Anfang 2016 gab der chinesische Staatskonzern Chem China bekannt, den Basler Agrochemie-Riesen Syngenta für 44 Milliarden Dollar kaufen zu wollen. Doch mehr als eineinhalb Jahre später ist die Übernahme noch immer in der Schwebe. Am Montag hat die Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s (S&P) angekündigt, die Schuldnerqualität der Basler möglicherweise herabzustufen. Und das hat Konsequenzen: Das von Chem China geplante Refinanzierungsmodell des 44-Milliarden-Deals kann vorerst nicht wie geplant umgesetzt werden.

Dem ursprünglichen Plan zufolge hätte Syngenta in diesen Tagen eine Anleihe im Betrag von 7 Milliarden Dollar auf dem internationalen Kapitalmarkt aufnehmen sollen, mit dem Ziel, den von Chem China bezahlten Übernahmepreis teilweise durch Drittinvestoren finanzieren zu lassen.

Kosten und Durchführbarkeit eines solchen Leveraged Buy-outs stehen dabei in direkter Abhängigkeit von der Qualität des Schuldners. Genau da setzt die neue S&P-Analyse aber ein grosses Fragezeichen. Angesichts der beträchtlichen Verschuldung von Chem China werde Syngenta zusätzliche finanzielle Unterstützung vonseiten der chinesischen Agentur für Staatsbeteiligungen (Sasac) benötigen. Grund dafür sind die Folgen von Rechtsstreitigkeiten und Haftungsansprüchen aus einer verfrühten Genmais-Vermarktung in Nordamerika aus dem Jahr 2013, für die Syngenta gewappnet sein sollte, wie S&P bereits im August warnte. Während sich die hohen Kostenfolgen des Konfliktes inzwischen zu konkretisieren beginnen, erklärte Sasac-Chef Xiao Yaqing vergangene Woche in Peking, der Staat werde keine zusätzlichen Mittel zur Finanzierung der Übernahme bereitstellen. Die Firmen müssten solche Fälle selber lösen, zitierte die «Financial Times» den Chefbeamten.

Schlechtes Timing

Nach der Interpretation der Kreditanalysten von S&P weckt die Regierung mit solchen Äusserungen Zweifel am bisherigen Verständnis, dass Syngenta eine strategisch bedeutsame Tochtergesellschaft für Chem China darstelle. Sollten sich diese Zweifel erhärten, müsste die Schuldnerqualität von Syngenta zurückgestuft werden, warnt S&P.

Die Warnung kommt just zum Zeitpunkt, an dem das Syngenta-Management die Investorengemeinde zur Beteiligung an dem geplanten 7-Milliarden-Dollar-Anleihenprogramm gewinnen wollte. Einen Kommentar zu der S&P-Notiz wollte man in Basel auf Anfrage nicht abgeben. Doch scheint klar, dass die Road-Show solange warten muss, bis klar ist, was Syngenta den Investoren überhaupt verkaufen kann. Die Bonität der Syngenta-Anleihen steht bei S&P mit der Note BBB– bereits auf der untersten Stufe der sogenannten Investment-Grade-Qualität, die für Investorenkreise wie Pensionskassen, Versicherungen oder Anlagefonds investierbar ist. Mit einer Rückstufung um nur eine Note auf BB+ würden die Schuldpapiere von Syngenta in die Kategorie Non-Investment-Grade fallen, die gemeinhin auch als «Ramschanleihen» bezeichnet werden.

Streit mit US-Bauern

Auf solchen Anleihen verlangt der Kapitalmarkt eine zusätzliche Risikoprämie. Bezogen auf die Schuldenaufnahme von 7 Milliarden Dollar, könnte dies für Syngenta eine zusätzlichen Zinslast von 140 Millionen Dollar oder mehr als 10 Prozent eines Jahresgewinns bedeuten. Doch nebst den offenen Fragen um die Finanzierung der bislang grössten chinesischen Übernahme im Ausland stellt sich für die Käufer zunehmend die Frage nach dem Erfolg der Transaktion. Ein erster Vergleich im hängigen Genmais-Streit mit 440 000 nordamerikanischen Bauern könnte Syngenta laut einer aktuellen Mitteilung 1,5 Milliarden Dollar kosten – das wäre mehr als ein Jahresgewinn.

Im Urteil der Research-Agentur Sustainalytics ist das Schadenpotenzial für Syngenta aber ein Vielfaches grösser, zumal die Firma nebst Schadenersatzansprüchen auch mit hohen Bussen für unzulässige Verkaufspraktiken rechnen muss. Für Rechtsstreitigkeiten lagen bei Syngenta Ende 2016 nur 113 Millionen Franken an Rückstellungen bereit.