Agrochemie
Nun wollen die Besitzer Kasse machen: Syngenta nimmt erste Börsen-Hürde in China

Der ehemals schweizerische Agrochemiekonzern will an der Börse Shanghai bis zu zehn Milliarden Dollar einsammeln.

Daniel Zulauf
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Der ehemalige Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta gehört seit 2017 ChemChina.

Der ehemalige Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta gehört seit 2017 ChemChina.

Andreas Haas / Imago Images / www.imago-images.de

Fünf Jahre nach der Übernahme durch den Staatskonzern ChemChina strebt Syngenta zurück an die Börse. Ende vergangener Woche legte der ursprünglich schweizerische Agrochemiekonzern am Shanghai Stock Exchange den Prospekt für den geplanten Börsengang (IPO) auf. Gemäss dem Dokument, das nur in chinesischer Sprache vorliegt, hofft Syngenta mit dem Börsengang bis zu 65 Milliarden Renminbi oder umgerechnet etwa 10 Milliarden Dollar einzusammeln. Zu diesem Zweck will die Gesellschaft 2,8 Milliarden neue Aktien ausgeben. Unter Hinzurechnung einer ebenfalls vorgesehenen Mehrzuteilungsoption könnte der ChemChina-Anteil auf bis zu 77 Prozent sinken.

Chinesische Privatanleger sollen Syngenta-Aktien kaufen

Die IPO-Pläne implizieren einen künftigen Börsenwert von Syngenta in Höhe von rund 50 Milliarden Dollar. Die ehemalige Novartis-Tochter liess sich 2017 für 43 Milliarden Dollar übernehmen, nachdem sie einen ersten Übernahmeversuch von Monsanto zurückgewiesen hatte.

Syngenta will ihre Aktien auf dem sogenannten Star-Market notieren lassen. Der Markt will sich der amerikanischen Nasdaq ähnlich, als Plattform für Technologiefirmen profilieren. Einer nicht genannt sein wollenden chinesischen Quelle zufolge dürfte der Grossteil der neuen Syngenta-Aktien von chinesischen Privatanlegern gekauft werden. Die Titel würden aber auch von institutionellen chinesischen Investoren, darunter die grossen Finanzkonzerne, nachgefragt. Auch ausländische Investoren könnten die Papiere zeichnen, wenn auch in einem beschränkten Mass.

Rückkehr an die Schweizer Börse möglich

Syngenta plant deshalb nach dem IPO in China ein zweites Listing an einer westlichen Börse. Optionen sind die Aktienmärkte in Zürich, London und New York. Noch ist es mit dem Börsengang aber nicht so weit. Es stünden noch behördlich Bewilligungen aus, sodass die Transaktion erst bis Ende Jahr erwartet werden könne, sagt die nicht namentlich genannte chinesische Quelle.

Ein Drittel des IPO-Erlöses will Syngenta gemäss Emissionsprospekt zur Finanzierung von teilweise bereits getätigten Übernahmen einsetzen. Zu diesen Transaktionen gehört der Kauf einer 36-Prozent-Beteiligung an der chinesischen Yangnong Chemical für umgerechnet 1,6 Milliarden Dollar. Die Übernahme ist Teil eines laufenden Prozesses, der die Entflechtung der stark schuldenbeladenen ChemChina zum Hintergrund hat. Die direkte Syngenta-Eigentümerin China National Agrochemical Corp., eine Tochter von ChemChina, soll mit der ebenfalls staatlichen Sinochem verschmolzen und so von ChemChina abgetrennt werden.

Weitere rund drei Milliarden Dollar will Syngenta für den Schuldenrückbau aufwenden. Der Konzern schiebt gemäss Prospekt rund 28 Milliarden Dollar Schulden bei einer Bilanzsumme von etwa 70 Milliarden Dollar vor sich her. 2020 erwirtschaftete Syngenta aus einem Umsatz von rund 23 Milliarden Dollar einen Gewinn von etwa 1,2 Milliarden Dollar. Im ersten Quartal des laufenden Jahres hat die Firma nach Prospektangaben eine deutliche Leistungssteigerung erreicht. Die im Prospekt ausgewiesenen Kennzahlen folgen chinesischen Rechnungslegungsvorschriften und sind mit den auf der Syngenta-Webseite publizierten Finanzzahlen nicht vergleichbar.

Syngenta beschäftigt 49000 Mitarbeitende und steht als Weltmarktführerin im Pflanzenschutz und als drittgrösste Saatherstellerin in direkter Konkurrenz zu Bayer und Basf.

Parteizeitung verspricht «gesünderen Wettbewerb»

Gemäss «Global Times», einer englischsprachigen Parteizeitung, ist das IPO von Syngenta geeignet, den chinesischen Einfluss im globalen Agrochemiegeschäft zu stärken und einen gesünderen Wettbewerb zu schaffen. Das globale Agrochemiegeschäft sei bislang von westlichen Grossfirmen dominiert worden, schreibt die Zeitung.

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