Sprachtelefonie ist nach dem Brieftransport und der Telegrafie das drittälteste Gewerbe der ehemaligen Postgesellschaften.

Jetzt ist die Sprachtelefonie der letzte Dienst, der in der Schweiz von der Telefonsparte der ehemaligen PTT, bekannter als Swisscom, digitalisiert und auf das Internet-Protokoll-Datennetz (IP) umgestellt wird.

Das Festnetz hatte in den letzten 20 Jahren mit dem Aufkommen der Mobilkommunikation viel von seiner Bedeutung eingebüsst: Laut den jüngsten Zahlen des Bundesamtes für Statistik ist die Zahl der Telefon-Festanschlüsse seit Mitte der 1990er-Jahre von 4,3 auf unter 3 Millionen zurückgegangen.

Dennoch: Bedeutungslos ist das Festnetz dank neuen Diensten nicht geworden. Skypen über das Internet ist ein bekannter digitaler Telefondienst.

«Aber im Gegensatz zu diesen globalen Angeboten laufen die Daten bei uns in der Schweiz nur über eigene Leitungen und Rechenzentren, ein Abhören ist unmöglich», versicherte Heinz Herren, Leiter IT, Netz und Innovation gestern bei Swisscom an einer Präsentation in Zürich.

Swisscom will bis Ende 2017 alle Kunden auf datenbasierte Telefonie umstellen. Diese funktioniert zwar mit Internet-Technologie. Sie läuft aber nicht über das Internet selber.

Neue Steckdose

Für die Endkunden – Swisscom betreut in der Schweiz 2,3 Millionen Privatkunden und 6000 grössere Firmen – ändert sich wenig: Datennetze sind bereits gebaut, vielerorts sind Anschlüsse schon eingerichtet.

Die gesamte Kommunikation in Privathaushalten läuft künftig über einen Router, der die ankommenden Daten an das richtige Endgerät weiterleitet und an eine spezielle Steckdose angeschlossen wird.

Diese Steckdose wird dann auch die alte gewohnte Telefonsteckdose überflüssig machen. Eine Viertelmillion Swisscom-Kunden hat bereits auf IP-Digitaltelefonie umgestellt.

Die Apparate werden direkt an den Router angeschlossen, wenn es Kabeltelefone sind. Auch die gewohnten kabellosen Geräte, die mit dem DECT-Standard arbeiten, laufen über den Router.

Swisscom verspricht den Endkunden bessere Datenqualität, wenn beide Seiten über IP telefonieren.

Die Datennetze sind schon flächendeckend eingerichtet, die Umstellung erfolgt deshalb schweizweit und nicht, wie bei der Mobilkommunikation üblich, zuerst in den besonders lukrativen Ballungsgebieten.

Hinzu kommen Vorteile bei der Produktebündelung, die Swisscom im Wettbewerb ausspielt. «Pro Monat stellen wir 20 000 bis 30 000 Privatkunden um», sagt Swisscom-Mann Heinz Herren. Das Umstecken von Kabeln und das gängige Aufschalten von Verbindungen nach Wohnungswechseln gehört der Vergangenheit an, so Herren.

Für die 6000 Firmenkunden erfolgt die Umstellung individuell, weil diese oft besondere Ansprüche und komplexe Kommunikationsbedürfnisse haben, sagt der zuständige Produktemarketingmann Guido Tranel. Swisscom macht diese Dienste im Rahmen ihrer Wholesale-Angebote auch Wiederverkäufern zugänglich.

Keine Kostenvorteile für Kunden

Über die Kosten für neue Dienste wollte Herren genauso wenig sagen wie für die Kosteneinsparungen bei Swisscom selber.

«Ich erwarte keine Preisvorteile für Kunden, die über IP telefonieren statt analog. Allerdings ist bisher die IP-Telefonie nur für Kunden mit einem Kombi-Paket erhältlich», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis. Je nach Bedürfnissen des Kunden ist das Kombi-Produkt teurer oder günstiger als der Bezug von Einzelprodukten.

Allerdings dürfte Swisscom das Ganze genau beobachten. «Kunden können sich überlegen, weshalb sie für eine IP-Funktion so viel mehr bezahlen müssen, als wenn sie bei einem unabhängigen Anbieter Kunde sind», sagt Beyeler.

Den wenigsten Kunden dürfte der Unterschied zur Gratis-Internettelefonie bewusst sein. «Da muss Swisscom aufpassen», sagt Beyeler.

«Denn Kunden könnten sich natürlich auch für Kombi-Angebote von Swisscom entscheiden, die keinen Festnetz-Anschluss enthalten, und die Festnetzgespräche über einen freien Anbieter führen.»

Die IP-Telefonie birgt eben für alle Überraschungen – auch für die Netzbetreiber wie Swisscom.