Die Agrarchemiekonzerne Syngenta und Bayer Crop Science machen Front gegen das EU-Verbot von ihnen hergestellter Pflanzenschutzmittel, die eine Gefahr für Bienen darstellen sollen. Syngenta teilte am Dienstag mit, rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen. Bayer erklärte auf Anfrage, bereits eine Klage eingereicht zu haben. Die EU-Kommission sieht die Umsetzung des Verbots deswegen aber nicht gefährdet.

Im April hatte sich eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten für das Verbot von drei Pestiziden aus der Gruppe der hochwirksamen Neonikotinoide ausgesprochen, die für das Massensterben der europäischen Bienenpopulation verantwortlich gemacht werden.

Von Dezember an dürfen die Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid vom deutschen Bayer-Konzern respektive dessen Pflanzenschutz- und Saatguttochter Tochter Bayer Crop Science nicht mehr für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps und Baumwolle verwendet werden. Gleiches gilt für das Pestizid Thiamethoxam vom Basler Konzern Syngenta, der 2000 aus dem Chemiekonzern Novartis hervorgegangen war.

Die Sperre gilt zunächst für zwei Jahre, in denen mögliche Auswirkungen des Verbots wissenschaftlich untersucht werden sollen, bevor die Massnahme erneut auf den Prüfstand kommt.

Kritik am Verfahren

Die Entscheidung der Kommission habe sich auf ein "fehlerhaftes Verfahren sowie eine ungenaue und unvollständige Prüfung" durch die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gestützt, begründete Syngenta die Entscheidung, vor einem EU-Gericht in Luxemburg gegen das Verbot vorzugehen.

Ursache für das Bienensterben in Europa sei nicht Thiamethoxam, sondern "laut Experten Krankheiten, Viren, schwindender Lebensraum sowie mangelnde Nahrung". Syngenta-Chef John Atkin erklärte, "dass die EU-Kommission sich irrt, wenn sie Thiamethoxam mit der Verschlechterung der Bienengesundheit in Verbindung bringt".

EU-Kommission gibt sich gelassen

Ein Vertreter der EU-Kommission teilte mit, die Entscheidung Syngentas sei "zur Kenntnis genommen" worden, das juristische Vorgehen werde jedoch nicht die Umsetzung des Verbots durch die Mitgliedstaaten beeinträchtigen. "Die Kommission hat ihre Entscheidung auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und Schlussfolgerungen von EFSA getroffen."

Von Seiten der Umweltschutzorganisation Greenpeace hiess es dazu in einer Stellungnahme: " Syngenta zeigt mit dieser Beschwerde, dass die Profitmaximierung wichtiger ist als der Schutz der Bienen und deren wertvolle Bestäuberleistung." Syngenta gehe weiter über Bienenleichen; es brauche keine Auflockerung des EU-Entscheides, sondern im Gegenteil weitere Pestizidverbote.

Bayer mit Klage bereits Mitte August

Syngenta folgt mit dem Schritt dem deutschen Unternehmen Bayer. Die Tochter Bayer Crop Science habe bereits Mitte August Klage gegen das Verbot in Luxemburg eingereicht, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Bayer Crop Science fordere Klarheit über die Verlässlichkeit rechtlicher Rahmenbedingungen: Die beiden Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin seien seit vielen Jahren auf dem Markt, sie seien umfassend geprüft und zugelassen worden.

Auch Mittel von BASF verboten

Die Agrarchemie-Branche führt immer wieder an, dass für das Bienensterben in Europa nicht ihre Produkte die Ursache sind, sondern eine Vielzahl von Einflüssen wie etwa Milben und Viren. Die EU sieht das anders.

Im Juli hatten sich die EU-Mitgliedstaaten mit grosser Mehrheit dafür ausgesprochen, auch den Einsatz des Insektizids Fipronil des deutschen Herstellers BASF weitgehend zu verbieten. Die EFSA hatte davor gewarnt, dass die Chemikalie ein "akutes Risiko" für Honigbienen darstelle. Unter anderem soll die Behandlung von Mais- und Sonnenblumen-Samen ab dem Jahresende verboten sein.