Der politische Druck ist weitgehend folgenlos geblieben. Am Montag gaben ChemChina und Syngenta in einer gemeinsamen Mitteilung bekannt, dass sie eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Verschmelzung genommen haben: Das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) in Washington wird die Übernahme des Schweizer Agrarchemie-Unternehmens durch den chinesischen Staatskonzern nicht blockieren. Zwar werde die Transaktion noch von zahlreichen Aufsichtsbehörden rund um die Welt geprüft – die beiden Firmen rechnen nun aber damit, dass die Übernahme bis Ende Jahr abgeschlossen sein werde.

Der CFIUS-Entscheid kommt einer Niederlage für protektionistische Kreise gleich, die der Übernahme kritisch gegenüberstehen. Besonders lautstark wehrt sich Senator Chuck Grassley aus Iowa gegen die Transaktion. Die Argumentation des wirtschaftspopulistischen Republikaners: Ausländische Staatskonzerne, die sich wichtige Akteure der amerikanischen Landwirtschaft unter den Nagel reissen, gefährdeten die Ernährungssicherheit.

Grosses Gewicht in Nordamerika

Dazu muss man wissen: Syngenta ist zwar eine urschweizerische Firma, deren Wurzeln auf die Unternehmen J. R. Geigy, Ciba und Sandoz zurückgehen. Syngenta erzielt aber rund 27 Prozent seines Umsatzes in Nordamerika; in den USA und Kanada betreibt der Konzern 34 Standorte – darunter eine Fabrik in North Carolina – und beschäftigt mehr als 4300 Angestellte. Für die Saatgut-Sparte ist Nordamerika gar das stärkste Standbein, mit einem Sparten-Umsatz von fast 40 Prozent 2015. Gemäss «Farm Journal» belief sich der amerikanische Marktanteil des Basler Unternehmens 2014 auf 9,8 Prozent (Saatgut für Sojabohnen) bzw. 5,7 Prozent (Mais). Senator Grassley forderte deshalb, dass sämtliche Kapitalbeteiligungen an Firmen, die ihr Geld in der US-Landwirtschaft verdienen, «aus strategischen Gründen» einer Überprüfung unterzogen würden. Dabei spielte sicher eine Rolle, dass der seit 1980 amtierende Republikaner im Herbst zur Wahl steht – und auf die Unterstützung der mächtigen Landwirtschaftslobby im Heimatstaat Iowa angewiesen ist.

Niederlage für US-Agrarlobby

Nun scheinen Grassleys Bedenken am CFIUS abgeprallt zu sein. Traditionsgemäss schweigt sich der sicherheitspolitische Ausschuss über seine Entscheide aus. Publiziert werden nur jährliche Statistiken. Ein Syngenta-Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters aber: «Jegliche Zugeständnisse» an das Committee «sind nicht materiell für das Geschäft von Syngenta». Senator Grassley meldete sich vorerst nicht öffentlich zu Wort. Er kann sich mit einem Teilsieg trösten: Dank seiner Intervention konnte auch das Landwirtschaftsministerium seine Meinung zur Syngenta-Übernahme abgeben – obwohl die Agrarexperten in Washington bisher nicht Teil des CFIUS waren. Damit könnte er einen Präzedenzfall geschaffen haben.

Grassley verwies vorige Woche in einem Interview darauf, dass sich die Wettbewerbshüter der FTC (Federal Trade Commission) mit der Transaktion beschäftigten. Auch in diesem Prozess solle das Landwirtschaftsministerium konsultiert werden, «aufgrund der Komplexität und der Dynamik der Industrie». Syngenta wollte dazu keine Stellung nehmen. Auf den ersten Blick gibt es allerdings keinen Anlass für die FTC, die Übernahme zu blockieren. ChemChina ist als Eigentümerin von Adama Agricultural Solution, einem israelischen Hersteller von Unkrautvernichtungsmitteln, zwar über eine Tochterfirma in North Carolina bereits in den USA präsent. Adama setzte im vergangenen Quartal in Nordamerika aber bloss 186 Millionen Dollar um.

Offen ist auch, ob das grüne Licht des CFIUS nun den Konsolidierungsprozess in der Agrochemie-Branche beschleunigen wird. Derzeit laufen Gespräche zwischen dem deutschen Bayer-Konzern und dem amerikanischen Syngenta-Konkurrenten Monsanto. Allerdings ist das entsprechende Übernahmeangebot aus Leverkusen bisher am Monsanto-Hauptsitz in St. Louis (Missouri) zurückgewiesen worden, mit Verweis auf den zu niedrigen Preis von 125 Dollar pro Aktie.