Hochpreisinsel Schweiz

Swissmem-Präsident Hess fordert: runter mit den Preisen

Swissmem-Präsident Hans Hess ärgert sich über die zum Teil überrissenen Preise in der Schweiz. (Archiv)

Swissmem-Präsident Hans Hess ärgert sich über die zum Teil überrissenen Preise in der Schweiz. (Archiv)

Produkte und Dienstleistungen in der Schweiz sollen billiger werden. Das fordert Hans Hess, Präsident des Industrie-Wirtschaftsverbandes Swissmem. Heimatschutz hält er hingegen für die falsche Lösung.

Die Situation in der Schweizer Industrie hat sich leicht aufgehellt. Trotzdem ist Hans Hess, Präsident des Wirtschaftsverbandes Swissmem, noch nicht ganz von der Erholung überzeugt. Ein Thema bleibe für viele Unternehmen die hohen Lohnkosten im Vergleich zum benachbarten Ausland, sagt er im Gespräch mit der «Schweiz am Wochenende». Dies sei der Hauptgrund, wieso viele Unternehmen nach wie vor ihre Produktion ins Ausland verlagern.

Doch man könne deshalb nicht einfach die Löhne senken. Das weiss auch der Unternehmer. Deshalb setzt Hess bei den Preisen an: «Leider sind in der Schweiz auch die Preise, die Konsumenten bezahlen müssen, bis zu 50 Prozent höher als im umliegenden Ausland. Der starke Franken hat das Problem akzentuiert.» Die aktuellen Diskussionen über die stärkere Abschottung des Schweizer Markts, wie ihn Politiker fordern, führten laut Hess deshalb genau in die falsche Richtung. Statt etwa den Freibetrag für den zollfreien Einkauf im Ausland von 300 auf 50 Franken zu senken, brauche es andere Wege. «Man soll nicht auf Heimatschutz machen. Statt die Schweiz abzuschotten, sollen die Produkte und Dienstleistungen in der Schweiz billiger werden. Wir müssen jetzt die Hochpreisinsel anpacken.»

Es könne nicht sein, dass die ausländischen Anbieter, die in die Schweiz liefern, einfach 30 Prozent mehr verlangen. Dieses Problem kennen nicht nur die Schweizer Konsumenten, so der Swissmem-Präsident, sondern auch Schweizer Unternehmen: «Wenn ein Lieferant merkt, dass eine Schweizer Firma bestellt, zieht er einfach die Schweizer Preisliste hervor. Das ist die mit den höheren Preisen.» Verteuert werden die Produkte aber auch durch übertriebene Vorschriften, etwa im Bereich der Lebensmittelsicherheit. Auch hier fordert er die Politik zum Handeln auf.

Zu viel Regulierung, zu wenig Markt. Erst wenn dieses Problem gelöst sei, könne man über tiefere Löhne im Vergleich zum Ausland sprechen, ist deshalb Hess überzeugt: «Doch es wird nicht über Lohnsenkungen gehen, sondern über die Jahre wird es bei unseren Nachbarländern deutliche Lohnerhöhungen geben. Hier werden wir nicht im gleichen Umfang nachziehen müssen.» Was Hess damit auch sagt: Generelle Lohnerhöhungen, wie sie die Gewerkschaften fordern, sieht er in den nächsten Jahren kaum.

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