Syngenta-Aktien mit einem Börsengang erneut dem Anlegerpublikum zugänglich» machen - sofern dies der Markt zulasse. Für Demaré wäre dies eine Garantie dafür, dass westliche Regeln der guten Unternehmensführung auch unter chinesischem Besitz gelten.

Demaré betonte auch, dass ChemChina nicht mit Syngenta fusioniere, sondern eigenständig bleibe und bloss den Besitzer wechsle. Jianxin sagte in der BaZ, dass der Kauf hälftig mit Fremd- und Eigenkapital finanziert werde, letzteres mit eigenem Geld sowie mit solchem von Finanzinvestoren und Banken. Details dazu waren am Dienstag nicht zu erfahren.

Jianxin räumte vor den Medien ein, dass ein Megadeal wie die Syngenta-Übernahme von allen Beteiligten und Beobachtern erst «verdaut» werden müsse. Neben organischem Wachstum und Kollaborationen will Syngenta laut Fyrwald auch mit gezielten Akquisitionen zulegen, insbesondere im Saatgutbereich.

Fusionsdementi

Neben klassischen Produkten und Dienstleistungen steht die Agrobranche laut Fyrwald derzeit vor technischen Herausforderungen wie Digitalisierung oder Gen-Editierung. Für ihn seien dies Chancen, zum Beispiel wenn Computerprogramme Bauern helfen, auf ihren spezifischen Böden und mit dem lokalen Klima das Beste herauszuholen.

Im Weiteren dementierte Jianxin Fusionsgerüchte über ChemChina und den chinesischen Konzern SinoChem; seit dem Auftauchen solcher Vermutungen im vergangenen Oktober hätten beide Firmen abgewinkt.

Der 58-jährige Ren Jianxin gilt als Leitfigur bei ChemChina. Er hatte 1984 in China die erste Reinigungsfirma gegründet, aus welcher der Chemieriese ChemChina hervorging. Das Mitglied der kommunistischen Partei ist bei ChemChina Generalmanager und seit 2014 auch Verwaltungsratspräsident.

Chemchina hatte zudem 2015 den Reifenhersteller Pirelli übernommen. An der letzten Generalversammlung von Syngenta vom Montag ist Jianxin erwartungsgemäss zum Verwaltungsratspräsidenten von Syngenta gewählt worden.