Weil die Swisscom nicht die ganze Schweiz mit den teuren Glasfasern bis in die Wohnungen oder Geschäfte erschliessen will, beabsichtigt der Konzern, ausserhalb der Ballungsgebiete die Leitungslänge zwischen Kunde und Verteilknotenpunkt zu kürzen, um auf dem etwas langsameren Kupfernetz schneller zu werden.

Dazu lege die Swisscom die Glasfaserleitungen und die entsprechende elektronische Ausrüstung bis in die Verteilschächte der einzelnen Strassen, statt nur in die Quartierkästen, wie Netzbau-Chef Markus Reber am Donnerstag vor den Medien in Ittigen BE erklärte. Dadurch nimmt die Länge des Kupferkabels von maximal 750 Meter auf rund 220 Meter ab. Bei grösseren Wohnblöcken legt die Swisscom die Glasfaserleitungen gleich bis in den Keller.

Eine halbe Million Haushalte

Bisher seien eine viertel Million Haushalte und Geschäfte auf diese Weise erschlossen worden, sagte Reber. Bis Ende 2016 sollen es rund eine halbe Million sein. Zudem soll der neue technische Standard «G.fast» eingeführt werden. Damit steigt die heutige Höchstgeschwindigkeit auf dem Kupfernetz von derzeit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) auf bis zu 500 Mbit/s.

Der Pilotversuch mit «G.fast» finde mit rund 100 Kunden im ersten Halbjahr 2016 statt, sagte Reber. Breit eingeführt solle die neue Technologie gegen Ende nächsten Jahres werden. Die Swisscom sei der erste Telekomkonzern der Welt, der «G.fast» einführe, sagte Schweiz-Chef Felix Kamer vom chinesischen Technologiekonzern Huawei, der das Swisscom-Netz aufrüstet.

Das Ziel sei, bis Ende 2020 etwa 85 Prozent aller Schweizer Wohnungen und Geschäfte mit Ultrabreitband-Technologien zu erschliessen, sagte Reber. Darunter versteht die Swisscom Bandbreiten von 100 Mbit/s und mehr. Bis Ende 2023 sollen alle Gemeinden an Ultrabreitband angeschlossen sein.

Glasfasern sind noch schneller

Die Swisscom reagiert damit auch auf den Druck der Konkurrenz. Derzeit rüstet Quickline als erster Schweizer Kabelnetzbetreiber sein Netz auf die neue Technologie «Docsis 3.1» auf, die ausschliesslich von Kabelnetzbetreibern verwendet wird. Damit könnte in den nächsten drei bis vier Jahren gemäss früheren Angaben die Surfgeschwindigkeit der Endkunden von gegenwärtig 200 Mbit/s auf 1 bis 2,5 Gbit/s steigen.

Auch UPC testet «Docsis 3.1» derzeit. Mit der neuen Technologie versprach der Kabelnetzbetreiber Geschwindigkeiten von 10 Gbit/s und mehr.