Versicherungen

Swiss Life entsorgt AWD für eine halbe Milliarde Franken

Die Swiss Life hat bei der Übernahme der AWP im Jahr 2007 zu viel auf den Tisch gelegt (Archiv)

Die Swiss Life hat bei der Übernahme der AWP im Jahr 2007 zu viel auf den Tisch gelegt (Archiv)

Mit einem neuen Fitnessprogramm will die Swiss Life zu einem der modernsten Lebensversicherer Europas werden. Der Problemtochter AWD verpasst der Konzern einen neuen Namen und realistischere Leistungserwartungen. Das kostet allerdings Geld und Stellen.

Der AWD, der Normalbürgern Vorsorge- und Finanzpläne vermittelt, heisst ab 2013 "Swiss Life Select". Nach dem Kauf 2007 hat die Tochter die Umsatzerwartungen der Konzernmutter verfehlt. Am Mittwoch gab die Swiss Life zu, dass sie die Geschäftsaussichten des AWD vor fünf Jahren überschätzt hatte.

Vor allem in Österreich und in Osteuropa, wo die Swiss Life dem Finanzprodukteverkäufer die Rolle des Türöffners in die wachsenden Märkte angedacht hatte, erfüllt das Geschäft die einst beträchtlichen Erwartungen nicht. Aus Ungarn und der Slowakei zieht sich der AWD nun ganz zurück.

Markenname abgeschrieben

Die Neueinschätzung des Potenzials der Tochter erfordert einen Abschreiber auf den immateriellen Vermögenswerten in der Bilanz von 1,34 Mrd. Fr. auf 765 Mio. Franken. Ein grosser Teil davon betrifft den Goodwill, also einen Wert, den die Swiss Life beim Kauf neben dem Substanzwert der Leistungskraft des AWD beimass.

Weil die Swiss Life den Namen AWD abschafft, muss sie auch den bilanzierten Wert der Marke von 94 Mio. Franken auf Null abschreiben. Die Wertberichtigungen verdeutlichen aber auch, dass die Swiss Life vor fünf Jahren mit 1,9 Mrd. Fr. zuviel für den AWD bezahlt hatte.

Eine halbe Milliarde muss der Lebensversicherer Swiss Life wegen dem AWD-Kauf abschreiben.

Eine halbe Milliarde muss der Lebensversicherer Swiss Life wegen dem AWD-Kauf abschreiben.

Die Wertberichtigung beschert der Swiss Life einen Gewinneinbruch fürs laufende Jahr. Statt 606 Mio. Fr. wie im Vorjahr wird der Versicherer 2012 nur einen zweistelligen Millionenbetrag als Gewinn ausweisen. Operativ ist der Konzern indessen gut unterwegs, die Aktionäre sollen weiterhin 4,50 Fr. Dividende pro Aktie erhalten.

Schillernder Gründer

Den AWD-Kauf als solches hält Swiss-Life-Chef Bruno Pfister wegen dessen Vertriebskraft nach wie vor für strategisch richtig. Den Kaufpreis erklärte er damit, dass man die Zukunft des AWD 2007 als sehr vielversprechend eingestuft habe. Durch die Krise sind Kunden bei Finanzprodukten aber vorsichtiger geworden - so brach AWD der Umsatz weg.

Der vom schillernden deutschen Geschäftsmann Carsten Maschmeyer gegründete AWD hat unter Swiss-Life-Ägide längere Zeit Verluste geschrieben. Angekratzt ist das Image des Unternehmens - und auch jenes seines Gründers - wegen des Schicksals von Kunden, die mit AWD-Empfehlungen Geld verloren hatten und Klagen einreichten.

Zahlreiche dieser Klagen sind inzwischen abgelehnt oder zurückgezogen worden. "Mit einem Namenswechsel löst man Imageprobleme nicht", sagte Konzernchef Pfister vor den Medien in Zürich. Der neue Name Swiss Life Select soll aber an Werte wie Swissness, Zuverlässigkeit und Qualität erinnern.

Bis zu 400 Stellen fallen weg

Der organisatorische Verschmelzung des bisherigen AWD mit den Swiss-Life-Ländergesellschaften fallen gruppenweit in den nächsten Jahren bis zu 400 Stellen zum Opfer, vor allem in Verwaltungs- und Stabspositionen. In der Schweiz ist der Abbau von 90 Stellen bis 2015 geplant. Derzeit beschäftigt Swiss Life 7000 Mitarbeiter und 4600 Finanzberater.

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