Agrarchemie
Syngenta-Präsident: «Monsanto wird nicht mehr anklopfen»

Der US-Gigant Monsanto bekam drei Absagen von Syngenta betreffend einer Übernahme. Im Interview spricht Syngenta-Präsident Michel Demaré über die Abwehrschlacht und die Zukunft des Standorts Schweiz.

Andreas Schaffner
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Hat die Abwehrschlacht gegen Monsanto für sich entschieden: Michel Demaré.

Hat die Abwehrschlacht gegen Monsanto für sich entschieden: Michel Demaré.

André Albrecht

Sie haben sich in den letzten Monaten um die Abwehr einer Übernahme durch den US-Giganten Monsanto gekümmert. Wie war das für Sie?

Michel Demaré: Die Situation war aussergewöhnlich, der Druck enorm hoch. Unsere Aufgabe ist es nun, die Investoren zu überzeugen, dass wir mit unserer Ablehnung der Offerte richtig lagen.

Ist denn eine Übernahme von Syngenta nun ganz vom Tisch?

Wir haben immer gesagt, dass wir nicht um jeden Preis an der Eigenständigkeit festhalten. Es ist die Aufgabe des Verwaltungsrats, jede Offerte zu prüfen. Ich gehe aber davon aus, dass nach drei ablehnenden Äusserungen unsererseits Monsanto nicht mehr anklopfen wird.

Das Geschäftsmodell von Syngenta besteht in der abgestimmten Kombination von Pflanzenschutz- und Saatgutprodukten. Viele Analysten haben Monsanto – den Marktführer im Bereich Saatgut – aus industrieller Logik deshalb als idealen Partner für Syngenta angesehen. Wieso war das für Sie nicht der Fall?

Die Offerte hatte mehrere Schwachstellen, die wir bereits ausführlich dargelegt haben. Zunächst war der Preis viel zu tief, auf der anderen Seite wären die Risiken, insbesondere die regulatorischen, viel zu hoch gewesen. Zudem haben die beiden Unternehmen eine ganz andere Kultur. Diese zusammenzuführen, wäre sehr schwierig gewesen. Ich glaube nicht, dass es sich um ein seriöses Angebot gehandelt hat. Rückblickend hat Monsanto mit dem Angebot eine Illusion verbreitet und damit viele Investoren angesteckt – ihnen eine Geschichte aufgetischt, die sie geglaubt haben. Für sie ist es nun schwierig, zurück in die Realität zu finden.

Der Hauptsitz der neuen Firma wäre nach London verlegt worden.

Das ist ein Punkt, den ich als ehemaliger Präsident des Verbands Swissholdings besonders wichtig finde. Wir werden in der Schweiz mit neuen Vorschriften konfrontiert. Sie sollen die Vorwürfe aus dem Ausland, insbesondere der EU, entkräften. Auf der anderen Seite, dies ist mit der Monsanto-Avance klar geworden, buhlt ein EU-Land, nämlich Grossbritannien, mit aggressiven Steuerdeals um die multinationalen Konzerne.

Der Standort Schweiz verliert auch wegen des starken Frankens an Attraktivität. Sie haben im letzten Jahr einen Stellenabbau in der Schweiz durchgeführt. Wie geht es jetzt weiter?

Wir sind grundsätzlich zufrieden mit dem Standort Schweiz. Wir können aufgrund der hohen Produktivität der Schweizer Standorte auch die höheren Kostenstrukturen verteidigen. Wir werden also weiterhin auch in der Schweiz in Forschung und Produktion investieren.

Wie wollen Sie die Margen erhöhen?

Es gibt zwei Haupttreiber für das für 2018 gesetzte Margenziel: erstens die Verbesserung der Marge in unserem Saatgutgeschäft und zweitens unser Operational Leverage Program. Das ist ein globales Programm, das sowohl auf Möglichkeiten zur Volumensteigerung als auch auf Cashflow-Optimierung – beispielsweise durch die Senkung des Working Capital – sowie auf Kosteneinsparungen abzielt.

Den Syngenta-Aktionären haben Sie letzte Woche eine Art «Zückerchen» angeboten. Ein Aktienrückkaufsprogramm in Höhe von 2 Milliarden Dollar. Um dies zu finanzieren, werden Sie das Geschäft mit dem Gemüse-Saatgut verkaufen. Woher kommt dann das Wachstum?

Die Situation ist so, dass wir uns schon lange mit dem Verkauf des Gemüse-Saatguts befasst haben. Dies, nachdem wir zuvor auch das Blumen-Saatgutgeschäft verkauft haben. Die Kapitalmassnahme haben wir kurzfristig beschlossen. Ich bin davon überzeugt, dass wir aufgrund der Tatsache, dass wir auch geografisch sehr breit aufgestellt sind, vom weltweiten Wachstum profitieren werden.

Die tiefen Rohstoffkosten, die wir jetzt haben, werden nicht auf ewig tief bleiben, dann kaufen die Bauern in den Entwicklungsländern mehr Pflanzenschutzmittel?

Genau. Ausserdem werden wir nächste Woche unsere Produkte-Pipeline vorstellen. Die Pflanzenschutzchemie ist vergleichbar mit der Pharmaindustrie. Die Entwicklung neuer Produkte ist teuer. Die Zyklen sind entsprechend lang.

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